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Büchner-Bulli als Bücher-Bulli

Der Marburger Büchner-Verlag überraschte mit einem alten T2 und einer gelungenen Aktion zum Welttag des Buches.

Letztes Jahr noch auf Lesetour

Mit dem Kennzeichen MR BV 11H ist schon angedeutet, dass sich um einen zugelassenen Oldtimer aus Marburg handeln muss. BV steht für Büchner-Verlag. Und der Bulli T2, der mit diesem Kennzeichen unterwegs ist, kann als rollender Kulturbotschafter bezeichnet werden. Er brachte viele Dutzend Bücher zu kleinen Leseratten.

Zwar durften zum Welttag des Buches, am Donnerstag, 23. April, Buchhandlungen wieder öffnen, wenn sie bestimmte Vorschriften einhielten. Dessen ungeachtet haben der Büchner-Verlag und die Buchhaltung Jakobi eine gute Idee kurzfristig realisiert. Kinder konnten telefonisch oder per Mail ihre Bücherwünsche durchgeben oder in der Buchhandlung in einen gesonderten Briefkasten werfen. Die Wunschzettel sollten Interessen und Vorlieben enthalten, auch konkrete Buchwünsche seien willkommen, teilten die Organisatoren mit. Das Team der Buchhandlung packte dann ein passendes Buchpaket. Damit Eltern keine „bösen Überraschungen“ erlebten, wenn die Rechnung komme, sei der Wert des Überraschungs-Paketes auf maximal 15 Euro begrenzt. Jedes Paket enthalte eine Überraschung, verkündete die Marburger Oberhessische Presse und trug damit zum Erfolg der Aktion wesentlich bei.

Geschenk-Rallye statt Lesetour

„Normalerweise ist das Büchner-Team im Frühjahr und im Herbst mit dem Büchner-Bulli auf Bulli-Tour. Wir besuchen Autor*innen, den Buchhandel, Universitäten; treffen Pressevertreter*innen, den Buchhandel und machen auf den Verlag aufmerksam‘“ sagt Ina Beneke, Vorstandsmitglied des Verlags. „Für uns als Team ist es eine liebgewonnene Tradition. Während der naturgemäß gemächlichen Fahrten wird gelesen, debattiert und wir kommen auf neue Ideen.

Wir waren schon sehr traurig, dass die diesjährige Frühjahrstour coronabedingt ausfallen musste.

Daher war es ein tolles Gefühl, den Bulli nun anlässlich des Welttag des Buches doch auch seinem Winterquartier befreien zu können und wieder "on the road" zu sein.

Viele Familien haben uns freudig erwartet und sich sehr über den Bulli und natürlich die Überraschungspakte, die die Buchhandlung Jakobi individuell zusammengestellt und mit persönlichen Botschaften und Kleinigkeiten, zum Beispiel einem Bulli-Ausmalbild geschnürt hatte, gefreut. Viele hatten noch nie einen VW-Bulli aus der Nähe gesehen. Es war ein tolles Gefühl, so vielen Familien ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern und hat uns einen riesigen Spaß gemacht.

Die Aktion war so erfolgreich, dass Frau Beneke am 24. April ihre Webseite aktualisierte und postete: Mit einer so großen Resonanz hatten wir nicht gerechnet. Vielen Dank an alle Familien,  die sich an unserer gemeinsamen Aktion Bulli-Auslieferung zum Welttag des Buches beteiligt haben. Es war toll, so viele freudige Gesichter zu sehen. Gemeinsam mit der Buchhandlung Jakobi waren wir gestern bis in die Abendstunden mit Einpacken, Einladen und Ausliefern beschäftigt. Beim Einbruch der Dämmerung haben wir uns entschieden vorerst abzubrechen, denn ihr möchtet den Bulli ja auch sehen. Aber keine Sorge: Gleich geht es weiter. Heute Nachmittag liefern wir mit dem Bulli noch die restlichen Tüten aus. Bis gleich...“

Corona hat den Bulli nicht ausbremsen können

 ©BV

Ein T2 mit interessantem Vorleben

Natürlich haben wir uns nach der Vita dieses Oldtimers erkundet und „Die Verlagsmenschen“, wie sie sich auf ihrer Homepage (www.buechner-verlag.de) selbst bezeichnen, haben uns einiges verraten. Der T2 hat 90 000 km auf dem Tacho, der Motor leistet 51 PS, die Erstzulassung ist auf den 8.11.1978 datiert. Soweit die bekannten Daten. Doch der Hintergrund ist interessanter:

 „Der Bulli war das allererste Zeichen unserer neuen beruflichen Existenz im Büchner-Verlag. Sein Kauf war die erste gemeinsame Entscheidung und eine Absichtserklärung: Dass wir das wirklich zusammen durchziehen. Der Bus wurde in Norddeutschland von einem Oldtimer-Händler erworben, der in seiner Halle jede Menge schicke und hochpolierte Gefährte stehen hatte.

Im Vergleich zu diesen Schmuckstücken sah unser 1978er T2-Camper fast etwas alltäglich aus, aber er war genau das, was wir gesucht hatten. Ein halbwegs erschwinglicher, liebenswerter alter VW-Bus mit Charakter - etwas für Normalos, nicht für anspruchsvolle Sammler. Der Wagen war trotz seines Alters in sehr gutem Zustand und mit H-Kennzeichen ausgestattet. Wohl deswegen, weil er das letzte Jahrzehnt seines Vorlebens hauptsächlich als Attraktion in einer Spielhalle verbracht hatte, bis sich sein Vorbesitzer von ihm trennen wollte. Während wir im Sommer 2017 auf der Rückbank Sicherheitsgurte einbauen ließen, daran herumschraubten, schliffen, malerten und die eine oder andere Roststelle behandelten, haben wir gleichzeitig auch unser Team zusammengeschweißt.

Der Bus ist unser greifbarer Anlass, immer wieder im Frühling und im Herbst unser Büro zu verlassen und uns auf in die Welt zu machen. Das funktioniert nicht immer vollkommen reibungslos. Immer wieder gibt es Sachen zu lernen über unseren Bulli, manches zu reparieren und nachjustieren. Aber so ist das eben. Dafür lernen wir allein durch unser Gefährt schon mal jede Menge Leute kennen. Menschen winken uns vom Straßenrand aus zu. So kriegen wir allein schon deswegen gute Laune, weil wir im Bulli sitzend durch die Lande fahren. Ob uns das als Verlag nach vorne bringt, wissen wir nicht. Aber es macht uns einfach echt viel Spaß…“

 

von Ernst Bauer