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Sechs Felgenreiniger im Test: Richtig schlecht ist keiner

Dekra und AvD haben sechs Felgenreiniger getestet. Dabei lagen die preiswerteren Produkte bei der Reinigungsleistung sogar vorn.

T1-Felge. ©Rolf Berger

Lackiert, hochglänzend poliert oder matt gefinisht, im Kreuzspeichen-Design oder mit V-Speichen, Tief- oder Flachbett aus Aluminium, Magnesium oder Titan, kaum ein anderes Teil beeinflusst den optischen Auftritt des Autos so sehr wie die Felgen. Nicht umsonst sind sie mit Abstand die beliebtesten Sonderausstattungen, ob werksseitig oder im Bereich der Nachrüstung. Nicht selten liegen die Stückpreise bei mehreren Hundert Euro und komplette Sätze kommen leicht auf zweitausend Euro oder mehr. Damit die „Beine des Autos“ lange schön und gepflegt bleiben, sollten Felgen regelmäßig gereinigt werden. Doch leider lässt die Gründlichkeit vieler Waschanlagen zu wünschen übrig und es bleiben Reste von Schmutz und Bremsstaub haften, die sich im Folgenden in die Oberfläche einbrennen und die Optik wie auch das Material dauerhaft beeinträchtigen können.

Um die Felgen eines Autos wirklich gründlich sauber zu bekommen, ist also Handarbeit erforderlich. Dazu bietet der Markt eine breite Palette an Reinigungsprodukten speziell für Felgen an. Aber wie gut sind diese Mittel? Was können sie leisten? Und sind die Preisunterschiede gerechtfertigt? Der Automobilclub von Deutschland (AvD) hat gemeinsam mit den Experten des Labors für Umwelt- und Produktanalytik der DEKRA sechs höherwertigen Produkten für den Privatgebrauch auf den sprichwörtlichen Zahn gefühlt. Zum Test treten an:

- Alu-Teufel Spezial Felgenreiniger von Tuga Chemie für 13,55 Euro pro Liter
- Felgenreiniger Pro+ von Total Wash für 17,98 Euro pro Liter
- P21S Felgen-Reiniger Power Gel von Dr. Wack für 23,99 Euro pro Liter
- Felgenbeast von Sonax für 14,99 Euro pro Liter
- Felgenreiniger Spezial von Liqui Moly für 14,99 Euro pro Liter
- Hot Rims Wheel & Tire Cleaner von Meguiar’s für 25,21 Euro pro Liter

Ergebnisse im Überblick.

 ©AvD

Verträglichkeitsprüfungen: Theorie vor Praxis

Ein elementares Kriterium für die Beurteilung eines Reinigers ist, dass er nur gegen unerwünschte Anhaftungen, nicht aber gegen den zu reinigenden Werkstoff oder Materialien in deren unmittelbarer Nähe aggressiv wirkt. Im Rahmen einer Material-Verträglichkeitsprüfung zeigen sich alle Reiniger als sehr verträglich mit Gummi und Autolacken. Lediglich der Hot Rims Wheel & Tire Cleaner von Meguiar‘s erzeugt auf den vier Prüflacken eine Mattierung, wenn er für 24 Stunden auf eine auf 50 °C erwärmte Oberfläche einwirken kann. Alle Hersteller raten allerdings ausdrücklich davon ab, die Reiniger auf erwärmter Oberfläche oder bei direkter Sonneneinstrahlung einzusetzen.

