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Streit um Diesel-Autos wird schärfer

Stuttgart erlebt krasse Gegensätze: Bosch-Chef Volkmar Denner lobt den modernen Dieselmotor wegen seiner immer besser werdenden Abgaswerte als „Luftreinigungsmaschine“ – und die Deutsche Umwelthilfe bezichtigt diese Technik als Hauptverursacher sensationeller Messergebnisse: Ausgerechnet vor dem Hauptbahnhof und am renommierten Katharinen-Hospital gibt es die höchsten Belastungen durch Stickoxide. Kein Wunder: Dort entstehen auch die berüchtigten Dauerstaus.

Diese Bulli-Fahrerin zeigt Selbstironie ©eba

Die Deutsche Umwelthilfe hat sich ganz offensichtlich auf die baden-württembergische Landeshauptstadt eingeschossen und zielt damit ins Zentrum des Autolandes Baden-Württemberg.

Im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) habe das Institut für Umweltphysik der Universität Heidelberg im Dezember und Januar die Belastung der Stuttgarter Luft mit dem Schadstoff NO2 (Stickstoffdioxid) gemessen. Als Hauptverursacher werden in am Donnerstag (28.1.) vor Journalisten präsentierten Studie Dieselfahrzeuge genannt

Für die stationären Messungen der Heidelberger Experten wurde auch an Orten gemessen, an denen besonders schutzbedürftige Menschen leben beziehungsweise ihre Zeit verbringen. Zudem wurden mit stichprobenhaften mobilen Fahrzeugemissionsmessungen auch die NO2-Emissionen von Pkw und Bussen bestimmt. Ein Messfahrzeug fuhr hinter den zu untersuchenden Fahrzeugen her und analysierte die dort entstandenen Abgase. Spitzenreiter war nach dem Hauptbahnhof mit 126 µg/m³ ausgerechnet das Katharinen-Hospital mit einem gemessenen Mittelwert von106 µg/m³, der sogar noch höher lag als am Neckartor mit 99 µg/m³. Die Ergebnisse der stationären Messungen zeigen eine hohe Belastung selbst an verkehrsfernen Standorten wie der Stuttgarter Fußgängerzone und dem Rathaus. Bei den mobilen Messungen fällt auf, dass nicht nur moderne Diesel-Pkw teilweise hohe Emissionen aufweisen. Auch bei mehreren (städtischen!) Bussen wurden hohe NO2-Emissionen festgestellt.

Bei ihrer Pressekonferenz zeigte sich die DUH zuversichtlich, noch in diesem Jahr weitreichende Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in der Stuttgarter Umweltzone über die im November 2015 eingereichte Klage vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart durchsetzen zu können.

Bei der Jahrespressekonferenz sagte Bosch-Chef Denner, ein Klimaschutz ohne Diesel gehe nicht Denner betonte in diesem Zusammenhang auch die Bedeutung des Diesels für den weltweiten Klimaschutz: „Nur mit dem Diesel lassen sich beispielsweise die ambitionierten CO2-Ziele der Europäischen Union erreichen. Dieselfahrzeuge stoßen deutlich niedrigere CO2-Emissionen aus als vergleichbare Benzinfahrzeuge.“  In der Diskussion um Luftqualität in Städten und Feinstaub sei der Diesel ein Teil der Lösung und nicht des Problems, sagte Denner. Mit Hilfe moderner Filtertechnik könne ein Diesel die Umgebungsluft in Großstädten sogar von Partikeln reinigen. „Der Diesel ist eine Luftreinigungsmaschine.“

Denner bekräftigte, dass noch nicht alle Optimierungsmöglichkeiten des Dieselantriebs ausgeschöpft seien. Bosch habe die Technologie, damit der Selbstzünder auch im realen Straßenverkehr geringste Stickoxid-Emissionen aufweise. „Es ist unser Ziel, dass Dieselfahrzeuge die aktuellen Grenzwerte nicht nur auf dem Prüfstand, sondern auch auf der Straße einhalten“, so Denner weiter. Bosch unterstütze daher ausdrücklich und bereits seit langem die Einführung eines realistischeren Testzyklus sowie Emissionsmessungen im realen Fahrbetrieb. Denner sprach sich zudem für regelmäßige Kontrollen von Serienfahrzeugen durch unabhängige Prüfinstitute aus.

In der Diesel-Sparte beschäftigt das Stuttgarter Traditionsunternehmen weltweit 50.000 Menschen.

von Ernst Bauer