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Studie: Wer wie ein Mensch fährt, baut Unfälle

Selbstfahrende Aztos sollen in Zukunft für viel weniger Unfälle auf den Straßen sorgen. Doch ist das wirklich so? Mit der Thematik hat sich nun eine US-Studie auseinandergesetzt

 ©Goslar Institut

Wenn autonome Autos zu sehr wie Menschen fahren, nimmt die Fehler- und damit die Unfallhäufigkeit zu. So lässt sich eine Studie des unabhängigen US-amerikanischen Insurance Institute for Highway Safety (IIHS) zum Thema selbstfahrende Fahrzeuge und Verkehrssicherheit zusammenfassen. Dabei sollen autonome Autos den Straßenverkehr doch eigentlich sicherer machen – so zumindest die Argumentation ihrer Befürworter.

Laut der Untersuchung der von den US-Autoversicherern getragenen Verkehrssicherheitsorganisation IIHS sollen selbstfahrende Autos ein Drittel der Verkehrsunfälle verhindern können, die menschlichem Versagen geschuldet sind. Und das trifft Statistiken zufolge auf die überwiegende Mehrheit aller Unfälle im Straßenverkehr zu. Fehler des Fahrers spielen nämlich eine erhebliche Rolle bei Auto-Crashs.

In dem Zusammenhang machen die Forscher allerdings eine wichtige Einschränkung: Die autonomen Fahrzeuge beugen nur einem Drittel dieser Verkehrsunfälle vor, wenn sie wie Menschen fahren. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die fahrerlosen Autos besser fahren müssten als menschliche Fahrzeuglenker, damit die von den Unterstützern der autonomen Fahrzeuge propagierten Zusagen, die Sicherheit im Straßenverkehr mit ihren selbstfahrenden Autos deutlich zu erhöhen, Realität werden können.

Zum Beleg verweist die IIHS-Forscherin und Erstautorin der Studie, Alexandra Mueller, an der Stelle darauf, dass in den USA in neun von zehn Fällen letztlich Fahrfehler Unfälle verursachen. Diese entstehen zum Beispiel durch Ablenkung, Sichtbehinderungen, falscher Einschätzung der Geschwindigkeit oder eingeschränkte Fahrtüchtigkeit durch Alkohol oder Übermüdung.

Von diesen Fehlern kann von autonomen Fahrzeugen rund ein Drittel kompensiert werden, betonen die Wissenschaftler. Die übrigen zwei Drittel der Unfälle würden demnach dennoch geschehen. Es sei denn, den selbstfahrenden Autos würde als oberste Priorität Sicherheit mit auf den Weg gegeben, also einprogrammiert.

Dies hätte jedoch beispielsweise zur Folge, dass die Fahrzeuge langsamer unterwegs wären, was vielen Autofahrern nicht gefallen dürfte, mutmaßen nicht nur die US-Forscher. Um mehr Unfälle zu verhüten, müssten Sicherheitsaspekte somit über die Wünsche der Fahrer gestellt werden. Und diese Einschränkungen könnten der ohnehin meist noch geringen Akzeptanz von autonomen Fahrzeugen noch weiter schaden, befürchten die Wissenschaftler.

Autonome Autos zu bauen, die so gut fahren wie Menschen, sei an sich schon eine große Herausforderung, erklärt IIHS-Forscherin Mueller. Doch das würde nicht ausreichen, um das versprochene Plus an Sicherheit auf die Straßen zu bringen. Dieses Ziel lässt sich nach ihrer Ansicht nur dann erreichen, wenn die selbstfahrenden Autos den menschlichen Fahrzeuglenkern überlegen sind. Und eben dies würde demnach mit Einbußen an Geschwindigkeit und Bequemlichkeit einhergehen.

ampnet/deg