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Wolfgangs Bulli-Story #3: Weitere Reisen und Abenteuer

Seit 1986 besitzt Wolfgang Stöberl seinen T2. Mit dem Bus hat er zahlreiche Reisen in viele Länder Europas unternommen. Und an dem Bulli hat er sehr viel selber gemacht. Hier erzählt Wolgang von den Jahren 1990 bis 2005.

Türkei bei Kemer.

 ©Wolfgang Stöberl

Wer Teil 1 und Teil 2 der Berichte über Wolfgangs Bulli verpasst hat, kann diese bei den Links unter diesem Beitrag finden.

1990 stand wieder die Türkei auf dem Programm. Diesmal besichtigten wir den Südwesten. In diesem Urlaub trafen wir mit meinem Bruder und seiner Familie zusammen und verbrachten die zweite Hälfte des Urlaubs gemeinsam. Er war damals mit einem Opel Omega und Zelt unterwegs. Zum Abschluss waren wir wieder in Kemer auf einem wunderschönen Campingplatz. Die Heimfahrt erfolgte abermals über die gleiche Strecke  wie vor vier Jahren. Diesmal waren wir um ein Stunde früher in Edirne. Heute frage ich mich manchmal, wie wir das geschafft hatten! Ein Schnitt von fast 100 km/h auf größtenteils Bundesstraßen mit so einem Bulli ist fast verrückt.

An dieser Stelle möchte ich erwähnen, was für eine tolle Beifahrerin meine Frau ist. Da kam selten ein Protest von der rechten Seite. Sie lernte auch super Kartenlesen und navigierte uns gut durch die Gegend, versorgte mich nebenbei mit Essen und Trinken.

Am nächsten Morgen trennten wir uns an der bulgarischen Grenze, denn mein Bruder wollte die ganze Strecke in einem nach Hause zurück fahren, um nicht noch einmal das Zelt aufbauen zu müssen. Zu Beginn gab es ein Stück Autobahn und er entschwand unseren Blicken. Vorher gab ich ihm noch den Tipp, dass man in Tompa, das ist in Südungarn, gut essen könne.

Als wir um 19:30 dort eintrafen, stand sein Auto noch am Parkplatz. Als wir das Lokal betraten, staunte die Familie nicht schlecht, dass wir auch schon eingetroffen waren. Dabei hatte ich auf der Autobahn in Jugoslawien mein Tempo verringern müssen, denn es war sehr warm. Sonst wäre mein Motor heiß gelaufen.
Fahrtstrecke in diesem Urlaub: 5903 Kilometer.

Menorca.

 ©Wolfgang Stöberl

1991 machten wir uns auf den Weg nach Spanien und von dort mit der Fähre nach Menorca und Mallorca. Von Mallorca gibt es auch eine nette Episode: Wir unternahmen einen Ausflug in die Bucht Sa Calobra. Das ist ein beliebtes Ausflugsziel. Um dorthin zu gelangen, fährt man über ein Gebirge und daher über viele Kurven und Serpentinen hinunter zum Meer.

Als wir uns auf den Heimweg begaben, sah ich, wie sich ein paar Touristen beeilten, dass sie noch schnell mit ihrem Mietauto vor uns wegkämen. So etwas amüsierte mich immer schon!

Nach einigen Kurven machten wir noch einen Fotostopp und weiter ging's bergauf. Es dauerte nicht lange, da holten wir das besagte Mietauto ein. Diese Tatsache bereitet mir immer wieder Freude.

Die Rückreise verlief allerdings nicht ganz sorgenfrei. Gleich bei der Abfahrt in Mallorca ging die Ladekontrolle nicht mehr aus. Bei einem kurzen Blick in den Motorraum stellte ich fest, dass der Keilriemen in Ordnung war. So fuhren wir weiter bis zum Hafen.

Lichtmaschinentausch.

 ©Wolfgang Stöberl

In Barcelona wurden wir am nächsten Tag von einer Werkstatt in die nächste geschickt. Da uns keiner helfen konnte, kauften wir eine zweite Batterie, damit wir nicht irgendwo auf der Autobahn ohne Strom liegenblieben, und fuhren weiter nach Frankreich.