Auch bei der Prüfung der Aluminiumverträglichkeit fällt der Reiniger des kalifornischen Autopflegespezialisten als einziger Kandidat negativ auf. Denn im 24-Stunden-Langzeitversuch ergeben sich sowohl auf dem Rohmaterial wie auch auf eloxiertem Alu unschöne Verfärbungen, bei Raumtemperatur ebenso wie auch bei warmer Oberfläche (50 °C). Das umgekehrte Bild ergibt die Verträglichkeitsprüfung auf Kupfer und Messing. Egal ob kalte oder warme Oberfläche, beinahe alle Reiniger hinterlassen nach 24 Stunden Einwirkzeit leichte Verfärbungen. Die fallen allerdings nicht so gravierend aus, dass sie als Angriff zu bewerten sind. Nur der Alu-Teufel Spezial von Tuga Chemie bleibt auch bei diesen beiden Metallen ohne Beanstandung. Dafür erweist er sich mit Stahl nicht optimal verträglich, ebenso wie die Reiniger von Total, Sonax, Liqui Moly und Meguia‘s. Auch hier zeugen leichte Verfärbungen von einer aggressiveren chemischen Zusammensetzung der Reiniger. Allein das P21S Power Gel von Dr. Wack hinterlässt auch hier keine Rückstände. Im Gegensatz zu dem vergleichsweise offenporigen Stahl zeigen Edelstahl oder verchromter Stahl eine höhere Widerstandskraft, sodass keine der Versuchsanordnungen zu einer erkennbaren Veränderung der Probenoberflächen führt.

Alkalisch oder pH-neutral – zwei Auslegungen, ein Ziel

Neben Metallen, Lack und Gummi finden sich auch Kunststoffe direkt an den Felgen, zum Beispiel in Form der Nabenkappen, aber auch im Bereich der Radträger und Fahrwerksteile. Untersucht wird die Wirkung der Testreiniger auf acht im Fahrzeugbau verbreitete Kunststoffe. Die gute Nachricht: Wird der Reiniger nach Herstellervorgaben eingesetzt, zeigen sich sämtliche Prüf-Kunststoffe auch nach 24-Stunden-Dauertraktat unbeeindruckt. Nur wer das P21S Power Gel auf warme Oberflächen aufbringt und einwirken lässt, wird an Bauteilen aus Polyethylen (PE-HD), Polypropylen (PP) oder Polystyrol (PS) „sehr leichte Quellungen“ feststellen können.

Während jedoch bei allen Reinigern einheitlich bis zu einer Temperatur von 100 °C kein Flammpunkt messbar ist, bringt die Analyse der pH-Werte deutliche Unterschiede. So weist der Test für Alu-Teufel Spezial, Felgenbeast, Felgenreiniger Spezial, Felgenreiniger Pro+ und, P21S Power Gel jeweils pH-Werte im neutralen Bereich aus. Allerdings setzen diese Produkte allesamt neben Tensiden zur Reinigung auch auf Natriummercaptoacetat, das sich bei der Anwendung durch seinen charakteristischen Geruch nach faulen Eiern bemerkbar macht. Einen anderen Weg geht hingegen Meguiar‘s bei seinem Hot Rims Wheel & Tire Cleaner, der sich als eindeutig alkalischer Felgenreiniger erweist. Hier liegt wohl auch der Grund, dass die Einwirkzeit mit lediglich 15 Sekunden angegeben wird, während diese bei den pH-neutralen Produkten zwischen vier und sieben Minuten liegt.

Praxistests: Versuch macht „kluch“

Die Untersuchung erfolgt vergleichend an natürlich verschmutzen Aluminiumfelgen verschiedener Pkw. Die Reiniger werden jeweils zur Hälfte auf die Felge aufgebracht und anschließend mit einem scharfen Wasserstrahl abgespült. In einer zweiten Prüfung wird anstelle des Wasserstrahls manuell mit einem Schwamm gereinigt. In allen Fällen entspricht die Einwirkzeit der Herstellerempfehlung, wobei bei einem genannten Zeitintervall regelmäßig die längere Dauer gewählt wird. Die Bewertung der Reinigungsleistung erfolgt anschließend visuell. Und da sich der Verschmutzungszustand an Vorder- und Hinterrädern unterscheidet, erfolgt die vergleichende Prüfung an einem Paar Vorder- oder Hinterräder desselben Fahrzeugs.

