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Der Beginn einer großen Liebe

Ulrike Klages aus Schöppenstedt entdeckte ihre Liebe zum Bulli per Zufall. Während ihres Freiwilligen Sozialen Jahrs in einer Kirchengemeinde erbarmte sich der Pastor ihrer: Ulrikes Moped ließ sie allzu oft im Stich - und so bekam sie den T3 der Gemeinde als Leihgabe. Hier erzählt die Gewinnerin unseres Fluchtwagen.com-Gewinnspiels, wie es dazu kam.

Hallo liebe Bulli-Freunde,

der Beginn meiner großen Liebe für den Bulli ist einige Jahre her: Ich war 19 Jahre alt und begann die ersten Schritte ins Erwachsenenleben. Ich hatte mein Abitur bestanden, war zu Hause ausgezogen, und um etwas zu tun zu haben, fing ich ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer klitzekleinen Kirchengemeinde auf einem Dorf an.

Doch um aus der Stadt in das Dorf zu kommen, brauchte ich natürlich einen fahrbaren Untersatz. Also besorgte ich mir ein schon damals uraltes Moped. Leider war es kein großes Vergnügen, damit unterwegs zu sein, da es nur fuhr, wann es wollte. So beschloss der angeblich fahrbare Untersatz immer wieder auf den Landstraßen mitten in der Pampa auszugehen und auch nicht wieder anzugehen. Es blieb mir also nichts anderes übrig, als den Rest der Strecke zu Fuß weiter zu gehen.

Nachdem der Pastor dies einige Tage mit anschauen musste, wie ich viel zu spät und sportlich ausgelastet in seinem Büro ankam, beschloss er, mir den Gemeinde-VW-Bus als Leihgabe zu geben. Ich fiel ihm freudig in den Arm.

Nun hatte ich also einen Bulli. Zwar nur geliehen, aber schon nach der ersten Fahrt war es um mich geschehen. Es war ein unglaubliches Freiheitsgefühl, mit ihm unterwegs zu sein und wiederum den anderen Autofahrern in die Autos schauen zu können. Er war Baujahr 1980, war grün und wie ich später erfuhr einer der ersten der neuen Generation T3. Das Besondere an ihm war die ausfahrbare Zwischenstufe, die das einsteigen erleichterte.

Ich genoss die Freiheit mit ihm, fuhr mit Kindern auf Konfirmanden-Freizeiten, mit Jugendlichen in den Urlaub an die Ostsee oder mit meinen Freunden, um verschiedene Städte anschauen. Doch eines Tages wollte der Bulli auch nicht mehr so richtig und ließ mich wieder auf der Landstraße aussteigen und zu Fuß weiter gehen.

Nachdem er abschleppt und in die Werkstatt gebracht wurde, eröffnete mir mein Chef, dass der Kirchenvorstand beschlossen hatte, sich von dem Bulli zu trennen und ihn zu verkaufen, da er zu viel kosten würde. Ich war geschockt. Wie sollte ich es bloß ohne ihn aushalten? Doch ich konnte ihn mit meinem spärlichen „Taschengeld“ nicht kaufen, so musste ich mich schweren Herzens von ihm trennen.

Jahre später erfuhr ich von einem Freund meines Bruders, dass er diesen Bulli gekauft und ihn repariert hatte und damit bis nach Irland gefahren ist. Auch für ihn war es der Beginn der Bulli-Liebe. Er erzählte weiter, dass er diesen Bulli, nachdem er sich einen neueren VW Bus gekauft hatte, als Spende dem Bulli Museum der IG-T2 übergeben hat. Und tatsächlich, dort steht er heute noch. Hier gibt es weitere Infos zu dem T3.

Er gehörte auch zu der Ausstellung, die das Automuseum VW im Jahr 2009 in Wolfsburg veranstaltete. Auch stellte ich fest, dass dieser Bulli, mein damaliger Wegbegleiter, hin und wieder in Heften und Magazinen vorgestellt wird und auch in Büchern zu finden ist. Es wurde sogar ein Bulli-Modell nach seinem Vorbild hergestellt.

Wer hätte gedacht, dass meine erste große Bulli-Liebe einmal so berühmt wird.

13.11.2012; Text und Fotos: Ulrike Klages; Bearbeitung: Gerhard Mauerer

Ulrike Klages