Am folgenden Morgen – es war schon Freitag – suchten wir gleich die nächste VW-Werkstatt auf. Diese hatte leider auch keine Lichtmaschine auf Lager, konnte sie aber bis Montag besorgen. Es stellte sich jedoch heraus, dass diese sehr teuer war. Da wir am Urlaubsende nicht mehr so viel Geld und damals noch keine Kreditkarte besaßen, mussten wir uns von unserer Bank Geld überweisen lassen. Das war alles ziemlich aufwändig. So verbrachten wir das Wochenende in Frankreich.

Am Montag holten wir erst das Geld von der Bank, danach fuhren wir in die Werkstatt. Um Geld zu sparen, baute ich die Lichtmaschine am Parkplatz vor der Firma selbst ein. Um 17:00 Uhr konnten wir endlich die Heimfahrt antreten. Beim nächsten Tankstopp streikte dann auch der Starter. So mussten wir den Bulli nach jedem Abstellen anrennen.

 ©Wolfgang Stöberl

Als drittes und letztes Problem verloren wir dann noch bei Salzburg eine Schraube vom Ölsieb und hatten wegen des Ölverlustes keinen Öldruck mehr. Ich stellte den Bulli sofort am Pannenstreifen ab, entdeckte gleich das Ölleck, kramte aus meiner Werkzeugkiste eine Ersatzschraube hervor, schraubte diese hinein und alles war wieder dicht. Aber meine Ölvorräte hatten stark abgenommen und es war nicht mehr genug da, um ausreichend Öl nachzufüllen. Also schnappte ich das Moped, welches wir mit hatten, und fuhr über die nächste Abfahrt zu einer Tankstelle. Dort kaufte ich drei Liter Öl. Zurück fuhr ich, zum Staunen einiger Autofahrer, im Graben neben der Ausfahrt. Ich füllte das Öl ein und ab ging es endlich ohne weiteren Zwischenfall nach Hause. Zum Glück haben wir derartige Probleme nie mehr erlebt.
Fahrtstrecke: 5246 Kilometer.

Im Jahr 1992 wurde der Bulli rostmäßig saniert. Es mussten beide vorderen Radläufe, beide Außenschweller, der Querträger hinter der vorderen Stoßstange und das rechte hintere Eckblech neu eingeschweißt werden. Anschließend lackierte ich den Bulli rot. Mangels geeigneter Halle wurde er gleich auf der Straße vor unserem Haus lackiert.

In Italien.

 ©Wolfgang Stöberl

In diesem Sommer machten wir uns auf den Weg nach Rom und Sizilien. Auf einem Campingplatz in Sizilien hatten wir wieder ein nettes Erlebnis. Neben uns stand auch ein Bulli mit drei deutschen Burschen. An einem Abend saßen die drei Jungs da, aber der Bulli war nicht zu sehen. Das kam mir komisch vor; also ging ich zu ihnen und fragte, wo der Bulli sei. Sie antworteten: "Der steht ein Stück außerhalb des Camps und springt nicht mehr an." Ich bot mich an, ihn auf den Campingplatz zu schleppen.

So fuhren wir mit meinem Bulli hinaus, hängten den anderen an mein Abschleppseil und zogen ihn zurück aufs Camp. Das letzte Stück ging es ziemlich steil bergauf. Als ich da einfach hinauffuhr, als ob nichts wäre, staunte einer der Burschen, der nun bei mir im Auto saß, nicht schlecht und meinte: "Unserer geht alleine nicht so gut bergauf." Dazu muss ich ergänzen, dass die Jungen immerhin einen Bulli mit einem 2-Liter Motor besaßen.

Bald darauf stand deren Bulli wieder auf dem Campingplatz, doch die Burschen hatten von der Technik keine Ahnung. Da konnte ich nicht anders, packte meine Prüflampe, den Schraubenzieher und einen Schraubenschlüssel aus und forderte sie auf: "Lasst mich mal rein schauen!" Es dauerte nicht lange und ich stellte fest, dass die Kabel an der Zündspule falsch angeschlossen waren. Da erwähnte einer, dass die Zündspule zu Hause noch getauscht worden war.

