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Der Einsatzleitwagen

Die Johanniter sind eine der großen Unfall-Hilfsorganisationen und engagieren sich auch in der Ruhrgebietsmetropole Essen. Neben den Kranken- und Rettungswagen finden sich im dortigen Fuhrpark weitere Fahrzeuge für verschiedene Aufgaben, darunter auch ein T5, der als Einsatzleitwagen verwendet wird.

Foto: Markus Schumacher

Dieser Einsatzleitwagen (ELW) der Johanniter wird als Koordinationsstelle bei größeren Sanitätseinsätzen genutzt, ist aber auch bei der Bewältigung von Großschadenslagen in das Konzept der Stadt Essen eingebunden. In einem solchen Fall werden im ELW zum Beispiel alle am Einsatzort erforderlichen Kranken- und Rettungstransporte organisiert.

Basis für das 2005 angeschaffte Fahrzeug ist ein T5-Transporter mit langem Radstand und mittelhohem Dach. Angetrieben wird der ELW vom 2,5 l TDI-Motor mit 128 kW (174 PS). Die zulässige Gesamtmasse des Fahrzeugs wurde auf 3000 kg angehoben. Im VW-Werk wurde das Fahrzeug mit einen Klimaanlage, einer Wasserzusatzheizung, einem Fahrtenschreiber, Armlehnen an Fahrer- und Beifahrersitz und einem Automatikgetriebe ausgerüstet. Alle anderen Um- und Einbauten wurden von der Firma TDS-Invents in Lüneburg vorgenommen.

Foto: Markus Schumacher

Von außen fällt zunächst die Sondersignalanlage ins Auge. Sie setzt sich aus einem Blaulichtbalken „Hella RTK 6 SL mit Blaulichtblitzern“, einer Blitzleuchte der Firma Hensch als drittem Blaulicht und zwei kleinen Blitzleuchten im Kühlergrill als „Straßenräumer“ zusammen. Ergänzt wird die Anlage durch zwei zusätzliche blaue Blitzer, die in die Heckklappe eingelassen sind und sichtbar werden, sobald die Klappe geöffnet wird. Da es sich um eine Mehrausstattung handelt, seien hier auch die hochgesetzten Zusatzblinkleuchten am Fahrzeugheck erwähnt.

An der Außenhaut des ELW fallen an der Fahrerseite drei Serviceklappen auf. Hinter einer verbirgt sich die Steckdose zur Einspeisung von 230-V-Wechselstrom. Diese Steckdose ist mit einer mechanischen Sperre versehen, die ein Anlassen des Fahrzeugs bei eingestecktem Stromkabel unmöglich macht.

Foto: Markus Schumacher

Die zweite Serviceklappe verschließt die Anschlussbuchsen für zwei externe Telefon- bzw. Faxleitungen, hinter der dritten Klappe finden sich zwei Anschlüsse für Antennen zum Betreiben des Sprechfunks im 4- und 2-Meter-Frequenzbereich. Hinter den beiden letztgenannten Serviceklappen verbirgt sich zusätzlich je eine 12-V-Steckdose.

Am Heck des Fahrzeugs befindet sich auf der Fahrerseite die Vorrichtung zur Aufnahme und Befestigung eines 5-Meter-Funkmasts. Zum Schutz vor Witterungseinflüssen ist der ELW auf der Beifahrerseite oberhalb der Schiebetür mit einer Markise der Firma Fiamma ausgestattet.

Foto: Markus Schumacher

Im Innenraum des ELW formieren sich fünf Sitzplätze um den Funktisch. Dieser Tisch ist mit zwei Funkarbeitsplätzen versehen. Fest eingebaut sind im Fahrzeug drei Funkgeräte für die 4-Meter-Funkfrequenzen und zwei Geräte für die 2-Meter-Funkfrequenzen. Diese Funkausrüstung sowie Regler für die Frischluftzufuhr finden sich in einem Geräteträger, der hängend über dem Funktisch montiert ist. Zusätzlich werden im Fahrzeug acht Handfunkgeräte (2-Meter) mitgeführt.

Um für die (Funk-)Zukunft gerüstet zu sein, besitzt das Fahrzeug eine Vorrüstung, um im Digitalfunknetz zu empfangen und zu senden. Ein Detail, das 2005 noch nicht selbstverständlich war.

