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Coole Tipps für den kommenden Winter

Von Oktober bis Ostern - so mahnen die Experten - fahre man mit Winterreifen besser. Doch dieser Tipp erfordert etliche Toleranz: Denn frühestens am 22. März und spätestens am 25. April wird in Deutschland Ostern gefeiert. Geschneit hat es hierzulande schon im September und noch am 1. Mai. Gleichwohl spricht alles dafür, die Winterreifen spätestens Ende Oktober zu nutzen, auch wenn sie dann unter Umständen sieben und die Sommerräder nur fünf Monate gefahren werden. Wir haben die wichtigsten Tipps und die aktuellen Erkenntnisse zusammengestellt.

Feines Sommerprofil ohne Chancen ©Continental

Wird der kommende Winter wärmer als in den Vorjahren? Folgt nach den Hitzerekorden im Sommer 2015 auch ein milder Winter? Antworten auf solche Fragen gibt es im Voraus keine, - doch Abend für Abend kann man in fast allen Fernsehsendern die Prognosen für die nächsten Tage sehen. Und die sind exakter als je zuvor. Wer also in den nächsten Monaten sicher fahren will, sollte unbedingt das aktuelle Wetter abrufen. Auch die Wetterapps auf modernen Smartphones können genaue Prognosen vermitteln. Der Deutsche Wetterdienst (DWD), vom Reifenhersteller Bridgestone gebeten, sagt: Wie in allen anderen Jahreszeiten wird es im Durchschnitt wärmer, dabei bleibt es kalt und Frostperioden müssen einkalkuliert werden. Die Autofahrt in südlichen Bundesländern kann in den letzten Monaten dieses Jahres aufgrund von Durchschnittstemperaturen rund um den Gefrierpunkt zu einem Risiko für die Verkehrsteilnehmer werden. Im Norden bergen unberechenbare Kälteeinbrüche mit überfrierender Nässe Gefahren – hier ist die Niederschlagsrate deutschlandweit am höchsten. 

Gröberes Profil hat Platz für Schnee ©Continental

Wie in den vergangenen Jahren erwartet der Deutsche Wetterdienst auch für den Winter 2015/2016 regional stark unterschiedliche Wetterlagen. Insbesondere im Süden kann es klirrend kalt werden. Bayern und Baden-Württemberg waren bereits im vergangenen Winter mit 0,7 °C beziehungsweise 1,2 °C die kältesten Bundesländer in Deutschland. Im vergangenen Jahr wurde in Altheim, Baden-Württemberg, mit -24,9 °C bundesweit die niedrigste Temperatur gemessen. Eis und Schnee können in diesen Regionen jederzeit zu gefährlichen Straßenverhältnissen führen.

Zwar liegen die Durchschnittstemperaturen in den nördlichen Regionen im Winter teilweise bis zu zwei Grad höher, doch auch in den küstennahen Gegenden drohen Autofahrern durch winterliche Straßenverhältnisse Gefahren: „Es ist nicht nur ein Gerücht: Im Winter sind der Norden und Westen grundsätzlich nasser als der Osten des Landes“, erklärt Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst. So gab es im vergangenen Winter in Schleswig-Holstein mit 313 l/m² fast dreimal so viel Niederschlag wie im trockensten Bundesland Sachsen-Anhalt (110 l/m²). Gleichzeitig herrschte eine durchschnittliche Temperatur von 2,8 Grad. Gerade der Temperaturbereich zwischen 2 bis 3 Grad ist dabei besonders tückisch: schon in diesem Spektrum kann es zu gefrierender Nässe kommen. Die unvermutet überfrorenen Straßen erhöhen das Unfallpotenzial dabei massiv.

