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Als das Pilzhubdach davonflog: Carstens 27 Jahre mit T3

Seit 1991 fährt Carsten Dobrinski aus Südwest-Deutschland Bullis. 82er T3 Westfalia, 90er T3 California und seit 1995 einen 88er-Kastenbus mit Reimo-Ausbau, mit dem Carsten bis heute Hunderttausende Kilometer zurückgelegt hat. Hier erzählt Carsten seine Bulli-Geschichte.

Mein erster eigener Bulli (1991).

 ©Carsten Dobrinski

Hallo Bulli-Gemeinde!

Angefangen hat alles 1990, als ich den Grundwehrdienst bei der Bunderwehr absolvierte. Meine damalige Freundin ermutigte mich, mit ihr zusammen das Windsurfen zu lernen. Gesagt, getan, und im Wehrurlaub sind wir mit zwei 3,6-Meter-Brettern auf dem Dach eines 87er-40PS Polo und bis unters Dach mit Surfkram, Igluzelt und sonstigem Campingzeug an den Comersee gefahren, um dort die ersten Windsurf-Kenntnisse zu erlernen.

Natürlich hat es auch geregnet, und im Igluzelt war es nicht wirklich komfortabel. Aber die Surferei hatte schon richtig Spaß gemacht. Somit stand nach der Woche Urlaub fest: Nächstes Jahr schlafen wir eine Etage höher und kochen auch im Trockenen!

Wieder daheim angekommen wurde die lokale Kleinanzeigenpresse zur Pflichtlektüre. Bald stellte sich heraus, dass ein VW-Bus die beste Variante wäre. Internet gab's noch nicht! Und daher hielt sich die Suche in überschaubaren Grenzen, bis ich schließlich einen braunen 1982er T3 Westfalia mit 50PS-Diesel von einem Rentnerehepaar fand, der für 16.000 DM angeboten wurde. Da sie die Erstbesitzer waren und er lückenlos gepflegt war, schreckten uns die 130.000 Kilometer nicht ab (die waren damals alle mit 70 – 80tkm schon mit Austauschmotor unterwegs). Ab März 1991 konnten wir diesen Bus dann unser Eigen nennen.

1992 in Dänemark.

 ©Carsten Dobrinski

Ab sofort unternahmen wir an den langen Wochenenden viele Kurztrips. Der erste führte uns gleich an Ostern durch die Schweiz am Murtensee, Bielersee und Genfersee vorbei und durch die Alpen wieder zurück. Erstes Fazit: Macht riesig Spaß! Alles in so einem Bus dabei zu haben und dort stehen zu bleiben wo es einem gefällt.

Danach folgten etliche Surftrips an den Comersee. Voll beladen im zweiten Gang mit 50 km/h die Gotthardrampe hoch in den Tunnel. Mit diesem Diesel merkt man im Tunnel ganzt genau, wann die Tunnelkuppe erreicht ist. Ab dort wird er nämlich wieder schneller als 70 km/h!

Im folgenden Jahr, 1992, startete die Saison wieder an Ostern, dann 1. Mai, Himmelfahrt und Fronleichnam war klar...: Zum Surfen an den Comersee. Der Sommerurlaub führte uns nach Dänemark, unter anderem auf die Halbinsel Römö. Dort sollte man auch gut Surfen können! War auch so, aber dieses Salzwasser... Auf der Heimreise durch die ehemalige DDR (Mann, waren die Straßen damals noch schlecht!) war klar, ein neuer Bus muss her, und zwar einer, der etwas flotter zu bewegen ist. Zudem schmerzte mir immer das rechte Knie nach längerer Fahrt. Ich war erst 24 Jahre alt, und von der Surferei kamen die Schmerzen auch nicht.

1993 am Ijsselmeer.

 ©Carsten Dobrinski

Schon etwas vorher, bei einem Zwischenstop in Sankt Peter Ording (dort war kein Wind), war uns ein weißer T3 California aufgefallen. Das nächste Objekt der Begierde war entdeckt.

Der braune Joker wurde verkauft, und in Esslingen fanden wir Ende 1992 den Nachfolger, einen 1990er-California in Weiß mit lackierter Beplankung mit JX = 70PS Turbodiesel, 38.000 Kilometer, für 36.000 DM.

Nach dem Kauf daheim angekommen stellte ich fest: Ich hab gar keine Knieschmerzen! Warum? Den Bus konnte man mit einer Gaspedalstellung fahren, die nicht am Anschlag war. Da wurde mir klar, die Schmerzen im Knie stammten tatsächlich vom ständigen Druck des Gaspedals bis zum Anschlag ans Blech (beim 50 PS Diesel).

1993 musste der California dann richtig Kilometer fressen, an Himmelfahrt zum Surfen nach Holland ans Ijsselmeer, die Woche um Fronleichnam Surfen am Etang de Leucate in Südfrankreich. Wind und Surfen bei 8-9 Beaufort! Und im September ging es nochmal nach Italien an den Gargano.

1993: Der 1990er-California nördlich des Polarkreises um 12.00 Uhr nachts.

