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Buchtipp: Ein Klassiker wird 30

Wer kennt ihn nicht, den "Oldtimer Katalog". Das Nachschlagewerk für die Oldie-Szene feiert dieses Jahr seinen 30. Geburtstag. Wir haben schon mal in den neuen "Oldtimer Katalog" reingeschaut und können die Lektüre nur empfehlen.

 ©Heel-Verlag

Zuweilen schüttelt man den Kopf, schaut man sich die Preisentwicklung mancher Oldtimer an. Immerhin werden inzwischen für bestimmte Klassiker Hausnummern aufgerufen, die noch vor wenigen Jahren in die Rubrik „vollkommen absurd“ einsortiert worden wären. Manch einer fürchtet gar eine Blase, wie sie den Markt Ende der 80er schon einmal erschütterte.

Mitten drin: unsere Lieblinge aus Hannover. Denn speziell die frühen Bullis werden gerne als Beispiel herangezogen, geht es um die Preisspirale. Oft fallen bei solchen Gelegenheiten Sätze wie: „Hätte ich doch damals den Samba genommen – aber der sollte ja tausend Mark kosten und die Reifen waren runter.“ Tja – hätte, wäre, wenn …

Natürlich ist der Bulli nur ein Vertreter unter vielen – auch die Ente und vor allem der 911er machen gegenwärtig eine preislich sehr heftige Entwicklung durch. Die kann man besonders gut an den Notierungen im „Oldtimer Katalog“ ablesen, der nicht nur als Europas größter Marktführer gilt, sondern sich längst zum unverzichtbaren Nachschlagewerk der Oldieszene gemausert hat. Dieser Tage erscheint mit Nr. 30 die Jubiläumsausgabe: In gewisser Weise bekommt der „OK“ jetzt selbst seine „H-Zulassung“. Glückwunsch!

Wieder werden rund 1.300 Fahrzeuge von mehr als 150 Herstellern detailliert in Wort und Bild vorgestellt, werden die wichtigsten technischen Daten und die aktuellen Sammlerpreise von Classic Data gelistet.

Den Nutzfahrzeugen von VW werden in diesem Zusammenhang gleich eineinhalb Seiten eingeräumt, wobei die Überschrift „Ein Kasten macht Karriere“ beibehalten wurde. Den Anfang macht natürlich der T1, der je nach Zustand mit maximal 65.100 Euro geführt wird – im vergangenen Jahr waren es noch 57.000, und dabei blieben die frühen Modelle bis 1959 sogar außen vor.

Unverändert, oder weitgehend unverändert im Preisgefüge präsentieren sich der Fridolin (Zustand 2: 33.000 Euro) oder der T3, der als „syncro“ im Zustand 2 bei 13.200 Euro verblieb. Wer indes meint, das müsse dann auch für den T2 gelten, der liegt voll daneben. Denn die „Bay-Fraktion“ spitzelt immer weiter nach oben. So führte der „OK29“ von 2015 als teuerste T2-Notierung den T2a Kastenwagen der Baujahre 1970-72 mit 28.400 Euro. Aktuell sind es 37.300 Euro, während der T2a Fensterbus aus jenen Baujahren bei 38.000 Euro steht – jeweils im „Einser-Zustand“ wohlgemerkt.

Natürlich sind das alles nur Richtpreise, zumal fast jedes Exemplar ein ganz individuelles Fahrzeug mit eigener Historie ist. Aber doch geben die Werte eine sehr profunde Vorstellung von der aktuellen Entwicklung, die auch Aspekte wie die Patina berücksichtigt.

Preislich vollkommen unverändert blieb übrigens der „OK“ selbst, der trotz größeren Umfangs wieder für knapp 20 Euro auf dem Tresen liegt. Und auch der Ausblick auf die „Youngster“ fand wieder Eingang – auch wenn wir uns erst noch an den Gedanken gewöhnen müssen, dereinst einen Citroën C3 Pluriel, einen Honda S2000 oder einen VW Phaeton W12 in den Klassikerolymp einrollen zu sehen.

Andererseits: Es ist noch gar nicht so lange her, da war der Bulli als Oldie überhaupt nicht anerkannt. Und auch jetzt noch ist der T3 für viele kein veritables Blech. Doch die Welt dreht sich weiter: Schauen wir mal, wann der T4 im „OK“ ankommt …

Günther Zink (Hrsg.): Oldtimer Katalog 30. Heel Verlag Königswinter 2016, Paperback, 448 Seiten, ca. 1.400 größtenteils farb. Abb., 210 x 297 mm, ISBN 978-3-95843-309-0, 19,99 Euro.

Heiko P. Wacker