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Roadsurfer: Investoren geben Millionen für Expansion

Es begann mit 25 Campingbussen, nun baut der Vermieter Roadsurfer seine Flotte auf 2500 Fahrzeuge aus. Dabei hilft ein Millionen-Investment von Investoren.

Das Gründer-Team von Roadsurfer.

 ©Roadsurfer

Die Idee ist ebenso einfach wie charmant: Wer Interesse am Urlaub auf Rädern verspürt, muss nicht unbedingt in die Pedale treten. Er kann sich auf Zeit einen Camping-Van mieten, gleich mehrere Unternehmen bieten ihre Flotten in Deutschland an. Roadsurfer in München ist eines der jüngeren Start-Ups, deren fünf Gründer diese jugendliche Idee während ihrer Ferien vor fünf Jahren hatten. Sie begannen mit einem Fuhrpark von 25 VW California, die sie je nach Saison zu Preisen von rund 80 bis 130 Euro am Tag zur Miete anboten. Die Geschäfte ließen sich ausgezeichnet an, jetzt wollen die Bayern expandieren. Das Besondere daran: Zum ersten Mal schießen branchenfremde Investoren Geld zu. Und dies nicht zu knapp. Mit immerhin 24 Millionen Euro kann das Münchner Team nun sein Geschäftsmodell ausbauen.

HV Capital Invest, Heartcore Capital und zwei Bestandsinvestoren peppen den Campingbus-Verleiher kräftig auf. Der Fahrzeugbestand soll auf bis zu 2500 Fahrzeuge wachsen, 400 neue Mitarbeiter die bestehende, 100-köpfige Belegschaft verstärken. Außerdem soll eine zweite Vermietplattform geschaffen und weitere europäische Märkte bedient werden. Ohnehin ist Roadsurfer schon gut auf beinahe dem ganzen Kontinent vertreten. So können die Mobile nicht nur in den meist in deutschen Großstädten gelegenen Vermietstützpunkten übernommen und zurückgegeben werden, auch in Barcelona und vier weiteren spanischen Touristik-Hotspots finden mobile Urlauber ihre Ansprechpartner. Auch Portugal, Frankreich, Italien und die Benelux-Länder haben ihre Camper-Mietstationen. Nur die Schweiz und Skandinavien sind für die Roadsurfer noch Terra Incognita.

Dieses Modell erlaubt Neueinsteigern ebenso wie erfahrenen Campingfreunden erhebliche Flexibilität. Da gibt es unter anderem Einwegfahrten, zum Beispiel in Mailand mieten und die Reise in Rom beenden. Zu den Start- und Zielorten geht es mit dem Flugzeug, der Bahn oder dem eigenen Personenwagen. Gerade für die weit entfernten Destinationen, etwa auf der iberischen Halbinsel, ein gern gebuchtes Arrangement. Die Ausrüstung muss im Flieger nicht als Übergepäck aufgegeben werden, eine komplette Ausstattung mit allem, was den Urlaub vielversprechend macht, lässt sich vor Ort dazu buchen.

24-Stunden-Service und unbegrenzte Freikilometer

Das Fahrzeugangebot beschränkt sich auf die vier Grundmodelle VW California, Mercedes Marco Polo, Ford Transit und als größtes Mobil den Fiat Ducato. Hochdach oder ein festes Dach stehen zur Wahl, außerdem gibt es spezielle Mobile für Hundebesitzer, auch das eher selten in der Branche. Charmant auch die Art, wie das Start-up-Quintett mit perfekten Fotos und launigen Texten das Fernweh schürt. „Morgens in grünen Bergen wandern, mittags fangfrischen Thunfisch schlemmen und nachmittags an Surfer-Stränden die Seele baumeln lassen? Das geht – und zwar in und um Bilbao!“, so die Beschreibung der Hauptstadt des Baskenlandes.

„Wir freuen uns darauf, mit neuen Investoren, die neben Kapital auch umfassendes Know-how im internationalen Travel-Bereich beisteuern, unsere Marktführerschaft weiter auszubauen“, sagt Markus Dickhardt, Mitgründer und Geschäftsführer von Roadsurfer. Er setzt dabei vor allem auf den 24-Stunden-Service für seine Kunden, wenn es unterwegs Schwierigkeiten gibt. Auch die unbegrenzten Freikilometer sind für viele, die unterwegs spontane Entscheidungen fällen wollen, ein Argument für diesen Vermieter. Sicherheit in Zeiten wie diesen gibt außerdem die flexible Stornierung oder Umbuchung bis 48 Stunden vor der Abreise. Denn wer will schon eine Region besuchen, in der die Ansteckungsgefahr überdurchschnittlich hoch ist.

Derweil erklärt Christian Saller, General Partner bei HV Capital, das Interesse am ungewöhnlichen Investment: „Das Segment der Outdoor- und Camping-Urlaube boomt seit Jahren. Diese Entwicklung hat durch Covid-19 und dem damit verbundenen Wunsch nach mehr Flexibilität und Individualität noch mehr Rückenwind bekommen.“ Klar, dass die Investoren auch mit einer üppigen Rendite rechnen. Im Augenblick liegen sie wohl richtig. Ein Ende der Wohnmobil-Rallye ist noch nicht in Sicht. Dies könnte schon bald weitere Geldgeber auf die Bühne rufen.

ampnet Michael Kirchberger

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