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Balkan-Reise im T3 Teil 3

Karl-Ewald Kirschner (Bj. 51) und Slobodan "Dane" Kapevski (Bj. 1957) unternahmen im Sommer 2008 eine ausgedehnte Balkanreise mit einem T3. Dane wollte seine alte Heimat Mazedonien wiedersehen und Karl-Ewald kam mit, weil ihn eine Reise in diese Region schon immer gereizt hatte. Der dritte Teil des Berichts führt uns von Skopje bis nach Albanien, Montenegro und Bosnien-Herzegowina.

Die Fischer. ©Karl-Ewald Kirschner

Dienstag, 5. August 2008

Tränenreicher Abschied in Skopje, ganze Familie, Nachbarn etc. Ich bin glücklich, es geht weiter. Tanken (Benzin), los geht's Richtung Ohrid.

Kavadrtsi, der Ort in dem Ljupce wohnt. Durch eine tolle Landschaft mit tausenden von Weinfeldern am Nachmittag angekommen. In Kavadrtsi angekommen öffnem Slobodanka, Ljupces Frau und Martin, sein Sohn die Tür. Ljupce kommt 10 Minuten später vom Friseur. Er zeigt uns seine ehemalige Kneipe. Später fahren wir mit unserem Womo zu einem See mitten in den Weinfeldern.

Im Restaurant gibt es Fisch (lecker), Fritten, Brot und eine extrem leckere Knoblauchsauce. Wasser, Wein, Pivo, wie üblich.

In der Fischfarm. ©Karl-Ewald Kirschner

Zwei Fischer fragen uns, ob wir nicht in ihrem Boot mitfahren wollen, zwei Tage. Slivovic, Wein und Salat ist genug vorhanden. „Bitte mach ein schönes Foto von mir, meine Mama konnte mich nicht schön machen, vielleicht kannst du das ja“, sagt der Fischer.

Neues Highlight: Wir dürfen in einer Fischfarm fotografieren, normalerweise streng verboten. Wir bekommen eine exklusive Führung. Hier wird der Krap, Karpfen gezüchtet, der Fisch, den wir bereits im Restaurant kennen gelernt haben. Vor Ort gefangen, geschuppt, ausgenommen, verkauft. Schlachtgewicht ca. 2,5 Kilo. 1 Kilo kostet 180 Dinar, rund 3 Euro.

Abends in die Stadt, Kneipenbummel. Bei Ljupce, endlich mal wieder, allein in einem eigenen Bett geschlafen.

Offroad-Holländer. ©Karl-Ewald Kirschner

Mittwoch, 6. August 2008

8.30 Aufgestanden, Dane pennt noch, hat die ganze Nacht Videos geguckt (Karamela, was sonst). Zum Frühstück Burek, Blätterteig mit Käse, Joghurt. Mit Martin (Ljubce’s Sohn) im Internet gesurft. Der Junge mit seinen 7 Jahren spricht besser englisch als sein Vater deutsch. Erstaunlich!

Wir fahren weiter nach Ohrid. Durch nicht endende Weinberge. Es geht auf und ab über die Berge. Der Bulli spielt mit. Auf halber Strecke treffen wir ein Holländer-Pärchen. Er organisiert Offroadtouren in Mazedonien. Er will uns mit aller Gewalt eine seiner Touren aufschwatzen. Keine Chance.

Ankommen im Ort Ohrid, wunderschön gelegen am gleichnamigen „mazedonischen Meer“ Ohridsee, dem tiefsten und angeblich saubersten See des Balkans.

In Ohrid. ©Karl-Ewald Kirschner

In Ohrid unser Appartement belegt. Qualität so lala. Kleiner Blick vom Mini-Balkon auf den See. Der Besitzer, Holzkünstler, zeigt uns seine Werke, Holzskulpturen in Überlebensgröße.

Auf in die Stadt. Durch die orientalischen Markthallen. Millionen Menschen, Touris, fast nur Mazedonier auf der Straße. Ein Souvenirstand neben dem anderen. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nicht soviel Kitsch gesehen. Wer will kann sich hier sogar tätowieren lassen. Unter freien Himmel, unter einer Petroleumlampe, strange! Wir treffen unseren Vermieter, den Holzkünstler, der muss abends Holzsouvenirs verkaufen.

Wie üblich Restaurant, Kneipe. Der Rückweg ein einziges Chaos. Ich kenne den Weg. Dane weiß es besser. Ich gehe meinen Weg. Dane schreit Stopp, Stopp. Ich gehe trotzdem weiter. Bin in 5 Minuten Zuhause, mache eine Flasche Wein auf und warte. 30 Minuten später kommt Dane. Nur am schreien. Man darf einen Freund nicht verlassen. Ich bin das größte Arschloch. Dane sagt: "Morgen nehme ich mir ein Flugzeug und fliege nach Hause." Der Hauswirt kommt: "Bitte Ruhe." Dane gibt keine Ruhe. Ich gehe ins Bett.