Ich steckte die Kabel um, überprüfte danach die Zündeinstellung und sagte dann zu einem, er solle den Motor anstarten. Dieser sah mich ungläubig an, aber er probierte es. Und siehe da, der Motor sprang sofort an! Da waren die Jungs restlos erstaunt und sehr glücklich. Ich fragte noch kurz: "Welcher Blindgänger hat denn die Zündspule eingebaut?“ Worauf einer antwortete: "Der Blindgänger war mein Vater.“"

Warum der Motor vorher funktioniert hatte, war auch mir ein Rätsel. Nach getaner Arbeit packten die Burschen eine Flasche Wein aus und wir machten uns einen gemütlichen Abend.

In diesem Urlaub legten wir 5293 Kilometer zurück.

 ©Wolfgang Stöberl

1993 zog es uns wieder nach Griechenland auf den Peloponnes. Wegen des Krieges in Jugoslawien fuhren wir mit der Fähre von Ancona nach Patras; somit ersparten wir dem Bulli die lange Anfahrt. Daher waren es diesmal nur 2012 Kilometer.
 
1994 machten wir uns auf den Weg nach Südengland und Wales.

Im Herbst besuchte ich wieder einmal einen bekannten Autoverwerter. Ich entdeckte bei ihm schöne Recaro-Sportsitze. Da er diese unheimlich günstig anbot, kaufte ich gleich drei Paar. Ein Paar benötigte ich für mein Alltagsauto, das zweite für unseren Käfer und das dritte baute ich in den Bulli ein. Seitdem ist das lange Sitzen im Bulli ein noch viel größeres Vergnügen. So gab es laufend kleine Verbesserungen.

Damals wurden aber jedes Jahr sowohl auf den Campingplätzen als auch auf den Fährschiffen die Bullis immer weniger.

Griechenland.

 ©Wolfgang Stöberl

1995 fuhren wir nach Zakynthos und anschließend auf den Peloponnes. Auf dem Weg nach Gythion überquerten wir das wunderschöne Taigetos-Gebirge. Anschließend ging es durch die Langada-Schlucht. Am Ausgang der Schlucht folgte ein längeres, fast gerades Stück Straße. Da saugte sich ein griechischer Mercedesfahrer an, überholte uns und entschwand unseren Blicken. Als die Straße dann wieder kurvenreicher wurde, dauerte es nicht lange und ich erblickte in der Ferne abermals diesen Mercedes. Das spornte mich dann an und so kam ich ihm mit jeder Kurve etwas näher, bis ich ihn eingeholt hatte. Da konnte ich mir ein Blinzeln mit der Lichthupe nicht verkneifen.

1996 standen die Toskana und Sardinien am Programm, 1997 wieder der Peloponnes. Danach folgten vier Jahre Pause wegen Hausbau.

2002 hatten wir Erholung nötig. Daher ging es wieder nach Griechenland.

Griechenland bei Igoumenitsa.

 ©Wolfgang Stöberl

Im Jahr 2003 wollten wir nach Schottland fahren. Als ich den Bulli aus seinem Stall holte und durchcheckte, stellte ich fest, dass er wieder einmal ordentlich Öl verlor. Ich baute den Motor aus und versuchte es mit einem neuen Kurbelwellensimmering noch einmal. Weil dies keine Besserung brachte, war klar, dass der Motor komplett überarbeitet werden musste. Da sich dies bis zum Urlaub nicht mehr ausging, hatte der Bulli wieder Pause.

Im darauffolgenden Jahr baute ich im Winter einen neuen Motor auf. Nachdem der Lack nicht mehr schön war, besserte ich die diversen Schäden aus und ließ den Bulli diesmal professionell lackieren.

In diesem Jahr hatten wir dauernd schlechtes Wetter. Da war uns Schottland zu ungewiss und so fuhren wir nach Kroatien.

2005 machten wir uns auf den Weg zum Pelion in Griechenland. Damals musste man, wenn man von Igoumenitsa Richtung Osten fuhr, den berüchtigten Katarapass (1690 m) überqueren. Heute führt eine Autobahn vorbei.

