Erfolgreicher Selbstzünder

Vor 150 Jahren wurde Rudolf Diesel geboren. Volkswagen machte den Dieselmotor in Pkw und Bullis weltbekannt. Museen erinnern an den erfolgreichen Konstrukteur.

Rudolf Diesel (1858 bis 1913) Foto: MAN Diesel SE

Ohne ihn gäbe vermutlich keinen "wirklich bulligen" Bulli, egal ob mit TDI oder Common Rail: Rudolf Diesel, am 18. März 1858 als Sohn deutscher Eltern in Paris geboren, war ein genialer Erfinder. Um sein ideenreiches Leben ranken viele Geschichten, sein Tod ist bis heute ungeklärt.

Von einer Schiffsreise nach Harwich kehrte er nicht mehr zurück. Gerade 55 Jahre alt geworden, verschwand er am 29. September 1913 im Ärmelkanal vom Schiff. Es wird vermutet, dass er voller Enttäuschung den Tod gesucht hat. Diesel selbst hat die Erfolge seiner Erfindung nicht mehr erlebt. Die anstrengende Arbeit hatte ihn nervlich zerrüttet. Außerdem hatten Fehlspekulationen sein Vermögen aufgezehrt.

Noch heute ehrt der Verband der Motorjournalisten (VdM) jedes Jahr Persönlichkeiten, die sich besondere Verdienste um die "Hebung der Verkehrssicherheit und die Minderung von Unfallfolgen" erworben haben mit dem "Goldenen Dieselring", in dem ein Splitter einer Schraube des ersten Versuchsmotors von Rudolf Diesel eingearbeitet ist.  Diesels Idee: Reine Luft sollte in einem Zylinder so stark verdichtet werden, dass "die hierdurch entstandene Temperatur weit über der Entzündungstemperatur des zu benutzenden Brennstoffs liegt, worauf der Brennstoff zugeführt wird und explodiert". Damals wurde seine Idee als illusorisch betrachtet und die Umsetzung erwies sich auch alles andere als einfach. Schwierigkeiten machten der hohe Druck, die Brennstoffzufuhr und die Art des Brennstoffs.

Erster funktionsfähiger Dieselmotor aus dem Jahr 1897. Foto: MAN Diesel Gruppe

Nach vier Jahren frustrierender Versuche stellte Rudolf Diesel 1897 den ersten Motor nach dem von ihm entwickelten Prinzip der Öffentlichkeit vor. Diesel überließ der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN) das Recht, seine Erfindung industriell auszuwerten. Noch im selben Jahr wurde zwischen dem Konstrukteur und Friedrich Krupp in Essen ein ähnlicher Vertrag geschlossen. Von nun an übernahmen beide Werke zu gleichen Teilen die Kosten zum Bau des Diesel-Versuchsmotors.

Am 17. Februar 1897 tuckerte der neue Motor erstmals. Und schlug im Vergleich den 1876 erfundenen benzinbetriebenen Ottomotor nach Längen: Er war robuster, sparsamer und hatte einen höheren Wirkungsgrad. Grobschlächtig und laut brummte er zunächst stationär, später und bis heute in Schiffsrümpfen, ab 1908 im Auto. Natürlich nutzt auch die Eisenbahn seine Vorteile.

Dieselaggregate aller Art findet man in im Deutschen Museum München, aber auch im Auto- und Technik-Museum Sinsheim und seinem Zwilling, dem Technik-Museum Speyer. Wie gewaltig diese Maschinen sein konnten, zeigt gegenwärtig die Sonderausstellung VW-Bulli-Parade in Speyer, bei der ein Bulli geradezu klein wirkt neben einem Dieselgenerator der Maschinenfabrik Esslingen.

Die Stadt Augsburg und die MAN Diesel SE nehmen den 150. Geburtstag von Rudolf Diesel zum Anlass, ihn zwischen dem 15. März und Ende Juni mit einer Reihe verschiedener Veranstaltungen zu ehren.

Erster Versuchsmotor Diesels, MAN-Museum Augsburg (1893-1895). Foto: MAN Diesel Gruppe

Den ersten Pkw mit Dieselmotor stellte Mercedes-Benz vor. Der Reihenvierzylinder machte vor allem Taxis mobil. Volkswagen hat den Dieselmotor 1976 in Massenautos populär gemacht. Verbräuche um fünf Liter auf hundert Kilometer, Drehmoment wie bei Sechszylinder-Benzinern, hohe Laufleistungen - all dies steht heute für die TDI-Motoren von Volkswagen wie sie auch in Bullis arbeiten.

Der erste VW-Diesel leistete 37 kW (50PS) und beschleunigte den 805 kg leichten Golf auf 140 km/h Höchstgeschwindigkeit. Dies entsprach den Werten des gleich starken Golf mit Benzinmotor. Und das bei einem Verbrauch von seinerzeit erstaunlichen 6,5 Litern im Durchschnitt. In modernen Multivans  arbeiten heute höchst wirtschaftliche Vierzylinder mit 75 kW (102 PS) und 250 Newtonmeter Drehmoment oder fünfzylindrige 2.5-Liter TDI  mit 96 oder 128 kW und 340 bzw. 400 Nm Drehmoment.
 
Erfolgreiche Dieselmotoren findet man in der gesamten VW-Fahrzeugpalette vom Dreiliter-Lupo über Golf, Passat, Touran, Tuareg, Phaeton bis zu Bulli-Baureihen. Und selbst auf dem Wasser gibt es einen VW-Marine-Dieselmotor. Mit einer Marketing-Offensive versucht  Volkswagen in den USA derzeit, die dort noch unbeliebten Dieselmotoren salonfähig zu machen. Die aktuellsten Abgasnormen wollen die Wolfsburger künftig mit der Common-Rail-Einspritzung abdecken, wie sie schon im Tiguan angeboten und im Laufe des Jahres 2009 auch in den Nutzfahrzeugen installiert wird.

Ernst Bauer

 

meridian, 03.12.2010 10:33:
Test

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