Jens Jacobs Weltreise-Blog 3 – In Südwestfrankreich
Während der nächsten Etappe seiner Weltreise befand sich Jens Jacob Mitte März im Südwesten Frankreichs nahe der spanischen Grenze. Dort entdeckte er ein Geschäft, das mit T1-Fotos dekoriert war und lernte einen passionierten Bulli-Schrauber kennen.
Nach einer unruhigen Nacht am Hafen von Bayonne, wo nur fünf Meter von meinem Bulli entfernt kleine Frachtschiffe ein- und ausfuhren, ging meine Reise weiter durch Biarritz. Beim Besuch der Innenstadt entdeckte ich ein kurioses Geschäft mit Bildern von T1-Bussen an der Wand und VW-Zeichen vor der Tür. Es handelte sich um einen so genannten „Sandwich“-Laden, wie es sie in Frankreich häufig gibt. Dort kann man belegte Baguette-Brote kaufen.
Ich ging sofort hinein und fragte, warum das Geschäft („Sandwicherie le Combi“) so aufgemacht sei. Der Eigentümer war erstaunt, dass sich ein Deutscher für seinen Laden interessierte und wollte natürlich meinen „Blue“ sehen. Da ich den Bulli nicht in die Fußgängerzone hineinfahren konnte, gab ich dem Mann stattdessen ein Foto. Er selbst besaß keinen VW Bus, wollte sich aber demnächst einen Bulli zu Werbezwecken anschaffen. Prompt fragte er mich natürlich, ob er ein solches Fahrzeug in Deutschland günstiger erwerben könne. Es war eine lustige Begegnung und vielleicht hängt in seinem Laden bald auch das Foto von meinem „Blue“.
Als ich wieder losfahren wollte, stieg aus dem hinter mir stehenden Wohnmobil ein älterer Mann aus und sprach mich auf Deutsch an: „Läuft der noch gut oder gibt es irgendwelche Probleme?“, fragte er mich. Ich antwortete: „Alles ok soweit.“
Der nette Herr stellte sich als Willi vor und erzählte mir von seiner Vergangenheit. Er war sozusagen mit Bullis aufgewachsen, später nach Kanada ausgewandert und hatte dort viel an VW Bussen herumgeschraubt. Auch hatte er mit einem VW Bus die USA und Europa bereist, in fast jeder Stadt ist er damit gewesen. Trotz des großen Altersunterschiedes verstanden wir uns prächtig. Wir hatten ähnliche Ansichten und waren aus denselben Gründen auf Reisen gegangen.
Ich erzählte Willi, dass „Blue“ beim Gas geben immer erst ein wenig stocken würde und weniger Leistung hätte. Willi hatte bereits gemerkt, dass der Motor nicht richtig rund lief und warf sogleich einen Blick darauf. Er schaute sich die Zündspule an, prüfte hier und da etwas und siehe da: „Blue“ hatte Spätzündung. Willi erklärte mir, ich müsse den Zündzeitpunkt neu einstellen. Das hatte ich noch nie gemacht, obwohl es in meinem Reparaturhandbuch steht.
Willi hatte ein Einsehen mit mir und stellte mir die Zündung ein. Er hätte ohnehin Langeweile, meinte er. Nachdem das erledigt war, folgte noch ein Grundkurs im Einstellen von Ventilen. Nach einer kurzen Probefahrt war das Ergebnis sofort spürbar. Ein runder Sound! „Blue“ lief wie am ersten Tag. Später fanden wir dann noch heraus, dass ein Bremslicht nicht funktionierte und der Dachträger neu befestigt werden musste.
Ein weiterer Herr gesellte sich zu uns und sprach mich in Hamburger Dialekt auf meinen Bulli an. Als ich ihm von meiner Weltreise erzählte, fragte er nur: „Und was machen Sie dann hieeeaar…?“ Ich verkniff mir die Gegenfrage, ob das hier etwa keine „Welt“ sei und erklärte ihm meine geplante Reiseroute. Damit war er zufrieden und zog sich in sein Wohnmobil zurück. Dieses war mir schon vorher aufgefallen. Ein riesiges Gefährt, fast so groß wie ein Linienbus und mit allem erdenklichen Luxus. Klar, so einer konnte nicht verstehen, dass ich mit meinem kleinen Bulli auf eine so große Tour gehe.
Am nächsten Tag traf ich Willi wieder, der mein defektes Bremslicht reparieren wollte. Ich musste schon grinsen, weil er scheinbar wirklich Langeweile hatte. Das Problem war leicht gefunden und behoben: ein Massefehler - wie so oft. Danach wurde der Dachträger noch neu befestigt und schließlich mussten noch die Radkappen sauber gemacht werden. Willi gab mir einen Stahlwolle-Schwamm und dann hieß es: schön polieren, aber darauf achten, dass genug Wasser und Seife dran ist. Ich hatte mich zuerst gar nicht getraut, mit der Stahlwolle an den Chrom zu gehen. Ob das wohl Kratzer geben würde? Vorsichtig probierte ich eine kleine Stelle aus. Das Ergebnis war blitzeblank. Jeglicher Flugrost war entfernt und ich konnte mich sogar in der Radkappe spiegeln.
Später begegnete mir der Hamburger noch einmal, diesmal zusammen mit seiner Frau. Diese fragte mich, ob ich bei meiner Weltreise wirklich durch den Iran fahren wolle und dass sie so etwas nie wieder machen würde. Ich erkundigte mich, ob die Überfallgefahr der Grund für ihre Ablehnung sei. Nein, damit hätten sie vor 24 Jahren keine Probleme gehabt, aber man könne im Iran nichts einkaufen, dort gäbe es keine Milch. Ich stutzte, ließ es mir aber nicht anmerken und dachte nur: „Wenn man sonst keine Probleme hat…“ Einfach typisch deutsch und passend zu diesem Wohnmobil-Monster…
Schweren Herzens musste ich mich schließlich von meinem netten Bulli-Helfer Willi verabschieden. Wir vereinbarten jedoch, dass wir per E-Mail in Kontakt bleiben würden.
Text und Fotos: Jens Jacob, www.welltenbummler.de






