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Nachtwanderer leben gefährlich

Solange Wanderer im Wald und auf Wiesen bleiben, droht ihnen keine Gefahr. Doch jetzt in der dunkleren Jahreszeit kann sogar der letzte Kilometer gefährlich werden. Weil es früher dunkel wird, läuft in aller Regel der Weg zum Bahnhof oder zur Bushaltestelle durch geschlossene Ortschaften. Auch die Strecke nach der üblichen „Schlussrast“ in einem Café oder einer Wirtschaft ist risikoreich, denn die traditionelle Wanderkleidung wirkt in der Dämmerung oder Dunkelheit wie eine Tarnfarbe.

 ©Dekra

„Vor allem auf schlecht beleuchteten Straßen, innerorts wie außerorts, sind Fußgänger für Autofahrer bei Dämmerung und Dunkelheit oft sehr schwer zu erkennen“, warnt Danijel Cakeljic, Unfallanalytiker bei DEKRA. „Unter ungünstigen Bedingungen kann ein Autofahrer einen unauffällig gekleideten Fußgänger am Fahrbahnrand manchmal erst rund 20 Meter vorher erkennen – ein Unfall ist dann oft nicht mehr zu vermeiden.“ Aber wie schützt man sich am besten? Extrem ungünstig ist die typische graue oder braune Wanderkleidung. Sie wirkt schon bei Dämmerlicht oft wie Tarnfarbe; sie verschmilzt optisch leicht mit der Umgebung, wie ein Hase auf dem Feld. „Retroreflektierende Materialien und helle Kleidung sind in solchen Situationen das A und O“, betont der Lichttechnikexperte. Sie schaffen den nötigen Kontrast, damit der Autofahrer den Fußgänger besser erkennen kann.

Die Redaktion VW-Bulli.de hat sich die Mühe gemacht und in diversen online-Shops und bei speziellen outdoor-Kleidungs-Anbietern mehrere Dutzend Jacken und Hosen angeklickt, ebenso bei typischen Versandhändlern wie amazon. Unsere Beobachtung: Ja, es gibt gute und vernünftige outdoor-Kleidung, bei denen, modisch mehr oder weniger geschickt, reflektierende Elemente eingenäht sind. Beispielseise in den Paspeln der Reißverschlüsse, in dekorativen Ziernaht-Elementen oder auch ganz profan als Querstreifen an Ärmeln oder Hosenbeinen. Es liegt also an jedem selbst, sich gut und sicher auszustatten.

Das Scheinwerferlicht von Fahrzeugen erfasst zuerst die Beine von Fußgängern; deshalb sind Reflektoren an Beinen und Schuhen am wirkungsvollsten. Die „Reaktionsaufforderung“ für den Autofahrer wird noch größer, wenn sich das leuchtende Objekt bewegt. Der Grund: der Mensch ist ein „Bewegungsseher“.
Wichtig auch: Als Fußgänger immer entgegen der Fahrtrichtung gehen, um die entgegen kommenden Fahrzeuge im Blick zu haben. Außerdem möglichst großen Abstand zur Fahrbahn halten: Der DEKRA Sachverständige empfiehlt mindestens einen halben Meter Abstand vom Fahrbahnrand. Und bei erster Gelegenheit auf andere, zum Beispiel landwirtschaftliche Wege ausweichen.
Und noch ein Tipp für Autofahrer: Bei Überlandfahrten, wo immer es ohne Blendung anderer möglich ist, sofort das Fernlicht einschalten, mit dem Fußgänger viel früher zu sehen sind als mit Abblendlicht.

von Ernst Bauer