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T2-Kaufberatung

Die Anschaffung eines T2 kann sich nachträglich als "teurer Spaß" erweisen, wenn man bei der Besichtigung nicht gründlich genug auf Schwachstellen geachtet hat. Markus Schumacher erklärt, welche Bauteile vor dem Kauf unbedingt überprüft werden müssen und beschreibt das Preisgefüge.

Foto: Markus Schuhmacher

Wer die einschlägigen Gebrauchtwagenplattformen im Internet beobachtet, dürfte bemerkt haben, dass sich die Preise für T2-Busse in den letzten Jahren auf einem konstant hohen Niveau bewegen.

Sind dann endlich die nötigen Euros zusammengespart und die Kaufabsichten werden konkret, möchte man sein Geld sicher nicht in ein „Fass ohne Boden“ investieren.

Die folgenden Hinweise für die Begutachtung des Fahrzeugs sollen vor allem denjenigen eine Hilfe sein, die sich nicht regelmäßig mit dem Thema Kfz-Instandsetzung beschäftigen. Sie beschränken sich daher auf die Merkmale des T2, die auch der Nichtmechaniker sehen und überprüfen kann.

Foto: Markus Schuhmacher

Rost ist das größte Problem beim T2 und den meisten Fahrzeughaltern daher nicht unbekannt. Karosseriearbeiten sind meist aufwändig und gehen, sofern man nicht selber das Schweißen beherrscht, richtig ins Geld.

Natürlich sind viele der Blechteile für den T2 als Reparaturbleche erhältlich, aber man will ja vielleicht auch nicht direkt mit dem Schweißgerät arbeiten. Daher sollte dem Thema Rost bei der Besichtigung eines Fahrzeugs größte Priorität eingeräumt werden.

Fußraum, Foto: Markus Schuhmacher

Einige neuralgische Punkte des T2 werden hier vorgestellt

Ein Blick unter die Dichtungsgummis der Scheiben ist in jedem Fall notwendig. Sind hier, zum Beispiel unterhalb der Windschutzscheibe, schon Durchrostungen zu sehen, kann man davon auszugehen, dass sich das Wasser bereits einen Weg ins Fahrzeuginnere gebahnt hat.

Im Frontbereich sind Rost und Durchrostungen am unteren Ende der Frontmaske und in den Fußräumen von Fahrer und Beifahrer zu erwarten.

Hier sollten daher immer die Fußmatten angehoben werden, um nach Löchern oder ggf. schon schlecht übergeschweißten Reparaturlösungen zu suchen.

Auch unter den Gummiauflagen in den Einstiegen blüht gerne der Rost.

Unterhalb der Tritte befinden sich die Befestigungspunkte der Stoßstange, welche ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen sein könnten.

Kniestück, Foto: Markus Schuhmacher

An den Fahrerhausauftritt schließen sich die vorderen Kotflügel an.

Diese „Kniestücke“ genannten Teile sind über die Jahre immer Spritzwasser und Steinen usw. ausgesetzt.

Sie bieten daher einen perfekten Platz für den Rostansatz.

Auch die Punkte, an denen die Sicherheitsgurte (falls vorhanden) am vorderen Radlauf verschraubt sind, sollten auf Rost kontrolliert werden.

vordere Wagenheberaufnahmen, Foto: Markus Schuhmacher

Im äußeren Karosseriebereich fallen auf dem Weg zum Fahrzeugheck nun die vorderen Wagenheberaufnahmen auf.

Sie sind die Endpunkte der Querträger.

Man sollte genau hinschauen, ob nur die Aufnahmen oder eventuell doch weite Teile des Trägers dem Rost zum Opfer gefallen sind.

hintere Wagenheberaufnahmen, Foto: Markus Schuhmacher

Die Längsschweller der Karosserie sollten natürlich auch von ihrer Innenseite begutachtet werden, was die Rückenlage unter dem Bus unerlässlich macht.

Am Ende des Schwellers finden sich die hinteren Wagenheberaufnahmen.

Für sie gilt in puncto Rost das Gleiche wie für die vorderen Aufnahmen.

Motorraumschräge, Foto: Markus Schuhmacher

Am hinteren Radlauf sollte der Blick einmal oberhalb des Rades bis hindurch zur anderen Fahrzeugseite schweifen.

