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Buchtipp: DMAX Auto-Legenden - Die besten deutschen Marken und Modelle

Bulli-Fans haben häufig auch ein Plätzchen im Herz für andere Auto-Klassiker. Und für diese Autoliebhaber könnte das neue Buch "DMAX Auto-Legenden. Die besten deutschen Marken und Modelle" interessant sein. Heiko Wacker stellt es vor.

 ©Motorbuch Verlag Stuttgart

Ein gewisses Quantum an Benzin im Blut haben wir wohl alle, und wer sich für den Bulli interessiert, der hat nicht selten auch ein kleines Faible für andere Klassiker. Altes Blech hat eben seinen ganz eigenen Reiz. Und so ist es heute durchaus üblich, sich bei zufälligen Sichtungen auf der Landstraße auch über die Markengrenzen hinaus zu grüßen. Vor einigen Jahren noch undenkbar, heute keiner Erwähnung mehr bedürftig: Der Caprifahrer zeigt dem Käferbesitzer den hoch erhobenen Daumen, der wiederum grüßt lässig den Manta, das „H“ verbindet.

Es wird eben gerne auch mal über den Tellerrand geblickt, und so darf man sich auch als Bulli-Fan für die „Auto-Legenden“, die „besten deutschen Marken und Modelle“ interessieren, zumal das gebundene Buch schmale 15 Öcken kostet. Zudem ist vorne drauf gleich mal ein feiner Blickfang, das verlockt noch mehr. Immerhin geht es dem Autor ganz offensichtlich nicht allein um Hubraum und Tempo (wir sind ja auch nicht beim Autoquartett), sondern um andere Werte, innere zumal. Also rein ins Buch.

Das wiederum legt zunächst chronologisch los, fasst die Mobile in den weiteren Kapiteln jedoch eher summarisch zusammen zu Topsellern oder den Sportiven. Ein paar Superlative müssen halt doch sein. Den Anfang machen indes eher beschauliche Leistungswerte, Pioniermarken wie Benz, Dixi oder Brennabor vertreten die Frühzeit, als selbst der Kaiser noch aufs Pferd setzte, bevor die „Vergessenen“ vorgestellt werden. Horch, Wanderer, Protos, Röhr oder NAG – die hingen am Mutterkonzern AEG, selbst der Kaiser fuhr schließlich (aha, also doch) einen solchen Wagen – sagen mitunter nur Cracks etwas.

Richtig skurril wird es jedoch bei den Kleinsten, denn wer erinnert sich noch an Fuldamobil, den Brütsch Spatz oder Heinkel? Hier springt das Buch allerdings flux in die Moderne, auch Smart findet hier statt, in der Rubrik der ungewöhnlichsten Fahrzeuge fallen die Schranken zwischen den Epochen dann gänzlich, Rumpler (seine Tropfenwagen fuhren im Film „Metropolis“), Brabus, Melkus oder Wiesmann sind in trauter Runde vereint. Und wieder wird mit der Autoschmiede Veritas aus dem badischen Muggensturm auch eine sehr kurzlebige Marken gewürdigt.

Kleinere Unklarheiten darf man dem Buch deshalb nicht übel nehmen: So unterlief dem Lektorat im Inhaltsverzeichnis ein Seitenfehler, und auch der Vermerk, dass Borgward zur IAA 2015 wieder auferstehen soll, verblüfft. Das ist vier Jahre her, hier wurde wohl ein älterer Text recycelt. Und doch muss man feststellen, dass der Motorbuch Verlag mit den „Legenden“ ein feines, informatives und reich bebildertes Schmökerbuch zu einem sensationellen Preis auf Kiel gelegt hat.

Und der Bulli …?

Nun, ganz am Ende geht es um die „Unvergleichlichen“, und hier nun tummeln sich Flügeltürer, der Capri, der Opel GT, der NSU Ro80, der Manta oder die Zuffenhausener Ikonen. Und natürlich rollt es hier auch nach VW-Manier, wobei es erst um den Käfer geht, und schließlich, ganz am Ende des Buchs, die Geschichte des VW Bulli vom T1 bis zum aktuellen T6.1 erzählt wird. Na also, das Beste kommt eben immer zum Schluss!


Joachim M. Köstnick: DMAX Auto-Legenden. Die besten deutschen Marken und Modelle. Motorbuch Verlag Stuttgart 2019, 223 Seiten, 230 x 305 mm, gebunden, ISBN 978-3-613-04165-3, 14.95 Euro.

Heiko P. Wacker