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Das Blaulicht bleibt ausgeschaltet

Mit Blaulicht und Martinshorn brauste der rote Feuerwehr-Bulli durch das ostwestfälische Städtchen Enger, wenn es irgendwo brannte oder ein schwerer Unfall passiert war. Heute ist der T2 (Baujahr 1978) auf den Straßen Hessens unterwegs - mit abgedecktem Blaulicht.

 ©Sabrina Beck

Als die Stadt Enger in Ostwestfalen den in die Jahre gekommenen T2 in 2009 durch ein moderneres Einsatzleitfahrzeug ersetzte und zur Versteigerung freigab, zögerte Dachdeckermeister Stefan Lewe nicht lange und bot mit.

Selbst seit 1986 Mitglied in der Feuerwehr, wollte der 41-Jährige unbedingt verhindern, "dass der VW-Bulli einfach so zerlegt wird". Lewe: "Ich wollte, dass dieses Fahrzeug als solches erhalten bleibt." Stefan Lewe bekam den Zuschlag. Für eine vierstellige Summe gehörte der T2 ihm.

Lewes Freund und Geschäftspartner Stefan Winter (41) hatte schon lange davon geträumt, einen Oldtimer wie den einstigen fahrbaren Untersatz des Stadtbrandmeisters von Enger zu restaurieren. Der studierte Theologe nahm den Bulli mit nach Marburg (Hessen), wo er ihn von einem Spezialisten technisch restaurieren ließ.

Die Bremsen wurden erneuert, die Sitze aufgepolstert, die Standheizung ausgebaut, Schweißarbeiten erledigt und Rost beseitigt. "Die Maßgabe war, das Fahrzeug im Originalzustand zu erhalten", erläutert Stefan Winter, der so manchen Euro in das "alte Schätzchen" investierte. Kleine Beulen wurden nicht ausgebessert: "Man darf ruhig sehen, dass das ein altes Fahrzeug ist."

Mittlerweile ist der ehemalige Feuerwehrbulli wieder auf der Straße. Winter: "Die alte Aufschrift (Freiwillige Feuerwehr - Stadt Enger) musste natürlich runter. Und auch das Blaulicht muss mit einer Lederhaube abgedeckt werden. Die Sirene darf ich ebenfalls nicht einschalten. Aber es ist schon ein tolles Gefühl, wenn die Leute stehen bleiben und einem nachschauen. Von anderen Feuerwehrfahrzeugen oder Rettungswagen werde ich im Vorbeifahren sogar gegrüßt."

Aus der Garage geholt wird der T2 - 70 PS hat er - indes nur noch im Sommer für Spazierfahrten. "Mit meiner Tochter Mina (14) war ich jetzt ein paar Tage in Süddeutschland. Wir haben im Bulli geschlafen und gefrühstückt. Das ging prima", erzählt der vierfache Familienvater.

"Schneller als 100 Kilometer pro Stunde fahre ich mit dem Bulli aber nie. Schließlich soll der Motor (Zwei-Liter-Boxer mit Doppelvergaser) nicht überlastet werden." Auch im bundesweit einzigen Polizei-Oldtimermuseum in Marburg hat er den VW-Bulli bei einem Tag der offenen Tür schon gezeigt.

"Ein bisschen was muss noch gemacht werden, damit der Bulli ein H-Kennzeichen bekommt", sagt Winter. Das Problem: Dafür müssten Blaulicht und Martinshorn eigentlich abgebaut werden. Stefan Winter: "Ich versuche, eine Sondergenehmigung zu bekommen."

Text und Foto: Sabrina Beck

Dieser Artikel erschien zuerst am 25. August 2010 im Westfalen-Blatt und wurde mit freundlicher Genehmigung der Redaktion bei VW-Bulli.de veröffentlicht.

Sabrina Beck