Der Feuerwehr-Bulli
Rainer Schlabach besitzt einen T1 Transporter (Bj. 1958), der jahrzehntelang von Werksfeuerwehren genutzt wurde. Er hat den Werdegang seines Fahrzeugs dokumentiert.
In den 50er Jahren wurde in der Friedrichshütte Herdorf in Rheinland-Pfalz zum Schutz der Mitarbeiter und Maschinenanlagen eine Werksfeuerwehr gegründet. Zu seiner Unterstützung erhielt das 23 Mann starke Team einen seinerzeit hochmodernen T1 Transporter mit einer Feuerwehrausrüstung der Firma Ziegler.
Diese Ausrüstung war für eine umfassende Brandbekämpfung ausgelegt und damals selbst bei den freiwilligen Feuerwehren der Städte und Gemeinden noch nicht weit verbreitet.
Der Feuerwehr-Bulli hatte mit Beladung einen Anschaffungswert von 12.999 Mark und wurde am 30. April 1958 mit dem amtlichen Kennzeichen AK-D 21 beim Landratsamt Altenkirchen zugelassen. Aufgrund des konjunkturellen Niedergangs kam es zehn Jahre später zur Schließung der Friedrichshütte Herdorf.
Das Ende der Friedrichshütte Herdorf war zugleich auch das Aus für die Werksfeuerwehr und so verlegte man den Feuerwehr-Bulli 1969 in das Hüttenwerk Siegerland nach Wissen, wo der Bus ebenfalls von der Werksfeuerwehr genutzt wurde. 1994 gingen dann auch in dem einst modernsten Stahlwerk Europas die Lichter aus.
Fortan stand der Bus abgemeldet in der Garage des Stahlwerks Kreuztal-Ferndorf. Aus seinem Dornröschenschlaf erwachte er erst sechs Jahre später wieder, als die Anschaffung eines neuen Feuerwehrautos beschlossen wurde.
Zu diesem Zweck musste jedoch ein Altfahrzeug abgegeben werden. Deshalb wurde der Feuerwehr-Bulli im Dezember 2000 zur Versteigerung freigegeben - und ich erhielt den Zuschlag.
Nun war ich Besitzer eines Tragkraftspritzenfahrzeugs TSF-T auf Basis eines VW T1 Typ 21F im Originalzustand mit 30 PS Motorleistung, 6 Volt Bordspannung und Reifen der Größe 6.40-15. Der Feuerwehr-Bulli, 13 Jahre älter als ich, bekam gleich in der Garage der Werksfeuerwehr einen Ölwechsel und die Batterie wurde geladen.
Dann drehte ich nur noch den Schlüssel um, der Motor lief wie ein Uhrwerk und die ersten zehn Kilometer zu seinem neuen Zuhause legte der Bus ohne Probleme zurück.
Leider waren Anmeldung und Zulassung keine leichten Aufgaben, da Sonder-Kfz in Deutschland nicht mehr auf Privatpersonen zugelassen werden dürfen. Aber wie für beinahe alles gab es auch hier eine Ausnahmegenehmigung, die mir erlaubt, den Feuerwehr-Bulli mit angebautem Blaulicht und Martinshorn auf der Straße zu bewegen.
2007 folgte ich dem Aufruf von Volkswagen Nutzfahrzeuge und fuhr mit meiner Familie im Feuerwehr-Bulli auf seiner ersten längeren Strecke zu den „60 Jahre Bulli“-Feierlichkeiten nach Hannover. Und das nicht ohne Stolz, denn der Bus hatte es in die Vorauswahl der originalsten zehn VW Busse geschafft. Nach einem dreitägigem Super-Treffen und einem aufregenden Bewertungstag wurde daraus schließlich ein schöner vierter Platz.
Sehr gerne besuche ich mit dem Bulli auch Feuerwehr-Treffen. So ist zum Beispiel das Feuerwehr-Oldtimertreffen im Freilichtmuseum Hagen eine ausgezeichnete Veranstaltung für die ganze Familie.
Aber auch bei manchen Feuerwehr-Jubiläumsfeiern können die älteren Feuerwehrleute von interessanten Erinnerungen zu erzählen, die sie mit ihren Bullis verbinden, denn auf dem Land war der T1 früher in nahezu allen Gerätehäusern vertreten.
Die Krönung ereignete sich dann aber 2008 anlässlich der Eröffnung einer Ausstellung über die Friedrichshütte Herdorf in Rheinland-Pfalz, dem ersten "Arbeitgeber" meines Feuerwehr-Bullis.
Durch einen Zufall war der Museumsleiter auf das Fahrzeug aufmerksam geworden hatte mich darum gebeten, ihm den Bus für die Ausstellungseröffnung zur Verfügung zu stellen. Das habe ich natürlich mit großer Freude getan. In der Zeitung hieß es am nächsten Tag:
"Ein Höhepunkt der Vernissage zur Ausstellung ‚Die Friedrichshütte Herdorf - ein Rückblick’ im Kreisbergbaumuseum war zweifellos ein besonderes Schätzchen, nämlich ein Feuerwehrfahrzeug der Friedrichshütte Herdorf. Es handelt sich um ein TSF-T, ein Tragspritzenfahrzeug, einen VW-Bus, der 1958 angeschafft wurde und somit 50 Jahre auf dem knallroten Buckel hat.
Das Fahrzeug, tadellos in Schuss, in der Originalfarbe mit komplettem 'Innenleben', fuhr von 1958 bis 1968 in Diensten der Friedrichshütte und wurde von den Männern der Hüttenwehr gewartet, gepflegt und eingesetzt."
Text und Fotos: Rainer Schlabach (redaktionelle Bearbeitung: VW-Bulli.de)
Weitere Infos über seinen Feuerwehr-Bulli gibt Rainer Schlabach auf der gleichnamigen Internetseite.
Wir empfehlen außerdem das Buch Volkswagen Feuerwehrfahrzeuge sowie unseren Artikel T1 Spezialfahrzeuge.









