Zur Liste

Bulli-Filmdreh in Berlin

Serge Rau aus dem schweizerischen Biel stellte seinen T2a bei der Berliner Firma Film-Autos.com vor, die Oldtimer und Youngtimer für Film, TV und Werbung vermittelt. Mit Erfolg: Sein Bulli spielt eine wichtige Rolle in dem Film "Der Baader-Meinhof-Komplex".

Der T2a bei den Dreharbeiten in Berlin. ©Serge Rau

Die Geschichte beginnt im September 2004, als ich meinen T2a Feuerwehr-Bulli (Baujahr 1970) bei eBay ersteigerte. Zuvor hatte ich bereits einen 1966er T1 restauriert und einen 1978er T2-Camper "aufgemotzt".

Der 1970er T2a ist für mich unter den Oldtimer-Bullis zum Liebling avanciert. Ich liebe die Designsprache der 70er Jahre generell. Im Besonderen verfügt der T2a, der nur zwischen 1968 und 1970 gebaut wurde, über einige optisch sehr schön gelöste Details, die beim Facelifting 1972 verloren gegangen sind - zum Beispiel Blinker, Lüftungsschlitze und Stoßstangen.

 ©Serge Rau

Innerhalb eines Jahres reparierte und restaurierte ich das Fahrzeug und brachte es  technisch in einen einwandfreien Zustand. Im Sommer 2005 wurde der Bulli in der Schweiz zugelassen und ist seither außerhalb der Wintermonate im regelmäßigen Einsatz.

Kurz darauf wurde ich durch einen Zufall beim Googeln auf die Internetseite Film-Autos.com aufmerksam, deren Betreiber Oldtimer und Youngtimer für Film, TV und Werbung vermitteln. Da ich natürlich von der Schönheit meines Fahrzeugs überzeugt war, stellte ich es in die Online-Datenbank ein - in der Hoffnung, dass irgendwann einmal ein "Filmstar" aus ihm werden würde.

 ©Serge Rau

Ein Jahr lang blieb es ruhig. Dann aber rief mich aus heiterem Himmel ein Mitarbeiter von Film-Autos.com auf meinem Mobiltelefon an. Er erzählte mir von Dreharbeiten in Berlin und war der Ansicht, dass mein Bulli perfekt in den Film "Der Baader-Meinhof-Komplex" mit dem Schauspieler Moritz Bleibtreu in der Rolle des RAF-Terroristen Andreas Baader passen würde.

Der Film wurde gerade von der Produktionsfirma Constantin Film gedreht, die mein Fahrzeug für die Szene der Schleyer-Entführung benötigte.

 ©Serge Rau

Zum historischen Hintergrund des Films: Der westdeutsche Arbeitgeber-Präsident Hanns Martin Schleyer wurde am 5. September 1977 in Köln von der linksextremistischen Terrororganisation Rote Armee Fraktion (RAF) entführt und am 18. Oktober 1977 ermordet.

Die Schleyer-Entführung war das zentrale Ereignis des so genannten "Deutschen Herbst" und stand in engem Zusammenhang mit der Entführung des Lufthansa-Flugzeugs "Landshut" durch eine Gruppe palästinensischer Terroristen der PFLP. Damit sollte die Freilassung der inhaftierten Mitglieder der ersten Generation der RAF erpresst werden.

Nach Recherchen des Journalisten Stefan Aust, dessen Buch "Der Baader-Meinhof-Komplex" als Vorlage für den gleichnamigen Film dient, wurde Schleyer in einem beigefarbenen T2 entführt.

 ©Serge Rau

Die Filmproduktionsfirma und ich einigten uns schnell über die logistischen und sonstigen Anforderungen und die Sache war perfekt. Nach einer gründlichen Autoreinigungsaktion packten meine Frau und ich unsere Taschen in den 37 Jahre alten Bus und fuhren nach Lörrach zum Autozug, der uns in der Nacht nach Hildesheim bringen sollte.

Die Fracht war problemlos auf dem Autozug platziert worden und wir bezogen mit zwei Mitreisenden unsere Vierer-Schlafkabine. Unsere Kabinenkameraden bescherten uns einen amüsanten Abend und viele Tipps für die Besichtigung von Berlin.

In den frühen Morgenstunden trafen wir in Hildesheim ein. Die restliche Strecke auf der Autobahn führte uns an Wolfsburg, der Geburtsstätte unseres Bullis, vorbei. Gegen Mittag erreichten wir dank unseres Navigationssystems das Zentrum von Berlin, wo uns die Filmproduktionsfirma in einem Hotel einquartierte.

 ©Serge Rau

Am Tag vor den Filmaufnahmen besuchten wir mit dem Filmteam den Drehort in einem Wohnquartier am Stadtrand, um die letzten Fragen und Probleme zu klären. Der Drehort war bereits großräumig abgesperrt worden und wurde von einem Sicherheitsdienst bewacht.

Regisseur, Produzent und Crew (ca. 20 bis 30 Personen) gingen die Szenen noch einmal durch. Trucks mit Requisiten und Stromgeneratoren standen bereit und ein mobiles Restaurant präparierte Mahlzeiten für das Team. Wir trafen den Verantwortlichen, der unseren Bus in Empfang nahm.

Am nächsten Morgen ging es ganz früh los: Das Wetter war kühl und herbstlich wie 1977 bei der Entführung. Zum Glück hielt das mobile Restaurant heißen Kaffee und Tee bereit.

 ©Serge Rau

Die Mechaniker verpassten unserem Bulli Kölner Autonummern und kaschierten alle Details, die nicht zeitgemäß waren, wie zum Beispiel die Schweizer Autobahnvignette oder das digitale zweite Radio unter dem Handschuhfach. "Das hier ist Film, da muss alles perfekt passen", erklärten sie uns. Zusätzlich besprühten sie das Auto mit einer abwaschbaren Staubfarbe, um es optisch altern zu lassen.

Während der Dreharbeiten sahen wir uns in Berlin um und tauchten zwischendurch nur kurz am Set auf, um zu schauen, ob der Bus bereits Einschusslöcher hatte oder durch pyrotechnische Effekte zerstört worden war. Das Fahrzeug war natürlich ausreichend versichert. :-)

Die Filmaufnahmen gingen problemlos über die Bühne und die Mitarbeiter der Filmcrew waren sehr freundlich zu uns. Die einzig Einschränkung war, dass wir kaum fotografieren durften. Lediglich zu Drehbeginn und ganz zum Schluss konnten wir ein paar Fotos machen.

 ©Serge Rau

Nach zwei Drehtagen nahmen wir unser geliebtes Fahrzeug unbeschädigt wieder in Empfang.

Die Rückfahrt traten wir ohne Autozug an. Dieser war bereits ausgebucht, was uns dazu zwang, den 1.000 Kilometern langen Heimweg in die Schweiz vollständig auf den eigenen vier Rädern zurückzulegen. Nach 13 Stunden Fahrzeit kamen wir zu Hause in Biel an.

Serge Rau