Hier findet sich am unteren Ende der Motorraumschräge eine Schweißnaht.

Bei dieser handelt es sich eine Rostquelle, der nur bei ausgebautem Motor vernünftig beizukommen ist.

hintere Karosserieecke, Foto: Markus Schuhmacher

Nach dem hinteren Radlauf folgen nun die hinteren Karosserieecken.

Durch Einwirkung von Spritzwasser, Dreck, Streusalz usw. neigen hier die Blechteile gerne und oft zum Durchrosten.

Vor dem Öffnen der Motorklappe noch ein kurzer Blick auf das untere Heckblech…

Motorraum links, Foto: Markus Schuhmacher

Im Motorraum selbst sollte der erste Blick auf die Bodenbleche links und rechts fallen.

Hier sind beiderseits Rostprobleme zu erwarten.

Rechts (hier steht die Batterie) setzt dem Blech neben den bekannten „Feindbildern“ Wasser und Dreck auch gerne ausgelaufene Batterieflüssigkeit zu.

Motorraum rechts, Foto: Markus Schuhmacher

Dass neben all diesen Punkten natürlich auch alle Scharniere, Tür- und Klappenkanten sowie die Schiebetür und ihre Führung dem prüfenden Blick unterzogen werden müssen, sei hier abschließend erwähnt.

Im Laderaum verdient zusätzlich zu allen Längs- und Quersicken auch die Schweißnaht in Längsrichtung hinter der Seitenverkleidung gegenüber der Schiebetür genaue Beachtung. Hier droht massiver Rostbefall.

Dem gutgläubigen Verfasser bot sich an dieser Stelle ein erschreckender Anblick (allerdings im T3). Den Blick hinter die Seitenverkleidung sollte man also möglichst nicht scheuen.

Heizungsrohr, Foto: Markus Schuhmacher

Unter dem Fahrzeug müssen alle Längs- und Querträger auf Rost untersucht werden.

Auch das in der Fahrzeugmitte verlaufende Heizungsrohr rostet gerne durch.

Hier darf man sich nicht von einer intakten Ummantelung des Rohrs täuschen lassen.

Schweller links, Foto: Markus Schuhmacher

Ebenso müssen spätestens jetzt die Seitenschweller (siehe oben) in Augenschein genommen werden.

Wenn es schon im Fahrerhausboden zu Durchrostungen gekommen ist, müssen die unter dem Boden abknickenden Längsträger kritisch beäugt werden.

Hier blüht es von innen kommend weiter!

Längsträger vorne, Foto: Markus Schuhmacher

Im Frontbereich sind die Aufnahmen für die Stoßstange und der unter Abschluss der Frontmaske rostanfällig.

Auch die Vorderachse leidet oft an starkem Rostbefall.

Am Achskörper, der Innenseite der Längsträger und unter den Bögen der Seitenschilder ist eine Kontrolle sinnvoll.

Foto: Markus Schuhmacher

Da der Verfasser sich selbst nicht zu den „Motorkönnern“ rechnet, hier nur einige grundlegende Hinweise zu den Motoren des T2:

Natürlich hängt der Zustand des Motors maßgeblich mit dem „Vorleben“ des T2 zusammen. Ist der Bus als Lastesel gequält worden oder wurde er als Familienkutsche gepflegt? Sind Wartungsarbeiten regelmäßig durchgeführt worden oder wurde nur das Nötigste „geflickt“?

Wurde der Ölstand kontrolliert oder ignoriert? Musste der Bus täglich viele Kilometer hinter sich bringen oder hat er ein beschauliches Dasein bei einer kleinen Dorffeuerwehr geführt? Die Beantwortung dieser Fragen lässt vielleicht einen ersten Rückschluss auf den Zustand des Motors zu.

Wärmetauscher, Foto: Markus Schuhmacher

Gerade bei den kleinen 1,6l-Motoren gibt der dritte Zylinder gerne mal den Geist auf. Wegen schlechter Belüftung und vor allem bei ordentlich beanspruchten Fahrzeugen ist er oft überhitzt - es bilden sich Risse im Zylinderkopf.

