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Notbremsassistenten: Gute Sache, aber große Unterschiede

Notbremsassistenten finden sich in immer mehr Fahrzeugen. Und Fahrzeuge mit diesem Feature sind seltener in Unfälle verwickelt. Doch gibt es große Unterschiede.

 ©Goslar Institut

Assistenzsysteme machen unsere Autos immer sicherer. Gleichzeitig erhöhen sie den Komfort, da sie den Fahrer etwas entlasten. In den vergangenen Jahren hat sich vor allem der Notbremsassistent immer weiter verbreitet und spielt auch bei der Beurteilung von Fahrzeugen im Euro-NCAP-Crashtstest eine wichtige Rolle. Einige Systeme erkennen mittlerweile nicht nur vorausfahrende Autos, sondern auch Fußgänger, Radfahrer und sogar Wildtiere.

Im Fall einer drohenden Kollision warnt das automatische Notbremssystem den Fahrer zunächst akustisch oder optisch und auf beide Arten gleichzeitig. Zudem wird automatisch Bremsdruck aufgebaut. Erfolgt vom Fahrer keine Reaktion, bremst das Auto automatisch ab. Vielfach lassen sich damit Zusammenstöße verhindern oder zumindest deren Folgen mindern.

Laut Unfallauswertungen der Verbraucherschutzorganisation Euro NCAP sind Autos mit einem Notbremssystem deutlich seltener in Auffahrunfälle verwickelt als solche ohne. Als erfreulich wertet der ADAC daher, dass solche Sicherheitsassistenten nicht mehr nur eine Domäne der hochpreisigen Fahrzeuge seien. Denn der Notbremsassistent findet sich heute auch bereits in vielen Kleinwagen. Seit 2015 ist er zudem verpflichtend für alle neu zugelassenen Lastwagen mit mehr als acht Tonnen zulässigem Gewicht. Und ab kommendem Jahr soll der so genannte City-Notbremsassistent, der speziell auf Fußgänger und Radfahrer ausgerichtet ist, für Neuwagen serienmäßig vorgeschrieben werden.

Tests haben allerdings auch gezeigt, dass die Funktionsweise eingeschränkt sein bzw. sich von Fahrzeugmodell zu Fahrzeugmodell unterscheiden kann. So fand der ADAC zum Teil erhebliche Differenzen zwischen verschiedenen Herstellern und ihren Modellen. Aber auch bei ein und demselben Autotyp stellte der Automobilclub teilweise große Unterschiede bei der Notbremsung fest: So erkennt ein System zum Beispiel Fußgänger sehr gut und bremst rechtzeitig vor ihnen, versagt jedoch beim Bremsen vor einem Fahrradfahrer.

Außerdem arbeiten die Notbremsassistenten vielfach in unterschiedlichen Geschwindigkeitsbereichen: Die günstigeren Systeme funktionieren oft nur bei innerstädtischem Tempo. Deshalb heißen sie auch City-Notbremsassistent oder ähnlich. Andere Systeme wiederum schwächeln bei Nässe oder Dunkelheit.

Eins haben aber alle Notbremsassistenten gemeinsam: Damit sie überhaupt funktionieren können, müssen die entsprechenden Kameras oder Sensoren freie Sicht haben. Deshalb sollten Autofahrer darauf achten, dass die entsprechenden Einbaupositionen nicht durch Dreck oder sonst wie beeinträchtigt sind, damit das Notbremssystem im Fall eines Falles auch seine Arbeit erledigen kann, betont das Goslar Institut für verbrauchergerechtes Versichern der HUK-Coburg. Und nach wie vor gilt: Assistenzsysteme nehmen dem Fahrer nicht die Verantwortung im Straßenverkehr ab.

aum