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Das Vorzelt zur Hölle

"Das Vorzelt zur Hölle" ist der Titel des Buchs von Comedian Tommy Krappweis, in dem er seine traumatischen Kindheits- und Jugenderinnerungen an die Bulli-Campingurlaube mit den Eltern aufarbeitet. Unser Rezensent Patrick Kühl hat Tränen gelacht und empfiehlt das Buch unbedingt zu kaufen.

 ©Knaur

Sommerferien, es sind die 70er Jahre, die Eltern haben den Campingbulli mit Schlauchboot, Sonnenliege und viel guter Laune gepackt, es geht auf zu großen Abenteuern in Richtung Süden, in ferne Länder, an einsame Strände, zum Baden, Schnorcheln, Wälder und Seen erkunden.

Was für eine Vielzahl an Teenagern der damaligen Zeit, einschließlich meiner Wenigkeit, zu leuchtenden Augen und großer Vorfreude geführt hat, war für Tommy Krappweis, Comedian der bekannten RTL Samstag Nacht-Show und Erfinder der Kult-Puppe Bernd das Brot, jedes Mal aufs Neue das reinste Martyrium.

Lange Jahre nach den schaurigen Urlauben im T1 in Südeuropa hat Krappweis nun ein Ventil gesucht, das Erlebte doch noch irgendwie zu verarbeiten: Das Vorzelt zur Hölle. Der Titel des Buches, in dem nicht nur der Filius, sondern auch der eigentliche Übeltäter, nämlich das Familienoberhaupt Werner Krappweis, zu Wort kommt, sagt schon vieles über den Inhalt aus.

Das Vorzelt zur Hölle sind amüsante 250 Seiten voller Campinggeschichten der 70er-Jahre, die auch tatsächlich so oder zumindest annähernd so stattgefunden haben. Nicht nur der auf einer Humorskala zum vollen Ausschlag führende Schreibstil von Tommy Krappweis, sondern auch die teilweise weit ausufernden und über das Detail hinausgehenden Beschreibungen so einfacher Vorgänge beim Wildcampen wie das Wasserholen aus einem nahe gelegenen Brunnen oder die Erledigung eines dringenden Bedürfnisses im nahegelegenen Wald, die beide in einer tierischen Katastrophe endeten, treiben dem Leser die Tränen in die Augen.

Auch wenn Tommy Krappweis so gar nichts mit der Vorliebe seiner Eltern, die Ferien auf abgelegenen Campingplätzen oder an einsamen Buchten auf Sardinien zu verbringen, anfangen kann und die mobilen Ferien von A bis Z verteufelt, so erinnert man sich zwangsläufig selbst an so manch ähnliche Geschichte der frühen Jugend, die vielleicht zur VW-Bulli-Leidenschaft geführt hat. Vielleicht kann das Buch aber auch Anreiz sein, zu prüfen, ob man seinen eigenen Kindern nicht ähnlich Schreckliches mit der alljährlichen Gardasee- oder Toskana-Wohnwagentour durchleben lässt, ohne davon selbst wirklich etwas mitzubekommen.

Auch Werner Krappweis, Urheber und Erfinder der Krappweis`schen Urlaubstouren in die entlegensten Gebiete, kann noch heute nicht verstehen, dass die damaligen Erlebnisse so traumatisch für seinen ältesten Sohn gewesen sind, wie man in einigen Passagen des Buches lesen kann. Nicht weniger humorvoll beschreibt er die Urlaubsgeschichten aus seiner Sicht und so findet sich der Leser mitten in der familiären Aufarbeitung gemeinsamer Freizeitgestaltung der 70er-Jahre wieder, die sogar noch von bildlichen Ausschnitten des Familienalbums illustriert wird.

Das Vorzelt zur Hölle ist sowohl für Campinghasser als auch Campingliebhaber eine absolut empfehlenswerte, lustige Lektüre, die nicht nur einfach erheitert, sondern sicher auch bei dem ein oder anderen die eigenen Kindheitserlebnisse ins Gedächtnis zurückruft. Dass dabei ein T1 die automobile Hauptrolle spielt und auch ausreichend und detailreich Erwähnung findet, ist für den Bulli-Liebhaber nur noch ein Grund mehr, sich dieses Buch unbedingt sofort zu beschaffen.

Von VW-Bulli.de eine glasklare Kaufempfehlung.

Krappweis, Tommy: „Das Vorzelt zur Hölle“. 272 Seiten, 190 x 124mm, gebunden, Knaur TB Verlag, ISBN 978-3426784761, Preis 8,99 Euro

Patrick Kühl