Hinweise darauf sind ein Zischen im Leerlauf oder stark verrußte Zündkerzen. Die größeren Motoren sind in dieser Hinsicht unproblematischer! Ölverlust durch überhitzte und zerstörte Dichtungen ist bei allen Boxermotoren zu beobachten.

Zu den anfälligen Bauteilen des Auspuffsystems der Busse gehören, neben durchgerosteten Auspufftöpfen, die Wärmetauscher. Sind sie durchgerostet, müssen sie ersetzt werden. Ein Hinweis auf defekte Wärmetauscher kann zum Beispiel ständiger Benzin- bzw. Abgasgeruch im Fahrzeuginneren sein.

Wenn es um Schäden im Innenraum geht, ist oft handwerkliches Geschick gefragt. Hier muss vermutlich jeder Kaufinteressent selber abschätzen, was er, zum Beispiel bei einem Wohnmobilausbau, selber wieder herrichten kann oder wobei er fachkundige Hilfe benötigt.

Noch eine Anmerkung zu den Preisen. Billig waren gebrauchte T2-Bullis noch nie und der T2 zählt inzwischen zu den etablierten und begehrten Liebhaberfahrzeugen.

Teileträger ohne Chance auf „Wiederbelebung“ kosten rund 1.000 Euro.

Sinnvolle Restaurationsprojekte für Könner findet man ab 2.000 Euro. Für den doppelten Preis sind fahrbereite, aber pflegebedürftige Busse zu haben, ab 8.000 Euro auch alltagstaugliche.

 ©Volkswagen Nutzfahrzeuge

Topmodelle und Sonderserien wie der „Silberfisch“ aus der Abschiedsserie können mehr als 20.000 Euro kosten (alle Preisangaben sind Schätzpreise). Grundsätzlich hängt der Preis immer vom Pflegezustand und von der Fahrzeugvariante ab. So ist ein Westfalia-Camper ungleich teurer als ein einfacher Kastenwagen. Wie immer gilt aber auch hier: „Keine Regel ohne Ausnahme.“ Vielleicht macht man ja wirklich einmal ein echtes Schnäppchen…

Niemand sollte sich von dem Vorhaben abbringen lassen, dem Hobby T2-Bus zu frönen. Wie bei jedem Hobby sollte man sich aber gut überlegen, welches Wagnis man eingeht, um nicht plötzlich enttäuscht oder frustriert zu sein.

Webseite der IG T2 e.V. - www.bulli.org

Vielleicht nützt es, sich vor dem Kauf eines Restaurationsobjekts einfach mal umzuhören: Oft findet sich ein Bulli-Fan mit Know-how und „Schrauber“-Erfahrung ganz in der Nähe. Probleme, die schon im Vorfeld besprochen werden, verlieren dann viel von ihrem Schrecken.

Außerdem gibt es im Internet viele Informationen zum Thema, zum Beispiel die Webseite und das Forum der IG T2 e.V. (www.bulli.org)


Diese Bauteile sollten ebenso überprüft werden

- Haben die Räder Spiel, lässt sich die Lenkung ohne zu rasten bewegen (Defekt am Lenkgetriebe)?
- Hängen die Bremsen fest?
- Ist der Motor ölverschmiert?
- Sind die Manschetten an den Gelenkwellen dicht?
- Sind die Spurstangen verbogen?
- Lassen sich die Gänge (wenn auch hakelig) schalten? Bei fast allen T2 hakelt das Getriebe. Das liegt meist an einer ausgeschlagenen Führung der Schaltstange.
- Zeigt die Kupplung Funktion? Die Automatikgetriebe machen weniger Probleme, brauchen aber (entgegen der Werksaussage) regelmäßige Getriebeölwechsel.
- Poltert bei der Probefahrt die Hinterachse (ggf. Radlager defekt)?
- Ziehen die Bremsen gleichmäßig und zeigen sie ausreichende Funktion? Die schwach dimensionierte Bremsanlage neigt zu unrunden Trommeln und aufgequollenen Bremsschläuchen. Die Bremsscheiben (falls bereits vorhanden) sind oft stark abgenutzt.

All diese Dinge lassen sich oft richten. Man sollte sich aber immer daran erinnern, dass man keinen Neuwagen fährt und die Ersatzteilversorgung schwierig werden könnte.

Markus Schuhmacher