Am Strand des Ohridsees. ©Karl-Ewald Kirschner

Donnerstag, 7. August 2008

Ohrid. Appartement. Streit wegen Rückweg.

Aus dem Hotel rausgeschmissen. Wir waren zu laut. Der Vermieter: „Verlassen sie mein Hotel, sofort!" Wir entschuldigen uns und verdrücken uns schnell und ziemlich wortkarg.

Die beste Idee des Tages: Wir fahren auf einen Campingplatz. 10 Kilometer südlich, an der Ostseite des Ohridsee. Unkomplizierte Formalitäten. Den Bullistellplatz können wir uns selbst aussuchen. Wir entern unseren Campingplatz, Gradiste. 8 Meter zum Wasser, 9 Meter zum Kiosk. 10 Meter zur Toilette. 100 Prozent Wohlfühlen.

Ameisenstrand. ©Karl-Ewald Kirschner

Freitag, 8. August 2008

Strandtag. Also, dieser Campingplatz ist Ballermann 6, nur in Mazedonien. Wie sagte Dane? „Ameisenstrände“. Menschen, Menschen, Menschen. Alle 50 Meter eine Beachbar (Cypi 2€), massive Telekom-Werbung an jeder Ecke, Diskomusik aus riesen Lautsprechern.

Aber auch, mittendrin, eine Kapelle in der die bikinitragenden Mädels ihre Kerzen anzündeten. Und wenn man sich etwas vom Campingplatz entfernt, Natur pur. Atemberaubende Ausblicke.

Kapelle. ©Karl-Ewald Kirschner

Ohridsee.

Nachts Streit wegen drei Mal Schubsen (Dane ist ein sehr unruhiger Schläfer und ich schubse ihn immer wieder zurück wenn er sich zu breit macht).

Reaktion: Dane will schon wieder einen Flieger nach Hause. Dane ist abends, nach 20 Dosen Pivo, nicht mehr der wie am morgen. Streit wegen Kleinigkeiten. Dane ist völlig uneinsichtig. Er hat immer Recht, auch wenn ich eindeutig das Gegenteil beweise. Ich werde mich ab sofort total zurücknehmen. Vermeide jede Diskussion. Dane hat immer Recht. Unser Problem, ich habe auch immer Recht!

 ©Karl-Ewald Kirschner

Samstag, 9. August 2008

Strandtag. Dane ist wieder lammfromm.

Wir machen eine Touri-Bustour in einen Nachbarort. Auch ganz nett, mal wieder gefahren zu werden.

Party am Ohridsee. Abends feiern 5000 Menschen Party am Restaurant Nummer 2.

800 Dinar Eintritt. Für uns zu viel für only Techno Musik. Die Nacht war dementsprechend unruhig.

Kaufkräftiger Nachbar. ©Karl-Ewald Kirschner

Sonntag, 10. August 2008

Ohrid, letzter Tag.

Von unserem Nachbarn Kaffee, Burek mit Schokolade zum Frühstück bekommen. Er ist inzwischen der dritte, der unseren Bulli kaufen will. Wir sollen ruhig damit nach Split fahren, er bezahlt 1800 Euro und wir können mit dem Flieger nach Hause. Keine Chance.

Jetzt will er auch noch meinen Computer kaufen. Keine Chance.

Albanische Grenze. ©Karl-Ewald Kirschner

Er kauft zum Schluss mein altes Handy, meine Dynamotaschenlampe, mein Fernglas. Wir wollen den Campingplatz verlassen. 2220 Dinar cash. Wir haben nur noch 2200. Auch ok. Die Küstenstraße entlang Richtung Albanien.

Grenze Albanien. Es ist schon dunkel. Die Grenzstation besteht aus einem rot-weißen Balken und einer Holzhütte. Und natürlich Grenzbeamten, bewaffnet mit je einer Kalaschnikow.

Hochzeitskorso in Tirana. ©Karl-Ewald Kirschner

Fotografieren strengstens verboten. Gott sei Dank kann man an der Kamera den Blitz abstellen.

Wer unser Tagebuch kennt, kann sich vorstellen was jetzt passiert. Der Grenzbeamte will 3 Euro haben. Nur drei Euro! Wir haben aber keine drei Euro, alles am Campingplatz gelassen. Andere Währungen will er nicht akzeptieren.

Kein Geldautomat in der Nähe. Kein "Bitte, Bitte" hilft. Wir sollen zurückfahren. Jetzt kommt wieder der Schutzengel: Ich finde in meiner Geldbörse Euromünzen, Münzen! Alles ok, wir entern Albanien.

Fahrt durchs albanische Bergland. ©Karl-Ewald Kirschner

Ohne Probleme bis nach Tirana, der Hauptstadt.

Sehr lebhafte Stadt, wie eine Mischung aus Istanbul und Neapel.

