Der VW Bulli als Motor der Wirtschaft

Ohne den Bulli wäre das deutsche Wirtschaftswunder der 50er- und 60er-Jahre nicht vorstellbar. Ganz gleich ob im Handel oder im Handwerk - der starke Transporter gilt als eines der wichtigsten Symbole des Aufschwungs.

T1 (bis 1967)
T1 (bis 1967)

€ @ Das deutsche Wirtschaftswunder ist untrennbar mit zwei Namen verbunden: Mit Ludwig Erhard, Wirtschaftsminister im Kabinett Konrad Adenauers, dem ersten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland und mit dem VW Bulli, automobiler Tausendsassa mit Käfer-Genen, das Vehikel für alle Fälle. Dies gilt besonders für die dynamische Phase des Wiederaufbaus, die zu Beginn der 50er-Jahre fast übergangslos der Tristesse der Nachkriegszeit folgte und mit Vehemenz die hässlichen Spuren der jüngeren Vergangenheit verwischte.

T1 (bis 1967) Kastenwagen
T1 (bis 1967) Kastenwagen

Der VW Bulli war der ideale Partner für all jene, die einen Führerschein besaßen und vor ihrem geistigen Auge schon den steigenden Lohn sahen, der braven Bürgern nach fleißiger Arbeit winkte. Da brauchte man Typen, die zupacken konnten und nicht zimperlich, aber verlässlich waren - Bullis eben.

Ohne den Bulli hätte die Geschwindigkeit des Aufschwungs wohl kaum über zwei Jahrzehnte gehalten werden können. Seine Maße und seine schier unermüdliche Bereitschaft, sich auch über scheinbar ausweglose Pfade dirigieren zu lassen, verhalfen ihm zu seinem unzerstörbaren Image: Ein Bulli kam immer an - vielleicht mal ein paar Minuten zu spät, aber er brachte ans Ziel, was er geladen hatte.

T1 (bis 1967) Postwagen
T1 (bis 1967) Postwagen

Und alle verließen sich auf diesen tollen Typ: die Post, die Polizei, die Bahn. Für die Eisenbahner gab es den Bulli gar mit einem für den Schienenbetrieb tauglichen Fahrgestell. Feuerwehren, Krankenhäuser, technische Hilfsdienste - alle muteten dem Bulli auch Unzumutbares zu, überluden ihn, ließen die Kupplung verrauchen, verheizten die Bremsen, schikanierten den Motor. Der Bulli verkraftete das alles, manövrierte sich in die Position des Allround-Könners und ließ kaum Konkurrenz zu.

T1 (bis 1967) Feuerwehrwagen
T1 (bis 1967) Feuerwehrwagen

In der Werbung stand er natürlich im Schatten des Käfers, aber auf seine besonderen Fähigkeiten wurde hingewiesen. So hieß es zum Beispiel in einer Zeitungsanzeige, die den VW Bulli mit Blaulicht vor dem Haus der Feuerwache Hamburg-Barmbek und neben einem Team einsatzbereiter Feuerwehrleute zeigt: "Wer es brandeilig hat, fährt meistens den Transporter. Was für die Feuerwehr gilt, gilt auch für alle anderen Branchen, in denen oft Termine anbrennen. Es gibt wohl kaum einen Eintonner, der so flink und behende auch im dichtesten Großstadtverkehr vorwärts kommt. Und es gibt wohl kaum einen Eintonner, der das mit der Zuverlässigkeit des Volkswagen Transporters tut."

T1 (bis 1967) Polizeiwagen
T1 (bis 1967) Polizeiwagen

Die Variabilität des Bullis rief gar eine neue Branche ins Leben: Den Innenausbau von Automobilen. Zunächst wie selbstgestrickt, später immer ausgeklügelter und präziser auf die angestrebte Verwendung ausgerichtet. Am einfachsten war noch der Ausbau mit einem Holzregal für Bullis im Bäckereieinsatz.

Der Bulli kam aber auch als Kühlschrank auf Rädern, als Verkaufsstand für fliegende Händler daher. Sie versorgten abgelegene Dörfer mit Lebensmitteln, Kurzwaren, Spielzeug und den neuesten Geschichten aus der Nachbarschaft, von denen sogar der Friseur noch nichts wusste. Die Händler brachten Menschen zusammen und hielten Verbindungen aufrecht, weil Telefone noch Mangelware waren.

T1 (bis 1967) Krankenwagen
T1 (bis 1967) Krankenwagen

Es gab auch Einsatzorte, an denen der Bulli sogar ohne Zulassung für den Verkehr zum Einsatz kam - unter Tage. Dort, wo nach dem Krieg Salz abgebaut wurde, diente der Bulli quasi als Mädchen für alles: Als Personentransporter, Lastesel und Kantinenwagen. Im Laufe des Dauereinsatzes nahmen die "gesalzenen" Bullis bisweilen merkwürdige Formen an, die sich auf der Straße sicher nicht durchgesetzt hätten: Türen wurden entfernt und durch Ketten ersetzt sowie Scheiben ausgebaut, um in stickiger Tiefe wenigstens vom seichten Fahrtwind zu profitieren.

T1 (bis 1967) Kastenwagen
T1 (bis 1967) Kastenwagen

Mehr Luft und mehr Licht bekamen Bullis freilich über Tage. Sie selbst waren Realität, aber sie transportierten auch Illusionen überall dorthin, wo es noch keine Kinos gab. "Heidi" oder "Der Förster vom Silberwald" zählten zu den beliebtesten Filmen in der Zeit des Aufschwungs und der Bulli brachte die Filmvorführer auch in den letzten Winkel der aufstrebenden Republik. Somit war der Bulli nicht nur Motor für die Wirtschaft, sondern gleichermaßen auch ein Vehikel für den Zugang zu einem besseren Leben.

Lesen Sie hier mehr über die Entwicklungsgeschichte des Bulli.

Lesen Sie hier mehr über die T1-Baureihe.