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Testbericht Outwell Hollywood Freeway

Es macht einen imposanten Eindruck und dabei ist es noch verpackt, das neue Hollywood Freeway des dänischen Campingbedarf-Spezialisten Outwell. Die Packtasche mit den Maßen 100cm Länge, ca. 40cm im Durchmesser und einem sagenhaften Gewicht von 25,1kg ist nicht als handlich zu bezeichnen und nimmt in einem VW-Bus schon erheblich Platz ein. Das Hollywood Freeway gibt es in zwei Größen wobei sich der Zusatz „Tall“ für die größere Variante lediglich auf die Schleusenhöhe bezieht. Hier ist es möglich auch höhere Kastenwagen a la Ducato, Boxer und Co. an das Zelt anzubinden. Wir testen die normale, für Vans und Busse gedachte Ausführung.

In der großen Transporttasche findet sich das eigentliche Zelt sowie in zwei separaten Taschen die Heringe, zusätzliche Abspannleinen und Stangen wieder. Eine Bedienungsanleitung ist klugerweise ähnlich einer Waschanweisung im Hosenbund auf einem großen Zettel in den Packsack eingenäht. In einer extra Tüte ist die notwendige Luftpumpe, die man auch von einem Gästeluftbett kennt, dabei. Da es wichtig ist, das Zelt nur bis zu einem bestimmten Luftdruck aufzupumpen, ist ein an die Pumpe ansteckbares Manometer im Lieferumfang. Weiteres Zubehör wie etwa eine Innenschlafkabine kann extra erworben werden und gehört leider nicht zur eigentlichen Zeltlieferung.

Aufgebaut stellt das Hollywood Freeway ein Ein-Raum-Tunnelzelt dar, was für einen VW-Bus die wohl meistverwendete Vorzeltvariante ist. Der Aufbau erfolgt hier in einem Zug, soll heißen, es ist nur ein Arbeitsgang erforderlich, um die Zelthülle zum Stehen zu bringen.

Das zusammengerollte Zelt wird als erstes vor dem Fahrzeug ausgebreitet, sodass die Schleuse in Richtung des Busses zeigt, um sie danach am Fahrzeug zu befestigen. Hierzu hat Outwell diverse Möglichkeiten vorgesehen. Neben Schleusenstab und Kederleiste kann das Zelt zusätzlich über Klettverschlüsse, Spanngurte oder Abspannleinen am Bus befestigt werden und sollte somit wohl in 99% der Fälle ohne Probleme montiert werden können.

Klettverschlüssel für die Abspannleinen

Danach wird der Boden des Zeltes ausgerichtet und mit den beiliegenden Heringen an seinen vier Ecken im Boden befestigt. Outwell benutzt drei verschiedene Arten von Heringen, um den Aufbau zu erleichtern. Vier Metallheringe sind für die eben beschriebenen Bodenecken zu verwenden, schwarze Kunststoffheringe für die restlichen Abspannungen direkt am Zelt und selbstleuchtende, gelbe Kunststoffheringe für die Abspannleinen, die ebenfalls selbstleuchtend sind. Der Untergrund muss natürlich geeignet sein und es ist schon jetzt abzusehen, dass die Kunststoffheringe auf etwas härterem oder steinigem Untergrund an ihre Grenzen kommen werden.

Eingangsventil für die Luftzufuhr

Nun kann der eigentlich interessante Aufstellvorgang des Zeltes beginnen. Die gesamte Luftschlauchkonstruktion wird über einen zentralen Punkt gefüllt. Ein mühseliges abschnittsweises Aufpumpen einzelner Kammern entfällt. Steht das Zelt, ist es über Ventile aber trotzdem möglich, verschiedene Kammern voneinander abzutrennen. So fällt bei einer Beschädigung nicht sofort das ganze Zelt zusammen. Der Luftauslass ist über drei Ventile möglich. Ein- und Ausgangspunkte der Luft sind verbraucherfreundlich klar und deutlich mit den Worten „Air In“ und „Air Out“ gekennzeichnet. Die Luftpumpe wird einfach eingesteckt und wir beginnen mit den Pumpvorgängen. Nach wenigen Momenten regt sich bereits etwas in der Zeltplane und nach nicht einmal drei Minuten lassen sich die drei Zeltbögen mit etwas Nachhilfe bei ca. 0,7 bar Luftdruck aufrichten. Die Abspannleinen sind alle direkt am Zelt befestigt und können auch mittels Klettverschluss zusammengerollt verstaut werden. Ordentlicher und einfacher geht es nicht.

Trennventil der Luftkammern

Das Vordach wird mit Hilfe einer üblichen Fiberglasstange zur vollen Entfaltung gebracht, noch etwas abspannen, hier und da ein Hering und unser Hollywood Freeway mit einer Grundfläche von 3,40m Breite x 2,60m Länge steht urlaubsbereit vor uns. Wichtig ist an diesem Punkt das bereits erwähnte Trennen der Luftkammern durch Schließen der Ventile, um zu verhindern, dass bei einer Beschädigung die gesamte Luft entweicht. Das Zelt ist in etwa so breit, dass sowohl Schiebe- als auch die Vordertür unseres T5 Multivan vollständig und ohne Probleme aus dem Zelt geöffnet werden können. Der Bus ist somit auf der ganzen Länge vom Zelt aus nutzbar.

