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Wach bleiben ist die Devise

Statistisch gesehen taucht der Sekundenschlaf als Unfallursache mit einem halben Prozent so gut wie gar nicht auf. Gleichwohl rütteln Experten jetzt an diesem Thema, von dem sie meinen, viele Autofahrer hätten es bisher verschlafen…

Mit einer Aktion gegen Müdigkeit am Steuer wollen der Deutsche Verkehrssicherheitsrat, die gesetzlichen Unfallversicherer und der Bundesverkehrsminister eine monatelange Kampagne starten. Weil die Dunkelziffer jedoch weitaus höher liege, - weil also letztlich niemand weiß, ob ein verunglückter Fahrer eingeschlafen war, sagen die Experten: „Jeder Autofahrer und jede Autofahrerin sind potenziell der Gefahr des Sekundenschlafes ausgesetzt.“

Wohl jeder, der mal hinterm Steuer saß, kennt die Entwicklung:  Man hängt seinen Gedanken nach und spult nacheinander viele Kilometer ab. Plötzlich fragt man sich, ob man an einem bestimmten Punkt – etwa einer Ausfahrt, Ortschaft oder Raststätte – schon vorbeigekommen ist. Man grübelt und dann kommt ein neuer markanter Punkt, der einem signalisiert, dass man wieder auf dem richtigen Trip ist.

Der nächste Hinweis auf beginnende Müdigkeit sind brennende  Augen.  Man reibt und es wird nicht besser. Dann dreht man das Radio etwas lauter. Aber man kann der Sendung nur mit wenig Aufmerksamkeit folgen.  Spätestens jetzt wird es kritisch: Man erschrickt über sich selbst, weil man zu dicht aufgefahren ist und stark abbremsen muss.

Ganz viel Glück hat dann jemand, dem die Augenlieder wirklich zugefallen sind. Sobald sie wieder hochgehen, merkt man, dass man vielleicht 80 bis 100 Meter weit im Blindflug unterwegs war, womöglich gar nicht mehr auf der eigenen Spur sondern weit rechts oder links. Drei Sekunden Schlaf bei Tempo 100 entsprechen dieser Schilderung.

Wer nach einem solchen Ereignis ruckartig reagiert, riskiert einen Unfall, beispielsweise durch einen unvorsichtigen Spurwechsel oder durch hektisches Bremsen.

Wenn einen die Müdigkeit am Steuer überfällt, nützen frische Luft aus dem offenen Fenster oder laute Musik aus dem Radio nichts – auch wenn dies häufig angenommen wird. Was bei akuter Müdigkeit wirklich hilft, ist eine Pause mit einem Kurzschlaf von zehn bis 20, maximal 30 Minuten oder Bewegung an der frischen Luft.

Bei ersten Anzeichen von Müdigkeit an einem geeigneten Ort parken. Die Rückenlehne zurückstellen, die Augen schließen, regelmäßig atmen und innerlich zur Ruhe kommen. Wer möchte, kann vor dem Schlafen einen Kaffee trinken. Das Koffein wirkt erst nach rund 30 Minuten, hindert also nicht beim Einschlafen, hilft aber in Kombination mit der gerade erfolgten Schlaf beim Wachwerden. Achtung: Kaffee ist kein Schlafersatz!

Schwierigkeiten beim Ein- und Durchschlafen können erste Anzeichen für Schlafstörungen oder Schlafprobleme sein. Darunter leiden mittlerweile viele Menschen. Vor den Gefahren des Schlafmangels für den Straßenverkehr warnt Dr. Hans Günter Weeß, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, im Rahmen der Aufklärungskampagne „Vorsicht Sekundenschlaf.“ Schlaf ist ein natürliches Bedürfnis des Menschen. Ohne Schlaf können wir nicht leben. Dennoch ist das tatsächliche Schlafbedürfnis sehr individuell. Während einige Menschen mit vier bis fünf Stunden auskommen, müssen andere täglich neun und mehr Stunden schlafen. „Man hat ausreichend viel geschlafen, wenn man sich morgens ausgeschlafen, konzentriert, leistungsfähig und emotional ausgeglichen fühlt“, erklärt Weeß. Jeder kennt es, einmal nicht schlafen zu können. Problematisch wird es, wenn man über einen längeren Zeitraum zu wenig schläft. Immer mehr Menschen klagen darüber, abends entweder nicht gut einschlafen oder nachts nicht durchschlafen zu können. Am Tag sind sie entsprechend müde, weniger konzentriert und leistungsfähig. Schlafprobleme können unterschiedliche Ursachen haben: unregelmäßige Schlafenszeiten, Lärmbelastungen oder organische Beschwerden.

 

von Ernst Bauer