 ©Wolfgang Stöberl

Auf der Rückfahrt hatte ich dort abermals meinen Spaß. Bei der langen, stetig ansteigenden, kurvenreichen Anfahrt beobachtete ich zwei Pkw im Rückspiegel. Nachdem ich sie eine Weile beobachtet hatte, war ich mir sicher, dass ich sie aufhalten würde. Also machte ich bei der nächsten Gelegenheit Platz und ließ sie vorbei. Es dauerte jedoch nicht lange, dann lief ich auf eine Kolonne auf, die von einem Lkw und zwei Autobussen angeführt wurde. Als dann eine Linksabbiegespur kam, zog ich dank der guten Übersicht, die man in einem Bulli hat, und meinem kräftigen Motor an der Kolonne vorbei. Unter anderem auch an den beiden Pkw von vorher. Diese holten mich erst lang nach der Überquerung des Passes wieder ein.

Von den nächsten Reisen gibt es keine besonderen Geschichten zu erzählen.

Schottland 2006.

 ©Wolfgang Stöberl



Zusammenfassung der mit dem Bulli durchgeführten Urlaubsreisen:

1987 Griechenland, Peloponnes. An- und Rückreise über Ungarn und Jugoslawien. 4422 km
1988 Griechenland, Peloponnes. An- und Rückreise über Ungarn und Jugoslawien. 4585 km
1989 Griechenland, Kreta. An- und Rückreise über Ungarn und Jugoslawien. Überfahrt nach Kreta von Gythion. 5429 km
1990 West- Türkei. An- und Rückreise über Ungarn, Jugoslawien und Bulgarien. 5903 km
1991 Spanien, Menorca, Mallorca. An- und Rückreise über Schweiz und Frankreich. 5246 km
1992 Italien, Rom, Sizilien. 5293 km
1993 Griechenland, Peloponnes. An- und Rückreise über Italien, Fähre Ancona - Patras. 2012 km
1994 Südengland, Wales. An- und Rückreise über Deutschland und Belgien, Fähre Calais -  Dover. 5875 km

2014 Korsika.

 ©Wolfgang Stöberl

1995 Griechenland, Peloponnes, Zakynthos. An- und Rückreise über Italien, Fähre Ancona -  Patras. 2696 km
1996 Italien, Toskana, Sardinien. 3737 km
1997 Griechenland, Peloponnes. An- und Rückreise über Italien, Fähre Ancona - Patras. 2610 km
2002 Griechenland, Chalkidiki. An- und Rückreise über Italien, Fähre Venedig - Igoumenitsa. 2947 km
2004 Kroatien. 1920 km
2005 Griechenland, Pelion. An- und Rückreise über Italien, Fähre Venedig - Igoumenitsa. 2464 km
2006 England, Schottland. An- und Rückreise über Deutschland und Belgien, Fähre Calais -  Dover. 5870 km
2007 Griechenland, Lefkas, Kefallonia. An- und Rückreise über Italien, Fähre Ancona -  Igoumenitsa. 2387 km
2008 Griechenland, Lefkas. An- und Rückreise über Italien, Fähre Ancona - Igoumenitsa. 1869 km
2010 Griechenland, Pelion. An- und Rückreise über Italien, Fähre Venedig - Igoumenitsa. 2419 km
2011 Süd- England. An- und Rückreise über Deutschland und Belgien, Fähre Calais - Dover. 4698 km
2012 Griechenland, Peloponnes. An- und Rückreise über Italien, Fähre Ancona - Patras. 3075 km
2014 Korsika. 2869 km
2015 Kärnten (Afritz), Udine. 1278 km
2017 Griechenland, Lefkas. An- und Rückreise über Italien, Fähre Ancona - Igoumenitsa. 2420 km

Der Bulli war uns immer ein treuer Gefährte und fuhr stets brav nach Hause. Für uns gibt es kein besseres Reisemobil, denn dieser Bulli passt auch unter jeden Olivenbaum und bringt uns in die entlegensten Bergdörfer.

Es gab Zeiten, da wurde man mit dem Bulli mitleidig beäugt. Heute wird er bestaunt, wo immer man damit auftaucht.

von Gerhard Mauerer