Foto: Markus Schumacher

Zur Übermittlung von Informationen stehen im ELW weiterhin ein Faxgerät sowie eine Telefonanlage mit fünf Mobilteilen zur Verfügung. Fax und Telefon werden über zwei parallele Leitungen versorgt. In den Schränken mit Rolltüren findet das Faxgerät im Arbeitsbereich einen sicheren Platz. Außerdem steht hier Stauraum für diverse Aktenordner und Einsatzunterlagen zur Verfügung.

Im Fahrerraum des T5 befinden sich, ins serienmäßige Armaturenbrett integriert, die Bedienelemente für die Sondersignalanlage, ein 4-Meter-Funkgerät und der Monitor für das Navigationssystem. Dieser wird nach Einlegen des Rückwärtsgangs auch als Monitor für die Rückfahrkamera genutzt. Das Radio des ELW ist mit dem Lautsprecher der Sondersignalanlage gekoppelt. So können zum Beispiel Dauerdurchsagen im MP-3 Format nach außen abgespielt werden. Zwischen Fahrer- und Beifahrersitz ist eine Mittelkonsole mit Ablagemöglichkeiten für Taschenlampen u.ä. verbaut.

Foto: Markus Schumacher

Das Fahrzeug verfügt weiterhin über eine Motorweiterlaufschaltung (MWS). Im Einsatzfall kann der Schlüssel abgezogen werden und der Motor läuft weiter, um das Fahrzeug mit Strom zu versorgen. Wird bei aktivierter MWS ein Pedal getreten, geht der Motor sofort aus. Diese Funktion schützt sowohl vor Fehlbedienung als auch vor Fahrzeugdiebstahl.

Neben der Stromversorgung durch die Lichtmaschine des Transporters und die Außeneinspeisung von 230-V-Wechselsttrom hat der ELW eine 160 Ah starke Zusatzbatterie mit Kombi-Ladegerät. Ein Sinuswechselrichter sorgt bei Bedarf für die Umwandlung des 12-V-Gleichstroms in 230-V-Wechselstrom. Weitgehende Unabhängigkeit in Sachen Strom erreicht der ELW durch einen mitgeführten Stromgenerator der Firma Honda. Dieses Aggregat  verbirgt sich auf einem Schwerlastauszug hinter der Heckklappe des Fahrzeugs und gibt eine Stromleistung von zwei Kilowatt ab.

Foto: Markus Schumacher

Neben dem Generator finden sich auf einem Schwerlastauszug folgende Ausrüstungsgegenstände: Die Mastteile für den Funkmast, ein Notfallrucksack zur Erstversorgung eines medizinischen Notfalls, der obligatorische DIN-Verbandskasten, zwei Kabeltrommeln (1x 230-V Stromkabel, 1x Telefonleitung) sowie ein 12 kg Feuerlöscher.

Oberhalb des Auszugs finden sich Kisten und Schubfächer für verschiedenste Einsatzmaterialien sowie eine ausziehbare Arbeitsfläche, die von Halogenstrahlern ausgeleuchtet wird, die in die Verkleidung der (dann geöffneten) Heckklappe eingelassen sind. Komplettiert wird der Arbeitsplatz im Heck von einer Magnetwand, an die Einsatzinformationen o.ä. angeheftet werden können.

Foto: Markus Schumacher

Am oberen Rand der Hecköffnung ist die Rückfahrkamera des Fahrzeugs geschützt im Innenraum des Transporters angebracht. Da eine Außenmontage nicht möglich war, musste hier die Tönungsfolie der Heckscheibe etwas ausgespart werden um ein Bild aufnehmen zu können.

Damit auch für das eingesetzte Personal die Arbeit im ELW so angenehm wie möglich ist, ist das Fahrzeug mit einer Kühlbox für Getränke und Snacks sowie einer Kaffeemaschine ausgerüstet. Für gutes Arbeitsklima im Stand sorgen neben den Schiebefenstern und der Zusatzheizung ein Dachlüfter und ein elektrischer Heizlüfter mit einer Leistung von 1350 Watt.

Markus Schumacher