Möglingen, 25. August 2011

Serie Angstfreie Autobahn (7): Abschleppen nach Panne

Fotos: ADAC/Rainer Sturm/Pixelio

Gerade weil unsere Autobahnen vielfach sicherer sind als alle anderen Verkehrswege und zudem vielmehr Verkehr bei deutlichen höheren Geschwindigkeiten ermöglichen, ist es wichtig, die Regeln zu achten und keine zusätzlichen Gefahren herauf zu beschwören. Heute schildern wir, wie man ein Auto nach einer Panne sicher von der Autobahn bekommt.
 
Es gibt (meist sonnige und heiße) Tage, da sieht man am Rande der Autobahn alle paar Minuten ein Auto stehen. Geöffnete Motorhauben deuten auf Kühl- oder Motorprobleme hin, offene Kofferräume signalisieren meist eine Reifenpanne. Sofern sich die betroffenen Autofahrer selbst helfen können, kann es gefährlich werden, wenn das Auto in die Fahrbahn hineinragt. Bei solchen Pannen sollte man zu seinem eigenen Schutz deshalb streng nach Plan vorgehen und entscheiden:

1. Noch im Ausrollen sucht man einen möglichst guten Standplatz, am besten in der Nähe einer Notrufsäule und schaltet die Warnblinkanlage ein.

2. Dem Warndreieck und der Warnweste gelten die nächsten Handgriffe. Die Weste kann man noch im Gehen anziehen, das Warndreieck ebenfalls auf dem Weg nach hinten (also dem Verkehr entgegen), auseinanderklappen. Es sollte mindestens 100 Meter, besser 150 Meter vor dem Pannenauto aufgestellt werden und zwar so, dass es gut gesehen wird.

3. Die dritte Vorsichtsmaßnahme läuft parallel dazu ab: Mitfahrer verlassen das Auto über die rechten Türen und suchen sich ein sicheres Plätzchen jenseits der Leitplanken. Vorsicht auf Brücken, hier fehlt es meist an Schutzflächen!

4. Wer nicht selbst reparieren oder Reifen wechseln kann, der ruft über Handy oder Notrufsäule den Pannendienst seines Autoclubs.

5. Wer ein Rad wechseln will oder mit den neumodischen Hilfspumpen und Dichtungsschaum den Reifen wieder dicht machen möchte, sollte bei Pannen an der linken Fahrzeugseite extrem vorsichtig sein, denn hier rauscht der Verkehr dicht vorbei. Besser wäre es, mit dem platten Reifen notfalls bis zum nächsten Parkplatz zu rollen, wenn die Strecke nicht zu lang ist. Den Reifen kann man hinterher allerdings nur noch entsorgen.

Für das Abschleppen gelten besondere Regeln, die vom Allianz-Zentrum für Technik (AZT) zusammengestellt wurden. Sie fußen auf der Erfahrung der Forscher und auch aus der Auswertung von Unfällen, die nach Pannen passierten, weil nicht richtig abgeschleppt wurde.

Das erste Problem ist meist die Abschleppöse: Wo ist sie denn überhaupt? Wer ein Auto hat, sollte dies wissen – und nicht erst auf der Autobahn in der Betriebsanleitung suchen.

Die zweite Frage ist: Schleppen mit Seil  oder mit Stange? Wer die Stange nutzt, hat die stabilere Variante, allerdings nur, wenn die möglichst gerade ausgerichtet ist. Keinesfalls am einen Auto links und am anderen rechts einhängen! Sonst schiebt der geschleppte Wagen den Vordermann bei einer Notbremsung nicht nur nach vorne, sondern auch seitlich weg.

Beim Abschleppseil gibt es ebenfalls manchen Trick. Der Geschleppte muss es straff halten, also immer leicht auf die Bremse treten. Jeder Ruck belastet das Seil, aber auch die Ösen unnötigerweise. Es sollte mindestens drei Meter Abstand zwischen beiden Fahrzeugen eingehalten werden. Nicht vergessen: Stange und Seil müssen eine rote Warnfahne haben, damit man sie bemerkt und nicht drüber stolpert.

Bevor man mit dem Schleppen startet, müssen sich die Fahrer einig sein, welche Zeichen man gibt und was sie bedeuten. Am geschleppten Fahrzeug wird der Warnblinker eingeschaltet und natürlich die Zündung – dann ist auch das Lenkradschloss geöffnet.

Bei einem Motordefekt sollte der geschleppte Fahrer bedenken: Beim Bremsen tut man sich schwer, weil die Servopumpe nicht arbeitet, ebenso wird das Lenken deutlich schwerer. Generell sollte man nicht schneller als 30 km/h fahren, - und deshalb ist das Abschleppen auf der Autobahn auch nur bis zur nächsten Ausfahrt gestattet.

Opfer einer ganz anderen „Gefahr“ kann man werden, wenn man über die Notrufsäulen einfach einen Abschleppdienst bestellt. Man hat das Recht, einen anerkannten und überprüften Abschleppdienst zu erhalten – und deshalb sollte man dies auch bei der Bestellung sagen. Ebenso natürlich die Marke und den Typ seines Autos. Seriöse Firmen arbeiten meist im Auftrag der großen Autoclubs ADAC, ACE und AvD, viele gehören außerdem dem Verband der Bergungs- und Abschleppunternehmen (VBA) an und haben die Logos ihrer Partner auf den Fahrzeugen.

Ganz wichtig ist es, nicht blindlings alles zu unterschreiben. Oft wird versucht, noch am Pannen- oder Unfallort mit Abtretungserklärungen die Zustimmung zur Vermittlung eines Mietwagens, zur Reparatur oder zur Verschrottung zu erhalten. Solche Überlegungen sollte man in Ruhe anstellen, zumal die Versicherer besondere Sorgfalt bei der Anmietung eines Ersatzwagens verlangen und erwarten, dass ihr Versicherungsnehmer zwei bis drei Angebote einholt und vergleicht.

Wer Mitglied in einem Autoclub ist, merkt in solchen Fällen, wie gut und nützlich seine Entscheidung war. In diesem Fall kann man beruhigt davon ausgehen, dass alles, was notwendig ist, zur Zufriedenheit des Mitglieds erledigt wird. Und nicht ohne Grund holen die Autoclubs die Autos ihrer Mitglieder mit modernen Pickup-Transportern lieber von der Autobahn als dass sie ihre Pannenhelfer gefährlichen Situationen aussetzen. Einige von ihnen verlieren jedes Jahr ihr Leben, wenn sie auf der Autobahn helfen.


Keine Kommentare
Für diesen Eintrag werden keine Kommentare mehr angenommen