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Autoreifen gestern und heute: Wir leben auf sehr großem Fuß

Die Dimensionen der Reifen unserer Autos haben sich - ebenso wie die Fahrzeuge selbst - massiv verändert. Waren früher 185er-Reifen noch das Maß aller Dinge, werden die meisten Autofahrer über diese Pneus heute milde lächeln.

 ©Goodyear

Wie sich die Zeiten ändern: Diejenigen unter uns, die sich Ende der 60er bis Mitte der 70er für alles interessierten, was auf vier Reifen durch die Gegend fuhr, wissen noch sehr genau: Die Reifengröße und besonders die Reifenbreite üben eine unglaubliche Faszination aus. Die Renault R4 und VW Käfer dieser Welt hatten wahrlich wenig zu bieten. Mit einer Breite von 125 mm oder 135 mm – eine Reifendimension, die heute leicht jedes Superbike überbietet – war schon damals kein Staat zu machen.

Die magische Breite war der 185er. Für Autobegeisterte veredelten die – quasi alleine durch die Reifendimension – jedes Auto zum Rennwagen, oder nicht? Ein VW Golf GTi der frühen 80er kam auf damals beeindruckend fetten Pneus der Dimension 175/70 HR 13 daher. Für Kompaktwagen jener Jahre ein eradezu unerhörtes Maß. Heute lockt so ein Fahrzeug unter 225 mm wirklich keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor und Dimensionen bei Oberklassen-Limousinen von 245 mm sind keine Seltenheit.

Gleiches gilt auch für den Querschnitt der Bereifung. /70 oder sogar /65 waren eradezu obszön wenig und verschafften den Besitzern, die das nötige Kleingeld hatten, um ihr Auto mit diesem schwarzen Gold auszurüsten, automatisch die Aura eines Niki Lauda. Der Porsche 930 Turbo aus 1980 hatte eine Bereifung von 205/55 VR16 vorne und eine sagenhaft üppige hintere Bestückung von 225/50 VR16. Wow! Heute wirken diese Maße eher belustigend als respekteinflößend.

Daran erkennen wir auch die dritte Evolution beim Thema Reifen und Räder: Die Felgengröße 18 Zoll ist bei Boliden ein Muss, aber sogar Kleinwagen bieten die Möglichkeit, das Fahrzeug auf 17- oder 18-Zöllern bis hin zu 20 Zoll-Felgen über die Straße zu bewegen. In der oberen Mittelklasse und der Luxusklasse schleichen sich bereits Radgrößen in Wagenraddimensionen von 21 Zoll ein. Ein Ende ist nicht abzusehen.

 ©Jato

Wie die Verteilung in den einzelnen Fahrzeug-Segmenten heute ist, haben sich die Experten von Jato Dynamics einmal genauer angesehen. Im Bereich der Serienerstausstattung bleibt der Schuster bei seinen Leisten. Die Hersteller liefern in der Regel Sommerreifen:

In der Serienerstausstattung bei den Minicars und Kleinwagen herrscht eine Reifengröße von 185 mm (27 Prozent) und 195 mm (28 Prozent) auf Felgen der Dimension 15 Zoll (43 Prozent) beziehungsweise 16 Zoll (32 Prozent) vor. Hier dominiert mittlerweile die Alufelge mit einem Anteil von 55 Prozent gegenüber der Stahlfelge mit 45 Prozent.

In der Kompaktklasse sind die Reifen überwiegend schon etwas breiter mit 205 mm (51 Prozent) und 225 mm (31 Prozent), Felgengröße 16 Zoll (40 Prozent) beziehungsweise 17 Zoll (43 Prozent). Schon bei der Kompaktklasse beginnt der Siegeszug der Alu-Felge mit einem Anteil von 86 Prozent gegenüber der Stahlfelge mit 14 Prozent.

Der Renner der Mittelklassebereifung ist die Breite von 225 mm mit 34 Prozent. Hier werden 17 Zoll-Felgen von 36 Prozent bevorzugt. Alu-Felgen bleiben mit 96 Prozent auch hier auf dem Vormarsch.

Die obere Mittelklasse ist ebenso vorzugsweise mit der Reifenbreite von 225 mm (59 Prozent) ausgestattet, die Felgengröße liegt bei 17 Zoll (41 Prozent) und 18 Zoll (42 Prozent). Stahlfelgen sind gänzlich verschwunden.

Die Luxusklasse kommt auf großem Fuß daher und präsentiert 48 Prozent in einer Größe von 245 mm bei einer Felgengröße von 18 Zoll (33 Prozent) respektive 19 Zoll (29 Prozent). Hier besteht die Erstausrüstung aus 100 Prozent Alufelgen.

Auch die SUVs und Geländewagen leben auf großem Fuß. So sind 45 Prozent der kleinen SUVs mit 215 Millimeter breiten Reifen ausgestattet und 41 Prozent in der Dimension 205 bei einer Felgengröße von 17 Zoll (56 Prozent/Alufelgen: 90 Prozent).

Die meisten mittleren Sport Utilities kommen in der Erstausstattung zu 45 Prozent auf 18 Zoll-Rädern der Dimension 235 Millimeter (34 Prozent). Bei den Dickschiffen im Segment der Geländewagen sind 35 Prozent der Fahrzeuge sogar mit 20-Zöllern und 33 Prozent mit einer Reifenbreite von 255 Millimeter (275 mm: 25 Prozent) unterwegs.

Der Gewichtsverlust im Fahrzeugbau hat, beziehungsweise hatte, einen immer höheren Stellenwert. Auf dem Reifensektor begannen diese Einsparungen mit dem Notrad und es folgte das Reifenreparatur-Set, was zunächst für die Kunden eine schlanke Lösung bedeutete und auch eine fünfte Felge muss nicht angeschafft werden. Die Tage von überflüssigen, aber doch mitgelieferten vollwertigen Ersatzreifen sind nicht gezählt, sondern vorbei.

ampnet/uk