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Buchtipp "Take the Slow Road: Schottland"

Der neue Reiseführer "Take the Slow Road: Schottland" ist gerade für Bullifahrer nicht nur wegen des schönen T2 auf dem Buchcover ein lesenswertes Werk. Heiko Wacker erklärt, warum.

 ©Delius Klasing

Hallo Bullifreunde und freunde des langsamen Reisens!

Schottland hat Bulli-Fans schon immer begeistert: Eine wilde Landschaft, ein faszinierender Menschenschlag und eine legendäre Geschichte summieren sich hier zu einem Sehnsuchtsziel. Daran ändern weder der kurzsichtige Brexit noch die aktuelle Lage an der Virusfront etwas. Und deshalb gönnen wir uns jetzt mal ein paar heitere Minuten – und einen Blick in „Take the Slow Road: Schottland“.

Bereits die für den britischen Markt bestimmte Ausgabe war er ein voller Erfolg, nun liegt der Reiseführer der etwas anderen Art auch auf Deutsch vor. Üppig bebildert, presspassvoll mit Tipps und fundierten Ratschlägen für die möglichst langsame – Eilige würden sagen „umständliche“ – Route durch die verschiedenen Ecken an Europas Rand links oben.

Vorab er-fahren hat sie Martin Dorey, der von der ersten der 352 Seiten an dazu aufruft, die Reise langsam anzugehen, Schottland in aller Ruhe und Ungebundenheit zu entdecken – und zwar per Campingbus. Dass er die einzelnen Touren mit verschiedenen Generationen der Hannoveraner Campinglegende unter die Räder nahm, sich zwischenzeitlich gar in eine Weißware gesetzt hat, das tut dem Buch und seiner fundierten Qualität keinen Abbruch.

Zu Anfang gönnt er sich und den Lesern ein bisschen Grundlagenforschung: Was für ein Auto macht Sinn, was ist Schottland überhaupt für eine Ecke, was hat es mit den gälischen Sitten so auf sich und wie lese ich Karten? Der letzte Aspekt wird zum Glück ganz besonders betont, denn wer sich ausschließlich auf sein Navi verlässt, der verliert den Überblick fürs Ganze.

Dieses wiederum teilt Martin in fünf Abschnitte, die detaillierte Routenvorschläge für sämtliche Himmelsrichtungen bieten, und auch dem Schottlandkenner noch Neues zu offerieren haben. Da geht es durch Südschottland, hier sei unter anderem die „Bonnie Botany Tour“ von Garten zu Garten erwähnt, oder in den schottischen Osten, beispielsweise nach Edinburgh. Der Norden ist der sagenhafte Teil des Landes, die Highlands sind spätestens seit 1986, als der Film „Highlander“ in die deutschen Kinos kam, ein Begriff: Eilean Donan Castle, die Niederungsburg hat in diversen Streifen als Kulisse gedient, ist im Film die Burg des Clans der MacLeod, und bis heute ein lohnenswertes Ziel. Und dann gibt es noch die stürmischen Inseln im Nordwesten Schottlands, Inselhopping hat Stil!

Zu allen Touren bietet das nicht mal 25 Euro kostende Buch Übersichtskarten, Routenschilderungen, Hinweise auf Sehenswürdigkeiten und nicht zuletzt Tipps zu Stell- und Campingplätzen, freilich ohne preisliche Notierung. Doch auch Anbieter für Leih-Camper sind gelistet, nicht jeder mag sich die mehrtägige An- und Abreise antun, auch wenn der Weg mit der Fähre einen ganz eigenen Reiz hat.

Die DFDS beispielsweise bietet täglich Fahrten von Amsterdam/IJmuiden nach Newcastle upon Tyne, von wo es knapp sieben Stunden oder 320 Meilen, ausnahmsweise mal auf der schnellsten Route, bis zur Burg des Clans der MacLeod sind. Newcastle gilt als idealer

Startpunkt für eine Reise nach Schottland, kommt man doch in der Regel gegen 9 Uhr an, so dass man gleich durchstarten kann, bis zur schottischen Grenze sind es knapp 70 Kilometer (2 Personen inklusive PKW und Kabine reisen derzeit für unter 500 Euro hin und zurück; www.dfdsseaways.de).

Doch zurück zum Buch, das bereits beim ersten Durchblättern Lust macht, mal wieder durchzustarten, auch wenn das Thema „Bildunterschriften“ sträflich vernachlässigt wird. Dennoch muss man gestehen, dass man ganz zwangsläufig schon nach wenigen Seiten faszinierende Fleckchen entdeckt, an denen man schon immer mal den Abend würde eintrinken wollen. So kann das Buch in der Vorbereitungszeit ebenso punkten wie während der Reise.

Marin Dorey: Take the Slow Road: Schottland. Verlag Delius Klasing Bielefeld 2020, 352 Seiten, 368 Fotos und Abbildungen, Klappenbroschur, Format: 16,4 cm x 23,3 cm, ISBN 978-3-667-11807-3, 24,90 Euro.

Heiko P. Wacker