Der VW Bulli als Symbol der Hippie-Kultur

Während der späten 60er- und frühen 70er-Jahre war der VW Bus das wichtigste Fortbewegungsmittel der freiheitsliebenden Flower-Power-Szene. In Jesuslatschen und Batikkleidern ging es mit dem bunt bemalten T1 oder T2 nach Indien und zu anderen angesagten Hippie-Reisezielen.

"People in motion" ("Menschen in Bewegung") heißt es in dem berühmten Song "San Francisco" von Scott McKenzie, der eine Generation besingt, die es Ende der 60er-Jahre aus der bürgerlichen Enge hinaus in die Landkommunen Kaliforniens zog. Die Hippie-Kultur war nicht nur eine Jugendbewegung, sondern sie bewegte im wahrsten Sinne des Wortes die Menschen auch räumlich. In quietschbunten VW Bullis reisten sie zunächst zahlreich an die Westküste der USA und später auch nach Ibiza, ins indische Goa oder auf die griechischen Inseln, wo sie sich im Gegensatz zur verbürgerlichten Wohlstandsgesellschaft auf immaterielle Werte wie Liebe, Frieden und Glück besannen.

Der Bulli war und ist bis heute ein Symbol dieser Ära und setzte sich als "Hippie-Dienstwagen" durch. Er war die Hülle, in der sich die jungen Leute in eine fremde Ferne tragen ließen. Mit seinem sparsamen Benzinverbrauch entsprach er den Lebensverhältnissen seiner Besitzer, die häufig mit nur ein paar Münzen in der Tasche die halbe Welt durchquerten. Im Innenraum bot der Bus sehr viel Platz und konnte auch als Schlafgelegenheit genutzt werden. Und er brachte die Menschen zusammen: Der T2, der von 1967 bis 1979 in Hannover produziert wurde, verfügte gegenüber seinem Vorgängermodell, dem T1, über Personenwagenkomfort. Gleich mehrere langhaarige Blumenkinder in bunten Gewändern fanden darin eine Sitzgelegenheit, was die Kosten weiter senkte. Aus den Fenstern ertönten Songs von The Doors, Bob Dylan, Jimi Hendrix oder Janis Joplin. Bewusstseinserweiternde Drogen gehörten genauso zum Reisegepäck wie Jesuslatschen, Batikkleider und Räucherstäbchen.

Die Flower-Power-Generation in Europa feierte den Bulli als einzig wahres Transportmittel und brach mit ihm in Richtung Osten auf. Gemeinsam bevölkerten sie die so genannten "Hippie-Trails": Diese führten von Europa nach Ostasien über Istanbul, Teheran, Kabul und Peshawar. Beliebte Ziele waren Goa in Indien und Kathmandu in Nepal. "Being on the road" war das Lebensgefühl, das sich durch seine nomadenhafte Lebensweise ausdrückte und auf Selbstverwirklichung durch Selbsterfahrung zielte. Das färbte auch auf den Bulli ab, den robusten Reisebegleiter, dem kein Hindernis zu groß wurde. Wie die Hippie-Kultur steht auch er bis heute für "Love, Peace and Happiness". Noch immer zieren viele T1- und T2-Modelle die Symbole jener Zeit, die ihnen in liebevoller Handarbeit aufgemalt wurden: Blumen, Peace-Zeichen und farbenfrohe psychedelische Muster.