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Allee der Saubermänner

Deutschlands angeblich dreckigste Straßenschlucht am Stuttgarter Neckartor wird seit Ende November flankiert von 17 Feinstaubfressern. Die sollen jetzt für saubere Luft sorgen.

Allee der Feinstaubwürfel am Neckartor.

 ©screenshot M+H

Wie in einer Allee wurden alle 50 Meter die aus drei Würfeln zusammengesetzten Anlagen direkt am Fahrbahnrand montiert. Damit soll direkt vor Ort erprobt, gemessen und dokumentiert werden, wie der lungenkritische Feinstaub aufgesogen, gesammelt und entsorgt werden kann. Basis dieser vom Ludwigsburger Filterspezialisten Mann+Hummel entwickelten Technik sind Modellrechnungen eines unabhängigen Simulationsbüros. Datengrundlage sind die amtlichen Messwerte aus den Jahren 2016 und 2017. Sollte der Probelauf tatsächlich funktionieren, könnte die Feinstaubbelastung reduziert werden. Gewünschter Effekt: Damit könnten die Tage, an denen die Grenzwerte erreicht oder gar überschritten werden, auf Null sinken.

Die Filtersäulen sind 3,60 Meter hoch und bestehen aus jeweils drei zusammengesetzten Bauteilen, den sogenannten Cubes. Ausgerüstet mit Feinstaubpartikelfiltern und energieeffizienten Ventilatoren sind diese in der Lage, bei sehr geringem Energiebedarf 80 Prozent des Feinstaubs aus der angezogenen Umgebungsluft zu ziehen. Über eine Steuerungseinheit lässt sich der Betrieb der Feinstaubpartikelfilter bedarfsgerecht einstellen und damit auf die aktuelle Luftqualität reagieren. Integrierte Sensoren erfassen Luft- und Wetterdaten, die in einer Cloud zusammengeführt und analysiert werden. Über die Entwicklung hat VW-Bulli.de schon im September (http://www.vw-bulli.de/events-services-newsbeitrag/feinstaubfresser-nehmen-zu) berichtet.

Prototyp vor der Fabrik an einer der meist befahrenen Straßen in Ludwigsburg.

 ©M+H

M+H-Geschäftsführer Kai Knickmann blickt nach vorn: „Mit unserem neu entwickelten Filter Cube wollen wir die Feinstaubbelastung am Stuttgarter Neckartor reduzieren. Er ist Teil unserer Technologieplattform Feinstaubfresser, zu der verschiedene Filtertechnologien für stationäre Anwendungen oder Fahrzeuge gehören. Überall dort, wo die Feinstaubbelastung besonders hoch ist, wollen wir mit unseren Technologien zum Schutz der Gesundheit von Menschen beitragen.“ 

Christoph Erdmenger, Abteilungsleiter für Nachhaltige Mobilität im Verkehrsministerium Baden-Württemberg: „Uns hat an dem Projektvorschlag überzeugt, dass die 17 Filtersäulen nicht nur an einem Punkt, sondern in einem ganzen Straßenabschnitt eine Wirkung zeigen sollen. Damit hat das Projekt das Potential, die Anwohner zu schützen.“

Rainer Kapp, Leiter der Abteilung Stadtklimatologie bei der Landeshauptstadt Stuttgart, sagte: „Stuttgart hat 2018 erstmals die Chance, die Feinstaub-Grenzwerte im gesamten Stadtgebiet am Ende des Jahres einzuhalten. Das haben wir durch ein Bündel an unterschiedlichen Maßnahmen erreicht, das jetzt Wirkung zeigt. In unseren Anstrengungen wollen wir dabei nicht nachlassen. Unser Ziel ist es weiterhin, die Feinstaub-Konzentration zu senken. Die Idee, die Luft mithilfe von Luftfiltersäulen zu reinigen, klingt vielversprechend. Die Wirkung der Methode wollen wir nun in einem Pilotprojekt unter realen Bedingungen und über einen längeren Zeitraum testen.“

In Stuttgart konnte die Belastung mit den Luftschadstoffen Feinstaub PM10 und Stickstoffdioxid in den vergangenen Jahren reduziert werden. So treten Überschreitungen der Grenzwerte bei Feinstaub nur noch am Neckartor auf. Bei Stickstoffdioxid wird der Grenzwert für das Jahresmittel hingegen noch immer überschritten – wie in vielen anderen deutschen Städten auch.

von Ernst Bauer