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Buchtipp "Camping-Glück" - Nach dem Sommer ist vor dem Sommer

Wenn die Camping-Saison zuende geht, dann ist ein außergewöhnliches Camping-Buch gerade die richtige Lektüre. Heiko Wacker hat ein solches entdeckt und stellt hier "Camping-Glück" von Björn Staschen.

 ©Prestel Verlag

Hallo Bulli- und Camping-Freunde!

Die Reisesaison geht allmählich zu Ende, die ersten Bulli-Camper rollen in diesen Wochen bereits in den Winterschlaf. Und bald werden wir, angetan mit dickem Mantel und Schnee auf den Schultern, zu unseren Schätzchen schleichen, und träumend vom Sommer neue Pläne schmieden. Und wenn dann der Abend kommt, greifen wir zu einem guten Glas und einer guten Inspirationsquelle. Und schon wären wir beim „Camping-Glück“.

Als vor einigen Jahren die Zeltbibel „Cool Camping Deutschland“ erschien, da traf Björn Staschen wohl einen Nerv, immerhin haben die Leute nicht nur Spaß am Camping, sondern auch Laune an ausgefallenen Orten und Konzepten. Und in genau diese Richtung zielt auch sein jüngstes Werk, und so führt die „Camping-Glück“ genannte Neuausgabe gleich mal den Slogan „80 außergewöhnliche Plätze in Deutschland“ im Untertitel.

Von Nord nach Süd hat Björn Plätze besucht und beschrieben, die nur eines gemeinsam haben: Sie entsprechen nicht dem Klischee, sondern haben alle auf ganz individuelle Weise einen ganz besonderen Charme. Der wird zwar mitunter mit Nachteilen erkauft, die der Autor denn auch nicht verschweigt, doch kommt das der Qualität des wahrlich inspirierenden Buchs zu Gute. Ein Beispiel gefällig? Nun: Wer den Wind liebt, der wird sich auf einer Hallig wohlfühlen – wer sich nicht mit dem Gedanken anfreunden mag, auf einer im Winter überfluteten Wiese zu zelten, der wird solch ein Fleckchen nicht entspannend finden. Andere wiederum haben Bock, zwischen den Mauern einer alten Burg zu zelten, während ich wiederum meinen Bulli nicht missen möchte. Also kommen für mich persönlich Plätze in autofreien Ecken nicht in die Tüte.

Mit wachem Auge für das Besondere arbeitet sich Björn quer durch die Republik – heidewitzka, gibt es hier schöne Ecken – und entdeckt für den Leser die Nation. Der wiederum erfährt mehr über bajuwarische Zeltinseln, Plätze „nur für Erwachsene“ oder ein Kinderparadies an der Neiße. Campen kann man außerdem in Betonröhren, in einem Eisenbahnhotel oder direkt an Seen und Kletterwänden.

Angefügt an die oft sehr persönlich und direkt geschriebenen Kapitel sind stets ausführliche Infos zur Anlage selbst, zu den Sanitäreinrichtungen und den Preisen, zu den Verpflegungsmöglichkeiten, zur Region, aber auch zu den Vor- und Nachteilen einer Anlage.

Grundsätzlich merkt man bei der Lektüre aber auch, dass Camper heutzutage etwas „geboten“ haben wollen. Gerade auch, wenn Kinder mit an Bord sind, darf es an Bespaßung nicht mangeln – die sich die Reisenden dann auch was kosten lassen. Das macht kleinen, einfachen Plätzen das Leben natürlich schwer.

Um so schöner, dass Björn nicht nur die „HalliGalli-Fraktion“ erwähnt, sondern (Stichwort Hallig) auch kleine Naturplätze ohne Schnickschnack. Denn das wahre Camping-Glück braucht weder ein beheiztes Schwimmbad noch flächendeckendes W-LAN oder einen Klettergarten. Mein Bulli allerdings, der weiß das schon lange. Und er wird es mir auch diesen Winter wieder ins Ohr flüstern, wenn ich ihn besuche. Und ihm von der Saison 2020 vorschwärme. Ich hab da nämlich ein paar Ideen …


Björn Staschen: Campingglück. 80 außergewöhnliche Plätze in Deutschland. Prestel Verlag München 2019, 320 Seiten, Taschenbuch, ISBN 978-3-7913-8593-8, 25,00 Euro.

Heiko P. Wacker