Silvester mal anders
Jens Jacob fuhr mit Freundin und Hund in seinem T1-Bulli im Schneegestöber von Kassel in den Harz zum Brocken, um dort die Silvester-Nacht zu verbringen und ins neue Jahr zu feiern. Ein Erlebnisbericht.
Zwei Tage vor unserer Abreise stellte sich meiner Freundin und mir die Frage: Was nehmen wir mit? Was brauchen wir für einen solchen Kurztrip? Bis dahin wussten wir noch nicht, wie sich das Wetter entwickeln würde und in den Tagen zuvor war es eher mild gewesen. Am 31. Dezember gingen wir zusammen ein paar Lebensmittel kaufen und natürlich auch Sekt zum Anstoßen.
Am Nachmittag fing es an zu schneien und das nicht gerade wenig. Alle Strassen waren verschneit, auch die Hauptstrassen dicht und ich begann langsam zu zweifeln, ob wir wirklich fahren sollten.
Ich erinnerte mich kurzzeitig an daran, dass mir mein Vater an Weihnachten gesagt hatte: "Mach Dir mal keine Sorgen, früher waren Käfer und Bullis die reinsten Schneemobile und sind auch dort durchgekommen, wo andere Autos stecken blieben." Ob er wohl auch wusste, dass mein T1-Bulli nur mit Sommerreifen ausgestattet war?
Am Spätnachmittag packte ich die Sachen für unseren Kurztrip. Frischwasser wurde aufgefüllt, Schlafsäcke eingepackt, Decken, Gaskartuschen und natürlich der Einkauf verstaut. Nur noch Volltanken und los ging es.
Auf der Autobahn war nur eine Höchstgeschwindigkeit von 60 Stundenkilometern möglich, die Fahrbahn war reinweiß, kein Räumfahrzeug in Sicht und es schneite unaufhörlich. Wir hatten trotzdem gute Laune und waren voller Abenteuerlust.
Nach zwei Stunden Stunden und gefahrenen 100 Kilometern erreichten wir Rhüden. Ich traute meinen Augen nicht, als ich sah, dass selbst die Ausfahrt nicht geräumt war. Zum Glück bewältigte der Bulli diesen Abschnitt trotz einer leichten Steigung ohne Probleme.
Auf der Landstrasse in Richtung Werningerode bei einer Geschwindigkeit von 40 Stundenkilometern entschieden wir uns dafür, uns an einen Seitenweg zu stellen und dort in völliger Abgeschiedenheit und Ruhe die Silvesternacht zu verbringen.
Tatsächlich hatten wir nach kurzer Zeit einen schönen Platz gefunden, aber auch hier gab es eine nicht unerhebliche und total verschneite Steigung zu bewältigen. Diese kamen wir mit dem T1 leider nicht so problemlos hinauf, aber Aufgeben kam für uns nicht infrage.
Ich schaute mich erst einmal um und testete den Untergrund. Meine Freundin stieg aus, um den Bulli anzuschieben. Mit vereinten Kräften hatten wir nach einer Weile wieder geraden Boden unter den Rädern. Wir entschieden uns dafür, den Bus rückwärts einen kleinen Feldweg hinaufzufahren, um hinter einem Busch ein bisschen windgeschützter stehen zu können.
Meine Freundin schob also wieder und ich versuchte, den Bus in der Spur zu halten, aber ihr wildes Gestikulieren wurde von mir missverstanden, sodass nun ein Hinterrad gen Graben rutschte. Ich hatte den Bus festgefahren. Nichts ging mehr, kein Stück vor und auch kein Stück zurück.
Ich ließ den Motor laufen, stieg aus und schaukelte den Bulli vor und zurück. Gemeinsam konnten wir das Fahrzeug befreien und einen erneuten Versuch starten, in unsere nun bevorzugte Position zu fahren. Es gelang uns. Wir machten daraufhin erstmal einen Spaziergang mit unserem Hund, der sich riesig über so viel Schnee freute.
Zum Abendessen gab es frisches Gemüse und Schweinelendchen aus dem Wok. Ein wahrer Genuss! Von Zeit zu Zeit schaute ich aus dem Bulli-Fenster in das Schneetreiben. Es war ein herrlicher und gemütlicher Silvester-Abend.
Viele Grüße und allen VW-Bulli-Freunden ein frohes neues Jahr!
Euer Jens Jacob





