
Der VW Bulli - wie alles anfing
Die Idee war aus der Not geboren. Nach dem Vorbild eines improvisierten Vehikels zum Transport schwerer Lasten entwickelte der niederländische Autohändler Ben Pon 1947 den VW-Transporter T1 und sorgte damit für den Auftakt zu einer beispiellosen Erfolgsgeschichte.
Der "Plattenwagen", so die interne Bezeichnung für ein uriges Vehikel zum Transport schwerer Lasten im Wolfsburger Volkswagenwerk, war 1947 der Ideenlieferant für Ben Pon, Autohändler und Volkswagen-Importeur in den Niederlanden. Er war begeistert von dem mobilen Hilfsmittel, das die Arbeiter in der Fabrik geformt hatten: Käfer-Achsen und -Antrieb, über dem 25 PS-Motor im Heck des Fahrzeugs eine Sitzbank für den Fahrer, davor eine senkrechte Platte, um das Betriebsabteil von der Ladefläche abzugrenzen. Eine abenteuerlich anmutende, geradezu primitive Konstruktion, aber sehr praktisch.
Ben Pon versuchte, diesem Plattenwagen eine Betriebserlaubnis für die Niederlande zu verschaffen und scheiterte. Seinen zweiten Antrag bei den Behörden bereitete er mit einer Handskizze vor. Deutlich war die Silhouette des späteren T1 mit all seinen technischen Besonderheiten zu sehen: Frontlenker, Heckmotor, dazwischen eine glatte Ladefläche. Diesem intensiv diskutierten Denkmodell folgte 1948 ein Entwicklungsauftrag von Heinrich Nordhoff, der in Wolfsburg die Geschicke von Volkswagen leitete.
Das erste Exemplar eines Typ 29, so die interne Bezeichnung des ersten Transporters mit Käfer- und Kübelwagen-Technik, war nach weniger als einem halben Jahr fahrbereit. Aber nicht lange.
Das Testprogramm konnte nicht wie geplant durchgeführt werden, weil das Chassis, das für den Käfer gut war, für den Typ 29 nicht reichte. Mangelhafte Verwindungsfestigkeit von Chassis und Karosserie verwandelte jede Kurvenfahrt in ein Abenteuer mit offenem Ausgang.
Im nächsten Anlauf erwies sich die selbsttragende Konstruktion des Aufbaus als die richtige. Fahrwerksteile wurden gegenüber der Käfer-Technik stabiler dimensioniert und verhalfen dem Transporter zu einem akzeptablen Niveau an aktiver Sicherheit.
Im Frühjahr 1950 rollten die ersten Transporter aus der Wolfsburger Produktionsanlage auf die Straße - angetrieben von einem 25 PS starken, luftgekühlten Boxer-Motor im Heck. Wendig, praktisch, vielseitig, anspruchslos und fast 100 km/h schnell. Auf der Straße nahm der Transporter nicht viel mehr Platz in Anspruch als ein Käfer. Er machte eine gute Figur an Gemüseständen und Baustellen, löste für die Polizei als freundlicher Helfer die meisten Transportprobleme und entwickelte sich bald zu einem Automobil mit etlichen Anzeichen einer komfortablen Limousine: bequem, zweifarbig mit Rollverdeck, viel Chrom und Glanz. Das alles bot der Samba-Bus, der 1951 vorgestellt wurde und bis auf Weiteres der unangefochtene Star des Transporter-Ensembles war.
Als Typ 2 - nicht mehr Typ 29 - wurde der Transporter nunmehr in der werksinternen Nomenklatur geführt. Auf dem Markt sollte er jedoch nur der VW Lieferwagen sein. Sein Spitzname fand daher keinen Eingang in die Verkaufsunterlagen. Bulli, wie er von Beginn an liebevoll genannt wurde, durfte er offiziell nicht heißen, weil die Mannheimer Traktorenfirma Lanz sich den Namen "Bully" hatte schützen lassen. Indes, Geschichte wird nicht von Rechtsanwälten geschrieben. Ein VW Transporter, ein VW Lieferwagen oder ein VW Bus war ein Bulli - im Namen des Volkes. Weil er knuffig und bullig aussah und weil er als Bus und als Lieferwagen taugte. So fügten sich die beiden ersten Buchstaben der Typenbezeichnung zusammen zu Bu-Li. Und damit das flüssiger über die Lippen ging, musste der Bindestrich zugunsten eines weiteren "l"; weichen. So erzählt man sich heute unter Bulli-Verehrern die Geschichte zur Taufe des Autos, das sich als ein klassischer Motor des deutschen Wirtschaftswunders der Nachkriegszeit entpuppt hat.
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