Heute am Sonntag, in Tirana muss wohl eine Hochzeitsepidemie ausgebrochen sein. Alle 5 Minuten werden wir Zeugen eines geschmückten, wild hupenden Autokorsos.

Dane hat aufgehört zu zählen, aber es waren bestimmt mehr als 30.

Albanisches Bergland. ©Karl-Ewald Kirschner

Nachdem wir am Bankautomat Geld gezogen haben, will ich weiterfahren. Ein deutscher Landsmann mit einem klapprigen alten Mercedes versucht händeringend mich auf etwas aufmerksam zu machen. Erst denke ich, der will mich nur grüßen, also grüße ich freundlich zurück. Aber er lässt nicht nach zu winken und zu zeigen. Endlich sehe ich was er meint: Vor meinem rechten Hinterrad war ein riesiges Loch in der Straße. Es fehlte ein Gullydeckel. Schutzengel, mach so weiter.

Hinter Tirana geht’s endlich wieder weiter durch das albanische Hochland. Und wenn eine Straße glücklich machen kann, dann diese.

Obst und Gemüse kaufen. ©Karl-Ewald Kirschner

Langsam ansteigende Berge, 2000 Meter hoch, aber nicht alpin, sondern wie ein Mittelgebirge. Runde Berggipfel. Rechts und links der Straße traumhafte Ausblicke. Weitsicht über Kilometer. Augenweide. Es riecht nach Blüten, Pinien und immer wieder nach Lavendel.

Zwischendurch immer wieder freundliche Menschen die einen etwas verkaufen wollen. Wir halten und kaufen bei einer Landfrau einen Liter Olivenöl, einen Strang Knoblauch, Peperoni. Sie schenkt uns Feigen, Tomaten usw. Kosten: drei Euro.

Ausblick. ©Karl-Ewald Kirschner

Zweiter Stopp mit Esel und Pferd und immer wieder Tomaten, Peperoni, Zwiebeln, Feigen, Himbeeren, Pflaumen. Man wird förmlich gezwungen, alles zu probieren.
 
Nach zig Kilometern und wunderschöner Landschaft an einer Tankstelle angehalten, Proviant erneuert und Bulli vollgetankt. Keine 5 Kilometer gefahren. Bulli fängt schon wieder an zu stottern, keine Leistung, knallen aus dem Auspuff. Ich könnte heulen. Falsches Benzin.

Park- und Schlafplatz. ©Karl-Ewald Kirschner

Mit maximal 60 Sachen, auf gefährlichsten Bergstraßen, im Dunkeln durch Albanien nach Montenegro.

Grenzübergang nach Montenegro, schon wieder Stress. Der Beamte will 10 Euro, nur Euro! Haben wir aber nicht. Zurück nach Albanien, unser letztes Geld in Euro gewechselt. Nun haben wir 10 Euro, nicht mehr und nicht weniger. Völlig bargeldlos verlassen wir Albanien, ein Land dessen Sprache selbst Dane nicht verstand. Nachts und im dunkeln todmüde auf unserem neuen Parkplatz in der Stadt Bar eingeschlafen.

Schiffbau in Bar. ©Karl-Ewald Kirschner

Montag, 11. August 2008

Die Stadt Bar, traditionelle Schiffsbaustadt und die kürzeste Fährverbindung nach Italien, Bari.

Die Marina durchwandert. Schöne alte Boote, viel Schrott. Tolle Fotomotive.

Zur Tankstelle, gesundes Benzin getankt, mit Blei

Irgendwann wird mein Spruch langweilig: der Bulli schnurrt wie ein Kätzchen.

Auf der Fähre. ©Karl-Ewald Kirschner

Weiter durch die Berge Montenegros und entlang der montenegrinischen Adriaküste.

Küstenstraßen wie gemalt. Liebliche Mittelgebirge, nette Menschen.

Wir machen eine Pause in einer überwältigenden Lagune.

Stopp an einer Strandbar. Vom Kneipier erfahren wir, dass die Lagune über 45 Kilometer lang ist. Bessere Alternative, wir nehmen ein Fähre: 15 Minuten, 8 Euro. Geht doch.

 ©Karl-Ewald Kirschner

Für nur zehn oder zwanzig Kilometer kommen wir durch Bosnien-Herzegowina. Eigentlich nicht weiter interessant, wenn die dort nicht als Währung unsere alte Mark hätten. Schon ein komisches Gefühl mit einem Zehnmarkschein zu bezahlen.

Wir entscheiden auf halber Strecke nach Dubrovnik, in einem Badeort zu pausieren und auf dem Parkplatz einer Kneipe zu übernachten. Coca-Cola Beach, nur rote Cola-Sonnenschirme! Plastiktisch geklaut. Toilette, Wasser, Restaurant, Kneipe, alles vorhanden.

Karl-Ewald Kirschner und Gerhard Mauerer