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Der Volkswagen-Notdienst im Test

Es war saukalt im Harz am 18. Dezember 2009. Minus 18,5 Grad zeigte das Thermometer an. Irgendwann fror dann auch das Wasser der Scheibenwaschanlage ein und der Wischer fiel aus. Ein Fall für den VW-Notdienst. Ob und wie dieser geholfen hat, lesen Sie hier im Test von VW-Bulli.de.

Nur noch wenige Tage bis Weihnachten. Das Auto, ein nagelneuer T5 California Beach, steht in Hamburg zur Abfahrt bereit. Am nächsten Tag will die Familie im Schnee im Schwarzwald sein und dann ein paar Tage Skilaufen. Gerade sind die Kinder aus der Schule gekommen und um 16.00 Uhr geht es los.

Ski, Snowboards, diverse Taschen und einige Kisten mit Gebäck und Geschenken finden problemlos hinter der nach vorne geschobenen Rückbank Platz. Die Stimmung ist gut, die erste Etappe ins baden-württembergische Ludwigsburg (650 Kilometer) wollen wir wie gewohnt in fünf bis sechs Stunden schaffen.

Doch schon kurz hinter Hamburg gerät unser Plan durcheinander. Bei minus sechs Grad und nicht vom Schnee geräumten Autobahnen ist langsame Kolonnenfahrt angesagt. Mit 30 bis 40 Stundenkilometern geht es Richtung Hannover. War ja klar, dass viele im Norden noch immer auf Sommerreifen unterwegs sind.

Und dann kommt es richtig hart: Die Temperatur sinkt immer weiter. Kurz nach Hannover friert uns bei minus zehn Grad das Scheibenwasser ein. Das bedeutet: Immer wieder hinter einem Lkw herzufahren, um so mit dessen aufgewirbeltem Spritzwasser wenigstens notdürftig die versalzten Scheiben reinigen zu können.

Mühsam geht es durch den Harz weiter in Richtung Kasseler Berge. Immer wieder sehen wir am Berghang stehende Lkw, die mit ihren Sommerreifen nicht weiterkommen. Die Temperaturanzeige fällt auf schockierende minus 18,5 Grad.

Dann gibt auch noch der Scheibenwischer seinen Geist auf. Auch eine Fehlersuche im Sicherungskasten nach Handbuch bringt uns nicht weiter. Die Sicherung für den Scheibenwischer ist O.K., ebenso die für die Waschdüsenbeheizung.

Mittlerweile ist es 00.00 Uhr und wir haben noch 330 Kilometer vor uns. Dafür ist die Autobahn freier von Schnee geworden - ab Fulda haben die bayerischen Räumfahrzeug-Teams ihren Dienst wesentlich besser geleistet als ihre Kollegen aus Niedersachsen. Da es nicht schneit und deutlich weniger Verkehr als vorher herrscht, beschließen wir, trotz des Wischerdefekts weiter zu fahren.

Doch immer wieder müssen wir anhalten, um die Scheiben von Hand mit warmem Wasser zu reinigen. Letzteres transportieren wir in einem Kanister, den uns ein freundlicher Tankwart geschenkt hat und den wir ab und zu an anderen Raststätten mehr oder weniger freundlich aufgefüllt bekommen.

Als wir um 3.30 Uhr in Ludwigsburg ankommen, bezieht die Familie sogleich Quartier, während ich mich um das Auto kümmere. Ein Anruf beim VW-Notdienst (Wartezeit kurze zwei Minuten) ergibt folgende Problemlösung: Um 08.30 Uhr werde ich in die Werkstatt zu VW Hahn in Ludwigsburg-Eglosheim fahren. Dann sehen wir nach, was kaputt ist.

Das Angebot, sofort den Notdienst kommen zu lassen, lehne ich ab - kann ich doch auf eigener Achse zur Werkstatt rollen und brauche vorher noch eine Mütze Schlaf.

Bei minus elf Grad zur vereinbarten Zeit bei VW Hahn dann die Überraschung. Der freundliche Mechaniker macht die gleiche Entdeckung wie wir zuvor in der Nacht: Die Sicherungen im Sicherungskasten in der Mittelkonsole sind abweichend von der Beschriftung im Handbuch bestückt.

Die Ampere-Zahl differiert und es gibt Sicherungen, die im Buch nicht auftauchen. Trotzdem findet er den Fehler. Der Stromlaufplan leitet ihn zu einer zusätzlichen Sicherung (im Handbuch nicht erwähnt), die dann ausgewechselt den Betrieb des Scheibenwischers wieder erlaubt.

Dann heißt es warten. Das Wasser im Scheibenwaschwasser-Behälter ist immer noch gefroren. Flugs kommt der Bus auf die Hebebühne und ich mache dem durch das Eis bereits verformten Kasten mit dem Heißluftföhn so richtig Dampf. Nach etwa einer Stunde ist alles so weit aufgetaut, dass zumindest wieder Wasser aus den Düsen kommt.

Um 12.00 Uhr setzen wir die Fahrt - wie ursprünglich geplant - fort. Das Fazit: Der VW-Notdienst hat schnell und unbürokratisch funktioniert. Und ich werde mir einen aktuellen Stromlaufplan besorgen. Aus dem Handbuch allein wird man, was die Absicherung des Wagens betrifft, leider nicht so richtig schlau.

Felix Bauer / Fotos: Felix Bauer