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Buchtipp: Praxishandbuch Oldtimer-Elektrik

Wir Bullifahrer trauen uns ja so einiges zu rund ums Schrauben an unseren VW Bussen. Doch frei nach dem Motto "Uiuiui, der Kupferwurm" trauen sich die meisten nicht an die Elektrik ran. Heiko Wacker stellt nun ein Buch zum Thema Oldtimer-Elektrik vor, das die Angst vielleicht ein wenig nehmen kann.

 ©Heel Verlag

Hallo Bullifreunde,

Wir schrauben und schweißen, wir zerren einen Reifen mit den bloßen Händen auf die Felge und einen Typ-4-Boxer tragen wir am Uhrenkettchen. Aber geh mir bloß weg mit der Elektrik! Allerorten scheut der geneigte Schrauber den Kontakt mit dem Kupferwurm. Und wer ihn zu bändigen weiß, der wird zumeist mit Hochachtung gegrüßt. Denn irgendwann hupt der Bulli nach Lust und Laune, der Wischer geht nicht mehr und Sicherungen kaufen wir im Hunderterpack. Und dann braucht es jemanden, der Ahnung hat. Ahnung vom Strom im VW.

Ob es daran liegt, dass man den Strom nur selten sieht? Wer weiß – doch bleibt die Tatsache, dass man irgendwann ohne einen Kumpel dasteht, der dem Wurm auf die Schliche kommt. Und dann ist es gar nicht so schlecht, zumindest ein klein bisschen Ahnung zu haben. Und schon wären wir beim „Praxishandbuch Oldtimer-Elektrik“ aus der Edition Oldtimer Markt.

Hier werden die verschiedenen Szenarien ausführlich – aber eben von den Grundlagen her und weitestgehend ohne ein Übermaß an Fachtermini – durchgearbeitet. Wie lese ich einen Schaltplan, wie bringe ich meine Beleuchtung in Schuss, wie suche ich den Fehler, wenn es zu viel oder gar nicht mehr hupt, wie stelle ich meine Zündung ein – oder baue ich die gleich mal auf eine elektronische Variante um – und wie um Himmels willen verbinde ich Kabel, ohne gleich die nächste Fehlerquelle ins Auto zu hieven?

Die Herrschaften der Edition lassen nichts aus, denken dabei aber vor allem an den Hobbyschrauber, wobei auch der ein oder andere Exkurs in Randthemen erlaubt war. Immerhin hilft die korrekte Löttechnik nicht nur beim Anfertigen eines Kabels, sondern auch bei der Herstellung eines Bowdenzugs. Selbst der Blick über die Schulter der Profis wird gewagt, Klaus Müller beispielsweise baut Kabelbäume für historische Fahrzeuge in exakter Kopie nach: Indes zog seine Firma schon 2004 von Gündlingen an den neuen Standort in Gottenheim, das nur nebenbei.

Natürlich ersetzt das Buch keine Ausbildung zum KFZ-Elektriker. Doch mit ein bisschen Mühe kann sich auch der Laie ins Thema eindenken, das Handbuch ist entsprechend aufbereitet, was gerade uns Bulli-Fans zu Gute kommt. Denn welcher Bus, speziell die Baujahre bis in die 1980er sind hier betroffen, hat noch seine originale Verkabelung? Die kann man in vielen Fällen in der Rubrik „Komisch, aber nicht lustig“ verorten. Ganz offensichtlich war es einst Pflicht, bereits am Tag der Zulassung Modifikationen vorzunehmen – möglichst mit Steckern von der Modelleisenbahn oder mit blanken Kabelenden, im Sicherungskasten unter die Schmelzsicherungen geschoben. Dann noch 50 Meter Unterputzkabel für zusätzliche Verbraucher im Wohnbereich, die Boxen, die Halogen-Scheinwerfer, den CB-Kasperlesfunk und die Starkstromsteckdose im Motorraum – nur so für den Fall, dass man mal unterwegs einen 380-Volt-Holzspalter betreiben muss – und fertig ist die Laube.

Spaß beiseite: Das jüngst überarbeitete und aktualisierte Buch ist seine 25 Euronen wirklich wert, auch der Einsteiger lernt hier was, ohne gleich überfordert zu werden. Und wer weiß? Vielleicht wechseln wir mal sogar selbst eine Sicherung. Oder löten gar einen Kabelschuh …? HuiHuiHui!

 

Edition Oldtimer Markt: Praxishandbuch Oldtimer-Elektrik. Grundlagen - Fehlersuche – Instandhaltung. Heel Verlag Königswinter 2017, 188 Seiten, zahlreiche Farb- und Schwarzweiß-Abbildungen, 215 x 300 mm, gebunden, ISBN 978-3-95843-588-9, 24,99 Euro.

Heiko P. Wacker