Die Schleuse des Zeltes selbst ist noch einmal gut 90cm breit und über eine Reißverschlusstür zum Zeltinnenraum abgetrennt. Als besonderen Clou legt Outwell eine anknüpfbare Schmutzblende zum Schließen des Spaltes zwischen Boden und Fahrzeug bei. Als Nebeneffekt reduziert sich durch diese Blende, die Outwell „Link Access Zone System“ nennt, auch der Windzug unter dem Bus und man kommt trockenen Fußes aus dem Bus in das Zelt.

Die Ausstattung

Der Zeltboden ist wie beim Reimo Brindisi ebenfalls bereits eingenäht, sollte aber genauso über einen zusätzlich erhältlichen Vorzeltteppich geschützt werden. Die Ausstattung ist ansonsten beeindruckend, ebenso die Verarbeitung. Sämtliche Reißverschlüsse sind mit gummierten Zugösen ausgestattet und lassen sich einfach in jede Richtung bewegen. Zusätzlich sind die äußeren Reißverschlüsse durch eine Folienkante vor Nässe geschützt. Das Zelt besitzt laut Outwell eine Wassersäule von 6000mm, die Nähte sind zusätzlich abgedichtet und ein heftiger Regenschauer während unseres Tests konnte die Dichtheit eindeutig bestätigen. Die Form des Zeltes bietet zudem dem Wind kaum Angriffsfläche, sodass auch die ein oder andere frische Brise schadlos überstanden werden sollte.

Der Eingangsbereich lässt sich variabel öffnen und schließen. Ob nun Fenster, vollständig oder halb geschlossen, Moskitonetz oder ganz geöffnet. Je nach Situation lassen sich die Öffnungen des Zeltes anpassen. Auf der rechten Zeltseite befindet sich eine weitere Tür, die aber auch gleichzeitig als Fenster oder mittels beiliegender Stahlaufstellstangen als kleines Vordach benutzt werden kann. Ihr gegenüber auf der linken Seite ist ebenfalls ein Fenster integriert, dessen Kunststoff leicht getönt ist und somit die Sonnen ein Stück weit aus dem Zeltinneren hält. Die jeweilige Verdunklung erfolgt von innen durch einfaches Hochrollen des Zeltstoffes.

Im hinteren Teil hat Outwell zwei praktische Lüftungsschlitze integriert, die von außen mittels aufstell- und klettbarer Schaumstoffstreifen geöffnet und geschlossenen werden können. Eine Querlüftung bei Regen ist so ohne Probleme mit einem einfachen wie genialen System möglich. Weitere Gimmicks wie eine verschließbare Kabeldurchführung an der Seitentür zeigen, dass sich die Outwell-Entwickler Gedanken gemacht haben.
Das Zelt steht auch ohne Verbindung zum Fahrzeug, denn an der hinteren Zeltoberseite findet sich ein weiteres Abspannseil. So ist es ohne Probleme möglich, das Hollywood Freeway auf dem Campingplatz stehen zu lassen, während mit dem Bus eine Tagestour unternommen wird.

Auch der Abbau gestaltet sich, nicht zuletzt auch aufgrund der bildlichen Darstellung auf der Anleitung, sehr einfach. An drei Auslassventilen an der Zeltaußenseite wird die Luft aus den Röhren gelassen und die Hülle nach einem einfachen Prinzip, bei dem die Restluft entweichen kann, gefaltet und zusammengerollt. Unser Paket ist am Ende zwar merklich größer als zu Beginn, doch der mehr als üppig dimensionierte Packsack schluckte alle Bestandteile auch nach der ersten Faltung in freier Wildbahn ohne Probleme. Der Abbau dauert wie der Aufbau nur wenige Minuten. So eignet sich das Zelt ebenso wie das Brindisi auch für kürzere Aufenthalte, wird aber allein schon wegen der Größe eher etwas für längere Urlaube sein.

Fazit

Das Hollywood Freeway ist überaus einfach und schnell auch von einer einzelnen Person aufzubauen, sehr gut und qualitativ hochwertig verarbeitet und dabei vom Platzangebot mehr als ausreichend für eine VW-Bus-Familienbesatzung. Auch mit optional erhältlicher Schlafkabine bleibt ausreichend Platz für Stuhl, Tisch und sonstigen Urlaubsutensilien. Details wie die Schmutzblende, Kabeldurchführung oder die Klettbefestigung der Abspannleinen zeigen, dass sich der Hersteller viel Mühe gegeben hat, ein optimales Busvorzelt zu schaffen.

Die Schwäche liegt eindeutig in dem relativ großen und schweren Packsack, der in einem VW-Bus viel Stauraum wegnimmt und es ist mit einem empfohlenen Verkaufspreis von 999,95 Euro nicht gerade eines der günstigen Vorzelte – das war es dann aber auch schon, denn ansonsten hat uns das Zelt restlos überzeugt. Im Reimoshop und bei den angeschlossenen Reimo-Fachhändlern ist das Hollywood Freeway eben für diesen Preis erhältlich.

von Patrick Kühl