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Große Mehrheit würde Mobilitätsdaten preisgeben

Datenschutz ist gerade den Deutschen sehr wichtig. Dennoch ergab eine Umfrage, dass die überwiegende Mehrheit ihre Mobilitätsdaten freigeben würde - unter bestimmten Umständen.

 ©Goslar Institut

Die überwiegende Mehrheit (91 Prozent) der Deutschen wäre unter bestimmten Voraussetzungen bereit, ihre persönlichen Mobilitätsdaten in anonymisierter Form zur Verfügung zu stellen, wenn damit der Verkehr nachhaltiger, klimafreundlicher und zugleich sicherer gemacht werden könnte. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle repräsentative Befragung von mehr als 1000 Personen ab 16 Jahren im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.

Die meisten Menschen wollten eben am liebsten schnell, sicher und mit gutem Umweltgewissen von A nach B kommen, kommentierte Bitkom-Präsident Achim Berg die Resultate der Umfrage. Dafür würden sie auch ihre Daten teilen. Diese Einschätzung deckt sich weitgehend mit einer Studie des von HUK-Coburg initiierten Goslar Instituts zur „Big-Data-Debatte“. Diese Analyse ergab unter anderem, dass viele Verbraucher durchaus bereit wären, ihre Daten – auch ohne Gegenleistung wie bei einem Telematiktarif – im Sinne des Allgemeinwohls an zertifizierte Stellen herauszugeben. Bei Zielen wie etwa Gesundheit, Sicherheit und Klimaschutz bestehe eine große Bereitschaft, dafür eigene Daten zur Verfügung zu stellen, berichtete Mit-Autorin Prof. Dr. Susanne Knorre von der Hochschule Osnabrück.

Bei der Bitkom-Befragung teilten jeweils acht von zehn Teilnehmern die Meinung, vorhandene Mobilitätsdaten von öffentlichen Einrichtungen (79 Prozent) oder privaten Unternehmen (84 Prozent) sollten für alle nutzbar sein, damit zum Beispiel leichter neue Mobilitätsangebote entwickelt werden können. Für Bitkom-Präsident Achim Berg hat sich somit bei der Mehrheit der Deutschen die Einsicht durchgesetzt, dass Mobilitätsdaten „der Schlüssel zu einem nachhaltigen, klimafreundlichen und zugleich sicheren Verkehr der Zukunft“ sind.

Bisher gibt es allerdings noch keinen Rechtsrahmen für die unzähligen Daten, die in einem Fahrzeug entstehen und die sich mit dem Fahrzeughalter verknüpfen lassen. Die Autohersteller haben hierzu zwar einen Vorschlag ausgearbeitet, der sie zum Treuhänder für die in den Fahrzeugen registrierten Mobilitätsdaten machen würde. Das Konzept soll der EU-Kommission in Kürze übermittelt werden. Es besteht jedoch Nachbesserungsbedarf, da die Pläne der Autoindustrie nicht den Anforderungen anderer Dateninteressenten hinsichtlich Neutralität und Diskriminierungsfreiheit genügen.

Inzwischen fördert die HUK-Coburg die neue Studie einer Forschergruppe für das Goslar Institut zum Thema „Big Data in der Mobilität“. Erste Ergebnisse sollen beim diesjährigen – erneut virtuell stattfindenden – Goslar Diskurs bekanntgegeben werden.

aum