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Der Hochzeitsbulli

Der Kölner Marco Schuh bietet einen beliebten Service an: Man kann seinen Hochzeits-Bulli mit ihm als Chauffeur für den schönsten Tag im Leben buchen. Aber auch Geburtstage, Ausflugs- und Stadtrundfahrten machen in seinem Samba-Bus viel Spaß.

 ©Marco Schuh

An einem sonnig-heißen Samstag im Juni 2005 war ich mit meinem T1 Kastenwagen auf dem Weg zu einem Oldtimer-Treffen und fuhr durch ein kleines Eifeldorf, wo in der Dorfkirche gerade eine Hochzeit stattgefunden hatte. Die auf dem Kirchenvorplatz abgestellten Fahrzeuge waren alte Käfer - eine Ansammlung von rund zwei Dutzend "Krabbeltieren". Darunter zog ein besonderes Schmuckstück meine Aufmerksamkeit auf sich: ein mausgrauer, mit weißen Schleifen verzierter Brezelkäfer.

Neugierig betrachtete ich das frisch vermählte Brautpaar und die Gäste. Sie schauten zu mir herüber, als ob ich einer von ihnen wäre, der es gerade noch im letzten Moment geschafft hatte. Plötzlich ertönte es aus der Stille heraus: "Das wäre der richtige Hochzeitswagen bei dieser Affenhitze!"

 ©Marco Schuh

Im Gegensatz zum Käfer war mein Bulli durch die geteilte, weit nach vorn geöffnete Frontscheibe, das so genannte "Safari-Fenster", so luftig wie ein Cabrio. Diese "Klimaanlage" der 50er und 60er Jahre bewirkt heutzutage bei Passanten stets einen ungläubigen Blick und ein Lächeln.

Die Begegnung mit der Hochzeitsgesellschaft ließ mich auf meiner Weiterfahrt zum Oldtimer-Treffen und auch danach nicht mehr los: Hochzeitsfahrten im historischen Bus, mit lauter netten, entspannten und glücklichen Menschen - eine Idee war geboren!

Die Sache hatte nur einen Haken: Der Bulli, mit dem ich unterwegs war und den ich selber restauriert hatte, war "nur" ein Kastenwagen und entsprach daher nicht meinen Vorstellungen von einem richtigen Hochzeits-Bulli. Es musste die "Königsklasse" sein, der Original Samba-Bus mit Schiebedach, 25 Fenstern und als Neunsitzer. Ein Fahrzeug wie dieses war im guten Zustand schwer und nur für sehr viel Geld zu bekommen.

 ©Marco Schuh

Ein Freund tröstete mich: "Das Gute an der Sache ist, dass Dein Bulli schon gebaut wurde und Du ihn nur noch finden musst." Mehr als ein Jahr dauerte die intensive Suche im Internet, bis ich im September 2006 meinen rot-weißen Samba-Bus in Südfrankreich fand. Dennoch musste ich noch einiges investieren, bis der Bulli TÜV-gerecht und alltagstauglich war. Und bis ich ihn zuverlässig für Hochzeitsfahrten einsetzen konnte, natürlich wieder ausgerüstet mit "Safari-Fenstern".

Wichtigste Voraussetzung für die professionelle Durchführung von Oldtimer-Touren ist neben der Freude am Fahren die Bereitschaft, eine Dienstleistung auf hohem Niveau anzubieten. Die Pflichten eines guten Chauffeurs umfassen daher nicht nur den sicheren Transfer der Gäste, sondern sollten weitreichender sein: Angefangen von der stilvollen Kleidung bis hin zum freundlichen Bemühen, die Passagiere zu umsorgen und auf ihre Wünsche einzugehen.

Schließlich erwarb ich einen Personenbeförderungsschein und absolvierte eine Taxi- und Mietwagenscheinprüfung. Es sollte jedoch noch einige Monate dauern, bis ich meinen Chauffeur-Dienst anbieten konnte. Im Frühjahr 2007 war es endlich so weit.

 ©Marco Schuh

Beim Kölner "Stammtisch der Luftgekühlten" traf ich zufällig den Bräutigam mit seinem mausgrauen Brezelkäfer wieder und er fragte mich, ob ich ihn im Juni an seinem dritten Hochzeitstag mit seiner Frau und seinen Freunden fahren wollte. Er war der erste Kunde, der den Samba-Bus und mich als Fahrer buchte.

Häufig liegen die Gründe der Brautpaare bei der Entscheidung, eine "Samba-Hochzeit" zu feiern, darin, dass der Bulli ein liebenswertes, klassenloses Auto ist und weder spießig noch arrogant wirkt - egal ob für Jung oder Alt.

Zusammen mit ihren engsten Familienangehörigen und ihren besten Freunden fahren die Heiratswilligen entspannt zum Standesamt oder zur kirchlichen Trauung. Und im Anschluss, mit einer Dosenkette im Schlepptau, kommt beim Prosecco Party-Stimmung an Bord auf - natürlich bei fetziger Samba-Musik.

Anlässe gibt es genug: Ob Hochzeit, Geburtstag, Ausflugs- oder Stadtrundfahrt, Bullifahren macht einfach Spaß!

Mittlerweile ist der Fuhrpark gewachsen.  Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite www.samba-chauffeur.de

 

Marco Schuh