 ©Carsten Dobrinski

1994 war bis zu den Sommerferien mit Surfwochenenden verplant, und im Sommer führte uns der California nach Norwegen bis zu den Lofoten... Traumhaft.
 
Ende des Jahres trennte ich mich von Freundin und California.

Tja.. mit der Hälfte des Erlöses des California ging die Suche nach Ersatz los.

Ich bin tatsächlich mal einen Renault Espace probegefahren, der war preislich und platztechnisch bezüglich der Surferei irgendwie schlüssig. Aber ganz ehrlich: Zum Glück ist nichts draus geworden. Den hätte ich heute nämlich ziemlich sicher nicht mehr.

Der 88er DJ im Mai 1995 im Kaufzustand.

 ©Carsten Dobrinski

Es war Anfang 1995, als ich bei Heidelberg den umgebauten 88er-Kastenbus mit Reimoausbau ohne jegliches Sonderdach mit 2,1 Liter 112 PS DJ Motor, 88.000 Kilometer, 5 Zentimeter tiefergelegt, mit 225/60 16-Zoll AZEV Alufelgen und 911er-Porschesitzen fand. Der passte gut zu einem Single!

Ein halbes Jahr später, neue Frau, und ein weiteres Jahr später: Aufgrund eines Wasserpumpenschadens auf der Autobahn pumpte diese zu wenig Wasser in den Motor, wodurch der Hitzetod des DJ besiegelt war. Nach schlechter Reparatur war ich kurz davor, die "Karre" zu verkaufen.

Einmal bin ich auf der Heimfahrt durch den Gotthardtunnel mit offenen Fenstern und ausgebautem Sonnendach. Grund war die schlechte Reparatur. Die heißen Abgase wurden in das Kühlsystem gedrückt, und somit stieg die Motortemperatur bedrohlich an. Also Heizung voll auf und durch. Wäre der Espace vielleicht doch besser gewesen?

Reifenpanne in Ancona auf dem Weg nach Griechenland.

 ©Carsten Dobrinski

Aber ich entschied mich drei Monate später, bei Kilometer-Stand 129.000 in den sauren Apfel zu beißen und ließ den heute noch funktionierenden 5-Zylinder-Audi-2,3-Liter-Motor mit 136 PS einbauen. Der Einbau zog sich hin, und es dauerte ein nervenraubendes dreiviertel Jahr bis der Motor endlich so lief wie er sollte. In dieser Zeit liehen uns Bekannte ihren 1,9-Liter-78PS Club Joker für einen Kurzurlaub. Na? Wohin wohl? Comersee.

1998 war dann mit ausreichender Motorisierung eine beschwerdefreie Reise nach Griechenland rund um die Peloponnes möglich. Wieder mit Surfmaterial und auf der Heckverlängerung jetzt die Vespa PV ET3. Lags an der Vespa? Auf jeden Fall war der hintere linke Reifen in Ancona fast platt und nicht mehr rettbar. Ersatzreifen drauf und der platte 225er passte natürlich nicht in die Reserveradmulde, also ab aufs Dach damit.

Frisch lackiert und vorübergehend mit Reimo-Pilzhubdach.

 ©Carsten Dobrinski

Mittlerweile war der Falz- und Unfallschadenrost vom Vorgänger so weit fortgeschritten, dass Handlungsbedarf bestand. Es folgte die Wandlung in Silbermetallic und der Einbau eines Reimo-Pilzhubdachs - endlich wieder Stehen beim Kochen und Umziehen.

1999 ging's nochmal nach Südfrankreich und weiter nach Nordspanien mit einem Abstecher nach Andorra.

Ein halbes Jahr später hatte ich erneut eine neue Beifahrerin, die aber auch Gefallen am Bus fand und der ich unter anderem den Comersee schmackhaft machte. Und längere Autobahnfahrten waren weiterhin ohne Knieschmerzen möglich! Und jetzt sogar mit noch mehr Grinsen im Gesicht, wenn ich mal mit 160 km/h unterwegs war.

Am Hadrians Wall in Schottland.

 ©Carsten Dobrinski

Vielleicht kann sich der Fahrer des 7er-BMW auf der Schweizer Autobahn ja noch erinnern, als wir uns im Seelisbergtunnel (zweispurig in eine Richtung) gegenseitig überholten, er aber das Pech hatte, bei rund 140 km/h geblitzt und anschließend gleich gestoppt zu werden. 100 km/h sind erlaubt. Ich hatte Glück! Aber ich glaube, der hat sich nie wieder von einem VW-Bus ärgern lassen, zumindest nicht von einem T3.

2001 war Schottland geplant. Drei Tage vor Abfahrt konnte ich den Bus aus der Werkstatt holen - mit neuem Austauschgetriebe. 2002 ging es nach Korsika. 2003 war dann spektakulär: Da hatte ich den ersten ernsten Unfall: Überschlag mit einem Peugeot 306 Cabrio; der Ersatz für das Cabrio wurde auf Wunsch meiner Noch-Freundin ein VW Käfer. Mal schnell über den 1. Mai zum Maikäfertreffen nach Hannover gefahren, einen weißen 74er 1303 gekauft und einen weiteren Abstecher nach Lüneburg gemacht. Schön war's, bis dann auf der Autobahn bei starkem Seitenwind und etwa 120 km/h der Fahrgastraum hinten im Bus plötzlich heller wurde.