Starke Kältephasen können auch für Meteorologen sehr unvorhergesehen auftreten: „Das Klima der Erde ist ein komplexes Wechselwirkungssystem und eine exakte Vorhersage seines Verhaltens nur sehr schwer möglich“, erklärt Andreas Friedrich, Diplom-Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach. „Grundsätzlich wird das Wetter auch in unseren Breitengraden immer milder. Kaltfronten können trotzdem auch in diesem Jahr aufziehen und für frostige Phasen und Schnee sorgen. Das haben auch die vergangenen Winter gezeigt“. So kam es im Januar und Februar vergangenen Jahres im Norden und Osten zu einer unvorhergesehenen Frostperiode. Insbesondere im niederschlagreichen Norden stellt das sogenannte „Blitzeis“ ein großes Risiko dar, Verkehrschaos ist vorprogrammiert. Autofahrer haben dabei kaum die Möglichkeit, sich an plötzlich ändernde Straßenverhältnisse zu gewöhnen. „Oft werden die Fahrer von Schneeglätte oder Glatteis überrascht; der routinierte Umgang mit dieser Situation fehlt“, erklärt Alexandra Kimmich, Sprecherin des weltweit größten Reifenherstellers Bridgestone.Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes sind ein zu niedriger Sicherheitsabstand und überhöhte Geschwindigkeit Hauptunfallursachen von Personenwagen im Straßenverkehr. Gerade diese Faktoren können bei Schnee und Eis verheerende Folgen haben: „Bei glatten Straßen sollten Fahrer noch genauer darauf achten, einen ausreichenden Sicherheitsabstand zum Vordermann zu halten. Auf Schnee kann sich der Bremsweg im schlimmsten Fall verdreifachen“, erklärt die Reifenexpertin. Einfacher ausgedrückt ist großer Abstand wichtiger als grobes Profil.

Wenn die letzen Meter fehlen... ©DVR
Nord-Regen und Süd-Kälte ©DWD

Der Unterschied zwischen Sommer- und Winterreifen besteht maßgeblich in der Beschaffenheit des Materials und des Profils. Winterreifen werden aus einer weicheren Gummimischung gebacken als Sommerreifen und sind deshalb ideal für kalte Temperaturen. Bei niedrigen Temperaturen verhärtet sich das Gummi der Reifen. Während die für warme Temperaturen konzipierten und entsprechend relativ festen Sommerreifen in der Kälte so hart werden, dass sie wie ein Eisstock über die Straße schlittern, haben die weicheren Winterreifen noch genug Grip, um sich mit dem Untergrund zu verzahnen. Ein weiteres Geheimnis der besseren Haftung von Winterreifen auf glatten Untergründen liegt in der Machart des Profils. Dieses ist ebenso einfach wie genial: Durch feine Einschnitte in den Profilblöcken des Winterreifens, den so genannten Lamellen, wird die Haftung des Reifens auf glatter Straße deutlich verbessert. Das hat man von den Sommerreifen gelernt. Die bessere Bodenhaftung von Winterreifen verkürzt den Bremsweg auf schneebedeckter Straße im Gegensatz zu den Sommerspezialisten. Bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h wird der Bremsweg halbiert: Mit Sommerreifen beträgt der Bremsweg auf schneebedeckter Straße 62 Meter, bei Winterreifen liegt dieser bei nur 31 Metern. Im Klartext bedeutet das: Mit Winterreifen wird die Rutschgefahr stark vermindert und oft lassen sich Unfälle im Stadtverkehr vermeiden. Bei nassen Straßen und 100 km/h beträgt der Bremsweg wint Winterreifen 65 und mit Sommerreifen sogar 69 Meter.

Auch wenn es Wintereifen für hohe und höchste Geschwindigkeiten gibt, sollte man diesen "Spielraum" nicht ausnützen. Zumal auf trockener Fahrbahn das weiche Profil schnell weniger wird. Der sogenannten Fahrspaß wird also schnell ins Geld gehen, denn diese Reifen sind extrem teuer. Bei Schnee und Glätte können diese Reifen ihren Vorteil nur wirken lassen, wenn sie Zeit genug haben, Schnee oder Nässe aufzunehmen und über die seitlichen Profilrillen nach außen zu schleudern. Zudem kann es auch bei sonnigstem Wetter auf Landstraßen und Autobahnen plötzlich auf einem nur kurzen Straßenabschnitt gefährlich glatt werden. Waldschneisen oder schattige Zonen, aber auch längere Brücken oder Alleen sollten sorgfältig beobachtet werden. Generell muss auch überall, wo Schneefangzäune parallel zur Fahrbahn aufgebaut sind, damit gerechnet werden, dass es Verwehungen gibt, denn der Wind treibt feinsten Pulverschnee auch über und durch die Maschen.

von Gerhard Mauerer