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Buchtipp: Die Wolfsburger Schatzkammer

So sehr wir auch alle Fans des Bulli sind – so klar ist uns doch auch, dass er seinen Status als „Typ 2“ alleine dem Käfer verdankt. Der nämlich bahnte als „Typ 1“ den Weg für alles, was noch anrollen sollte aus Wolfsburg. Und dass das eine ganze Menge war, ist längst kein Geheimnis mehr: Die Erfolge der Volkswagen lassen sich auf der Straße wie im Museum bestaunen.

 ©Verlag Delius Klasing

Eine der zentralen Erinnerungsstationen der Marke findet sich dort, wo einst alles begann. In Wolfsburg nämlich, in der „Sammlung des AutoMuseum Volkswagen“. Die lohnt den Besuch immer wieder aufs Neue, wechseln die Exponate doch ständig. Mal wird ein Fahrzeug als Leihgabe nach außen gegeben, mal werden, beispielsweise für Sonderausstellungen, Preziosen aus dem Fundus ins Rampenlicht gerollt. Deshalb wird man auch die 120 Modelle des kürzlich erschienenen Museumskatalogs niemals zugleich bestaunen können.

Der von Eberhard Kittler, seit 2014 Direktor des Museums, konzipierte Katalog versammelt eine ganze Phalanx an VW-Highlights – darunter natürlich auch etliche Bullis. Angefangen vom 1949er Prototyp spannt sich der Bogen über einen 51er Barndoor-Fensterbus, einen Drehleiter-T1 von 1964, einem der für Versuchsfahrten aufgebauten Allrad-T2 bis hin zum finalen „Limited Last Edition-T3“. Nicht weniger interessant sind freilich Messe-Autos wie der 1979 auf der IAA gezeigte „T3 Traveller Jet“, der Ideen der späteren Caravelle Carat vorweg nahm, oder der zum achtsitzigen Cabrio modifizierte T2b „Open Air“. Er entstand 1973 anlässlich der TV-Serie „Ein Platz an der Sonne“, hat auf der rechten Seite eine mittels Riegel fixierte Klapptür und ein grandioses Sommer-Feeling.

Einen Platz an der Sonne haben sich natürlich auch die eher „normalen“ Vertreter wie der 78er T2-Westi oder der 62er Samba verdient. Wobei man angesichts der aktuellen Preisentwicklung vielleicht lieber nicht von „normal“ reden sollte …

Der Vollständigkeit halber seien noch der T2a/b-Versuchsträger von 1972 mit Gasturbine, der aus Brasilien stammende, luftgekühlte T2c „Nova Combi“ von 1998 oder die T3-DoKa-Studie von 1987 erwähnt, die als allradgetriebenes Lifestyle-Vehikel glänzen durfte. Außerdem gehört ja auch der Fridolin irgendwie zur Familie – und selbst der Typ 181, der Kübelwagen, wird im Buch mit zu den „Nutzfahrzeug-Ablegern“ des Käfers gezählt.

Und sonst? Ach ja, Käfer natürlich! Sämtliche Käfer-Modelle, angefangen beim KdF-Käfer von 1943 – dem Dienstwagen von Prof. Ferdinand Porsche – über die Produktion nach dem Zweiten Weltkrieg bis hin zum 95er Käfer-Taxi aus Mexiko ist so manches Zuckerchen geboten. Zumal Prototypen, Designstudien und Unikate seit den 1950er Jahren mit ins Spiel gebracht wurden. Dass dabei auch diverse Vertreter der „Typ 3“ und „Typ 4“ sowie wassergekühlte Vehikel gezeigt werden, versteht sich von selbst: Golf, Passat, Phaeton – alles da.

Sämtliche Exponate sind mit einer deutsch-englischen Kurzbeschreibung sowie mit mindestens einem gelungenen Foto vorgestellt – dem rot-weißen Samba von 1962 und einigen wenigen anderen Fahrzeugen spendierte der Herr Direktor indes gleich eine Doppelseite mit vier Fotos. Obgleich er selbst, wie er im Nachwort erklärt, eigentlich den Paris-Dakar-Iltis von 1979 als persönlichen Favoriten betrachtet. Das hat Stil.

Unterm Strich gelang dem Museum mit dem knapp 17 Euro kostenden Katalog ein feiner Einblick in die VW-Historie wie in die eigene Sammlung. Wer also mehr über beide erfahren will, der sollte zugreifen – oder einfach hinfahren …

Das „AutoMuseum Volkswagen“ in der Wolfsburger Dieselstraße hat geöffnet von Dienstag bis Sonntag, jeweils zwischen 10.00 und 17.00 Uhr. Weitere Infos unter: www.volkswagen-automuseum.de.

Schatzkammer: Die wichtigsten Exponate der Sammlung des AutoMuseum Volkswagen. Verlag Delius Klasing Bielefeld 2015, 128 Seiten, 170 Farbfotos, 1 sw-Foto, Format 22 x 25,1 cm, kartoniert, ISBN 978-3-667-10260-7, 16,90 Euro.

Heiko P. Wacker