2003 in Kroatien.

 ©Carsten Dobrinski

Was war passiert? Das Pilzhubdach hatte sich von der Karosserie gelöst und flog bis an die Mittelleitplanke. Puhh.. weiter nix passiert. Und nun? Knappe 800 Kilometer nach Hause ohne Dach! War aber auch klar, dass es dann noch anfing zu regnen.

Das fehlende Dach war dann der Anlass sich nach einem neuen umzuschauen. Nach einem neuen Dach natürlich, nicht einem neuen Bulli. Die beste Variante fand ich auf eBay (Internet ist schon was Feines): Ein Aufstelldach eines California. 3, 2, 1 - und für 305 Euro meins. Mit einem alten Surfsegel wurde das Loch im Dach abgeklebt und nach Pforzheim gedüst und das Dach geholt. Es passte wie angegossen und wurde für die Heimfahrt mit Spanngurten befestigt. Anschließend konnten wir mit neuem Wohn- und Schlafgefühl den Kroatienurlaub antreten.

2004 am Comersee.

 ©Carsten Dobrinski

2004 tourten wir mit California-Hubdach, Vespa am Heck und Nachwuchs im Bauch meiner Noch-Freundin in die Toskana. Surfen durfte ich bei einem Zwischenstopp auf dem Heimweg am Gardasee!

2005 wurde zwei Wochen vor der Geburt noch schnell geheiratet, und zum Glück war das Hubdach schon auf dem Bus. So war gesichert, dass wir künftig zu dritt im Bus schlafen könnten.

In diesem Jahr konnte ich meine Frau für Südfrankreich begeistern. Leider gab es starke Unwetter, sodass der Bus mit Vorzelt und Kinderwagen zirka 30 Zentimeter im Wasser stand. Es folgte die Abreise nach drei Tagen, weil in ganz Südeuropa schlechtes Wetter angesagt war und es daheim in "der Toscana des Markgräflerlands" das schönste Wetter geben sollte.

2017 im Hafen von Olbia.

 ©Carsten Dobrinski

2006 legten wir uns Wohneigentum zu, was zur Folge hatt,e das wir den Bus vorwiegend als Materialtransporter nutzten. Trotzdem ging's dann an die Ostsee Richtung Fischland, Darß, Zingst.

2008 kamen wir nur bis Luxemburg und das Saarland. Und es folgten ferientechnisch weniger spektakuläre Jahre, in denen wir uns eher auf den Nachwuchs fokussierten, was aber nicht hieß, dasa wir nicht an den... Comersee... oder auch mal an den Bodensee fuhren, wenn es die finanzielle Lage zuließ, da mal wieder ein Getriebe fällig war.
 
2012 zog es uns in den Sommerferien dann nochmal nach Kroatien/ Istrien. Mal wieder im Urlaub nicht drüber nachdenken, was es für Wetter geben könnte. Bis 2015 erkundeten wir Italien rund um Venedig, dann mal auf Wunsch unseres Sohnes nach Pisa und natürlich immer ans Meer.

2016 wollte ich mal wieder Richtung Norden, was über Dresden dann auf Rügen und auf dem Heimweg drei Tage in Berlin endete.

2017 ging es nach Sardinien, ich hatte ja 2002 schon mal ein Auge voll von Korsika aus genommen! Fazit: Empfehlenswert!

2018 in der Toskana.

 ©Carsten Dobrinski

2018 ging es wieder in den Süden in die Toskana, Florenz, (wäre echt schön gewesen, wenn man uns nicht zwei von drei Fahrrädern gestohlen hätte) über San Giminiano weiter nach Elba und auf dem Heimweg noch das Vespa-Museum besucht.

Mittlerweile war ich alles in allem 60 Mal am Comersee, und habe zeitweise dennoch manchmal das Gefühl gehabt, ich hätte mir eher einen Umzugstransporter als ein Freizeitmobil gekauft. Der Bulli hat momentan zirka 365.000 Kilometer (Karosserie), etwa 30.000 Kilometer weniger auf dem 5-Zylinder, das dritte Getriebe, und wenn alles hinhaut, gibt's auch bald das begehrte H-Kennzeichen.

Dazu muss ich aber die Lackierung nochmal auf Vordermann bringen, nachdem ich 2016 ausgiebig marodes Blech getauscht habe (den Renault Espace hätte ich kleben können), und weiter müssen die 2002 getauschten 911er- durch elektrisch verstellbare Boxstersitze ersetzt und die MX5-Spiegel rückgebaut werden.

Aber das werde ich auch noch hinbekommen! Und freue mich auf viele weitere Kilometer in unserem Bulli!

von Gerhard Mauerer