Die gute Nachricht: Alle Reiniger machen sehr gut sauber, wenn die Reinigung durch manuellen Einsatz unterstützt wird. Wird es jedoch allein den Reinigern überlassen, die Felgen sauber zu bekommen, zeigen sich doch Unterschiede. Die beste Reinigungsleistung zeigen dann der Alu-Teufel Spezial Felgenreiniger von Tuga Chemie und der Felgenreiniger Spezial von Liqui Moly, die allen falls leichte Schmutzrückstände hinterlassen. Auf Platz drei folgt das Felgenbeast von Sonax. Bemerkenswert: Die Preise der drei Bestplatzierten rangieren am unteren Ende der Preisskala des Testfelds. In unserem Vergleich heißt es also zu Recht „gut und günstig“. Auf Platz vier folgt das bewährte P21S Felgen-Reiniger Power Gel von Dr. Wack. Es hinterlässt regelmäßig leichte Verschmutzungen und in einem Fall auch deutliche Schmutzrückstände an den Felgen der Vorderachse. Die besonders von Bremsstaub stärker verschmutzten Vorderräder stellen für den Felgenreiniger Pro+ von Total Wash ebenfalls eine harte Nuss dar, die er nur in wenigen Testfällen zu knacken vermag, zumeist bleiben auch nach der Reinigung deutliche Schmutzreste. Als nicht zufriedenstellend erweist sich die Performance des Hot Rims Wheel & Tire Cleaner von Meguiar‘s, mit knapp 26 Euro immerhin das teuerste Produkt im Test. In der deutlichen Mehrzahl der Versuche ohne manuelle Unterstützung gibt der US-Reiniger den zahnlosen Tiger, der nach dem Abspülen deutliche Schmutzrückstände hinterlässt, in einem Versuch sogar starke Verschmutzungen. Ein Grund für das schwache Abschneiden könnte in der superkurzen Einwirkzeit von nur 15 Sekunden liegen. Zum Vergleich: Bei allen anderen Testkandidaten lagen die empfohlenen Einwirkzeiten immerhin zwischen vier und sieben Minuten.

Beurteilung der Reinigungsleistung

Alle getesteten Felgenreiniger machen ihren Job ordentlich – sofern man sich nicht scheut, dem Reiniger durch manuelles Mittun unter die Arme zu greifen. In dieser Disziplin verdient die Reinigungsleistung aller Kandidaten ein „sehr gut“. Wer die Arbeit hingegen ganz und gar dem Reiniger überlassen will und den Eigeneinsatz auf das anschließende Abspülen der Felge mit Wasser beschränkt, ist mit den günstigen Testsiegern von Tuga Chemie und Liqui Moly am besten bedient. Das in dieser zweiten Disziplin unbefriedigende Ergebnis des Hot Rims Wheel & Tire Cleaer des Premium-Autopflegers Meguiar‘s könnte möglicherweise besser ausfallen, wenn der Hersteller die empfohlene Einwirkzeit überdenkt und ein etwas längere Zeitspanne empfiehlt. So reicht es gerade noch für ein „gut“. Grundsätzlich ist es allerdings in keinem Fall eine gute Idee, einen Felgenreiniger stundenlang eintrocknen zu lassen oder bei direkter Sonneneinstrahlung auf eine warme Oberfläche aufzubringen.

In jedem Fall erweisen sich alle getesteten Felgenreiniger als sehr nützliche Helfer, mit denen die Reinigung der Räder deutlich einfacher ausfällt als nur mit Wasser und Bürste. Das gilt erst recht beim saisonalen Räderwechsel. Denn vor dem Einlagern sollten die Winter- aber auch die Sommerräder auch auf der Rückseite gründlich gereinigt werden. Von Hausmitteln wie Backofenreiniger sollten Autofahrer indes tunlichst die Finger lassen. Die machen zwar augenscheinlich ebenfalls sehr sauber und kosten zudem deutlich weniger als ein Felgenreiniger. Doch weil sie für den Einsatz auf emaillierten Oberflächen ausgelegt sind, fällt ihre chemische Zusammensetzung deutlich aggressiver aus. Am Auto kann das leicht zu Beeinträchtigungen an Lacken und Metallen sowie Schäden an Gummi- und Kunststoff-Bauteilen führen.

von Gerhard Mauerer