Dreister Goldraub: Roter VW Bus deutschlandweit gesucht
VW Busse und Transporter haben schon häufig in Filmen (auch in Krimis) eine wichtige Rolle gespielt. Doch wo ein roter T4 oder gar T5 abgeblieben ist und wem er gehört, darüber rätselt eine Sonderkommission der Kriminalpolizei im baden-württembergischen Ludwigsburg und hat nun ihre Ermittlungen nun auch auf den Sendebereich des MDR, also auf Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie auf Nordrhein-Westfalen ausgedehnt.
Der dunkelrote Bulli ist nämlich das Tatfahrzeug, mit dem vier falsche Polizisten am 15. Dezember 2009 einen Mercedes Sprinter überfielen und Schmuck und Zahngold im Wert von 1,8 Millionen Euro erbeuten konnten. In der Vorweihnachtszeit ist der spektakuläre Goldraub in den überregionalen Medien relativ wenig beachtet worden.
Jetzt ging die Polizei bundesweit in die Offensive und bat in der MDR-Sendung „Kripo live“ am Sonntag (24. Januar) die Öffentlichkeit um Mitfahndung. Insbesondere hat sie Interesse an einem der beiden Verfolgungsfahrzeuge der vier Gangster, einem roten VW Bus mit abgedunkelten Seitenscheiben. Dabei soll es sich nach Zeugenaussagen um ein Modell der Baureihe T4 oder T5 handeln.
Und so lief der Coup ab: Zwei Angestellte eines Schmuck- und Goldhandel-Unternehmens aus Nürnberg – beide sind mit dem Firmeninhaber verwandt – fuhren am Dienstag, den 15. Dezember 2009, von Nürnberg nach Pforzheim. Sie transportierten in ihrem silbergrauen Mercedes Sprinter mit dem Kennzeichen NM-RH 818 rund 64 Kilogramm Feingold und 197 Kilogramm Schmuck zu einer Scheideanstalt.
Gegen 8.00 Uhr fuhren sie über die A6 von Nürnberg Richtung Heilbronn, dann auf der A81 Richtung Stuttgart. Zwischen den Anschlussstellen Pleidelsheim und Ludwigsburg-Nord wurde der Sprinter von einem dunklen 3er- oder 5er-BMW überholt, der mit drei Männern besetzt war. Auf dem Armaturenbrett war ein Blaulicht in Betrieb, in der Heckscheibe des BMW eine rote Leuchtschrift "Polizei bitte folgen". Die Täter hatten an ihren BMW das amtliche Behördenkennzeichen N – 1438 geschraubt, das aber gefälscht war. Ein solches Kennzeichen gibt es nicht.
Arglos folgten die Angestellten des Schmuckhändlers den vermeintlichen Beamten über die Ausfahrt Ludwigsburg-Nord (nahe des Einkaufszentrums IKEA- Breuningerland) auf die B27 in Richtung Ludwigsburg. Unter der Autobahnbrücke wurden sie gegen 10.00 Uhr gestoppt. Dem BMW entstiegen zwei der Männer in dunkler Kleidung, die der eines Sondereinsatzkommandos ähnelte, dazu trugen sie Westen mit der Aufschrift "Polizei".
Sie behaupteten, sie seien Steuerfahnder und forderten die Fahrer zum Verlassen des Transporters auf. Angeblich seien diese wegen Steuerhinterziehung verhaftet, das Fahrzeug sei beschlagnahmt und zeitgleich würde eine Durchsuchung der Firma in Nürnberg stattfinden. Die falschen Polizisten legten ihren Opfern Handschellen an und setzten sie in den BMW.
Zur gleichen Zeit hielt hinter dem Mercedes Sprinter der jetzt gesuchte rote VW Bus (Baureihe T4 oder T5) mit abgedunkelten Scheiben, der entweder ein SÜW-Kennzeichen (Landkreis Südliche Weinstraße) trug oder SU-W... (Rhein-Sieg-Kreis).
Aus diesem Fahrzeug stieg ein vierter Täter, der genauso wie die drei anderen gekleidet war. Zwei der Räuber fuhren nun mit ihren Opfern wieder auf die A81, Richtung Würzburg, der dritte Täter folgte mit dem Mercedes Sprinter, der vierte mit dem VW Bus. An der Ausfahrt Neuenstadt/Kocher verließ der Konvoi die Autobahn.
In einem Waldstück in der Nähe von Oedheim setzten die Täter ihre Opfer gefesselt auf einem Waldweg aus, 51 Kilometer vom Tatort entfernt. Erst da wurde diesen klar, dass sie überfallen und ausgeraubt worden waren. Sie konnten später unverletzt zur Straße gelangen und Alarm schlagen.
Bei der folgenden Großfahndung, während der auch ein Polizeihubschrauber eingesetzt wurde, konnte nach drei Stunden lediglich der ausgeraubte Mercedes Sprinter gefunden werden. Er wurde auf einem Wanderparkplatz in der Nähe der Autobahnausfahrt Mundelsheim entdeckt. Die Behälter mit dem Zahngold und dem Schmuck waren nicht mehr im Fahrzeug, lediglich mehrere Kisten mit versilbertem Besteck von vergleichsweise geringem Wert.
Die Täter werden wie folgt beschrieben: Drei von ihnen waren offensichtlich südländischer Herkunft, sprachen aber Hochdeutsch ohne erkennbaren Akzent. Nur zwei der drei Männer können näher beschrieben werden: Einer war 25 bis 35 Jahre alt, ca. 1,80 m groß, korpulent, hatte eine Glatze oder sehr kurze Haare sowie einen Dreitagebart.
Die „Soko Goldraub“ der Ludwigsburger Kriminalpolizei (Telefon 07141-185750) fragt nun:
Wer kann Hinweise auf den dunklen BMW mit gefälschtem Kennzeichen geben, der eventuell ein Leihwagen war?
Gibt es Hinweise auf den roten VW Bus, der eventuell auch im Sendegebiet des MDR oder in NRW abgestellt sein kann?
Text: Ernst Bauer
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Nachtrag vom 5. Februar 2010: Zwei von acht Verdächtigen gefasst
Ausgerechnet die Handschellen, mit denen als Polizisten verkleidete Ganoven die Besatzung eines Goldtransports fesselten, wurden der Bande jetzt zum Verhängnis. Über dort gefundene DNA-Spuren konnten Kriminalpolizisten jetzt eine Tatbeteiligung an dem spektakulären Goldraub vom 15. Dezember 2009 auf der Autobahn bei Ludwigsburg nachweisen.
Doch nach dem roten VW Bus, in dem die Beute abtransportiert wurde, wird weiter gefahndet, ebenso nach sechs weiteren Mitgliedern der insgesamt achtköpfigen Bande. Zwei waren am Donnerstag bei einer großen Durchsuchungsaktion mehrerer Wohnungen in Nordrhein-Westfalen festgenommen und mit dem Polizeihubschrauber zur Vernehmung ins Gefängnis Stammheim transportiert worden.
Bei dem Einsatz waren mehr als 100 Polizisten und mehrere Sondereinsatzkommandos aus Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg beteiligt. Der erste Erfolg der Sonderkommission war die Kennzeichen-Spur, die in den Rhein-Sieg-Kreis (SU-W…) führte.
Bei den Flüchtigen handelt es sich um polizeibekannte Männer aus der Türkei, Jordanien und dem Iran. Sie werden jetzt in Osteuropa vermutet. Bei den Durchsuchungen wurden auch Materialien entdeckt, die den Tätern zur Verkleidung als Polizisten und Zollfahnder dienten.
Text: Ernst Bauer


