Île de Noirmoutier, 08. März 2010

Jens Jacobs Weltreise-Blog 2 – In Westfrankreich

Fotos: Jens Jacob

Jens Jacob ist Ende Januar mit dem T1 "Blue" zu einer Weltreise aufgebrochen. Mittlerweile befindet er sich auf der französischen Atlantik-Insel Île de Noirmoutier. Er hat euch von dort einen längeren Erlebnisbericht geschickt.

Gestern bin ich um sieben Uhr aufgestanden. Und das ohne Wecker. Der Grund? Ich wollte mit dem Bulli auf jeden Fall einmal ins Watt fahren - am so genannten „Passage du Gois“. Das ist eine vier Kilometer lange Straße, die bei Ebbe mit dem Auto befahrbar ist und über die man von der Île de Noirmoutier aufs Festland gelangt.

Ebbe ist um 8:55 Uhr, also hieß es zeitig losfahren. Bei einem herrlichen Sonnenaufgang habe ich dann am „Gois“ gefrühstückt, während die meisten Touristen schon auf dem Weg ins Watt waren, um Muscheln zu sammeln. Das ist hier eine Attraktion.

Auch ich brach bald auf und erlebte wahrlich ein Highlight. Ich fuhr über eine teilweise asphaltierte und teils mit Betonplatten verlegte Straße durch die Wattlandschaft. Einige Fahrer parkten hier sogar. Ich wollte „Blue“ von der Strasse herunter ins Watt lenken, in der Hoffnung, hier nicht stecken zu bleiben. Es kribbelte in mir: Soll ich es riskieren oder nicht?

Die erste Möglichkeit erschien mir etwas zu steil und spitze Steine ragten am Rand der Strasse heraus. Aber da, eine andere Möglichkeit… Langsam fuhr ich aufs Watt. Der Untergrund war recht hart. Kurz ein paar Fotos gemacht und dann schnell wieder zurück auf die Straße.

Bei meiner Rückkehr auf die Insel entdeckte ich auf einem Platz jede Menge Oldtimer. Ich drehte eine Runde und sah mir das Ganze aus der Nähe an. Aus einem entgegenkommenden 56er Citroen Traction rief mir jemand „schöner Bulli“ zu. Da war ich doch etwas überrascht. Bislang hatte ich in Frankreich nämlich die Erfahrung gemacht, dass niemand die Bezeichnung „Bulli“ kennt.

Dieser Bulli-Fan hieß Pierre, sprach ein bisschen Deutsch, fand meinen „Blue“ total klasse und erzählte mir, dass er selbst einen T1 hätte, allerdings mit Schiebetür. Und das neben einem 69er Porsche 911, dem 56er Citroen Traction und noch einigen anderen Autos. Ich sollte ihm später noch wieder begegnen. Er erklärte mir, Anlass für das Oldtimer-Treffen sei das Fest der Mimose, das jedes Jahr hier stattfände.

Ohne zu zögern wurde ich zum Essen eingeladen. In dem kleinen Saal suchte man für mich nach jemandem, der Deutsch spricht. Schnell wurde jemand gefunden: David war mit einer roten Corvette angereist. Er hatte zehn Jahre in Berlin gelebt und beherrschte die Sprache auch 15 Jahre nach seiner Rückkehr nach Frankreich noch immer sehr gut.

Ein weiterer deutschsprachiger Oldtimer-Fahrer gesellte sich zu uns. Er war Automechaniker und hatte ein paar Jahre im westfälischen Herford gearbeitet. Als gebürtiger Bielefelder fand ich es überraschend, auf einer Insel in der West-Bretagne jemanden zu treffen, der nur 30 Kilometer von meiner Heimatstadt entfernt gelebt hat. So klein ist die Welt!

David gab sich wirklich alle Mühe, seinen Freunden und mir zu übersetzen. Manchmal sprechen die Leute hier für mich einfach zu schnell, so dass ich es kaum oder gar nicht verstehe.

Er erklärte mir, dass sich die Passanten ein Fahrzeug auf dem Platz aussuchen dürften, mit dem sie mitfahren wollen. Für die gedrehten Runden werden kleine Beiträge genommen und die Einnahmen daraus einer Seenotrettungs-Organisation gespendet. Ich halte das für eine super Idee, die ich gleich mal für den „Bulli-Bildungsfond“ im Hinterkopf behalten werde.

Immer wieder wurde ich an diesem Tag eingeladen. Entweder in ein Café oder bei strömenden Regen in einem Wohnwagen aus den 60er Jahren. Auch in Davids Corvette durfte ich mitfahren. Das war ein irres Gefühl, fast wie in einem Flugzeug. Kurz darauf der Quantensprung in dem Citroen Traction Baujahr 1956. Weich und bequem wie in einem Sessel - hier wollte ich einfach nicht mehr raus. Ausgestattet mit einzelnen, manuell bedienbaren Scheibenwischern und Safari-Fenstern. Dabei war die Windschutzscheibe unten ein Stück aufklappbar.

Eigentümer des Citroen Traction ist Pierre, den ich bereits bei meiner Ankunft beim Oldtimer-Treffen begegnet war. Ihm gehört das Hotel „Fleur de Sel“ auf der Île de Noirmoutier. Ein kleines, aber gehobenes Hotel mit besonderem Flair und mehreren Oldtimern, darunter auch der bereits erwähnte T1.

Wir fuhren zu Pierres Halle, wo er seine Autos untergebracht hatte. Und da stand er, der Bulli mit Schiebetür. 1991 war er zuletzt restauriert und seither nur zu Strandfahrten bei schönem Wetter genutzt worden. Er befand sich in einem nahezu einwandfreien Zustand mit lediglich kleinen Mängeln wie porösen oder ausgebrochenen Dichtungen.

Wir aßen zusammen in einem kleinen Restaurant zu Abend. Traditionell französisch gab es Käsefondue und als Dessert Mousse au Chocolat. Diese Tafelrunde fühlte sich für mich an wie eine große Familie, in die ich einfach so aufgenommen wurde. Man stellte mir viele Fragen über meine Weltreise. Es wurde viel gelacht und wir hatten jede Menge Spaß. Dieser Abend wird für mich unvergesslich bleiben.

Text und Fotos: Jens Jacob, www.welltenbummler.de