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Der Top-Team-Transporter

Tiefes, heiseres Grollen aus dem Motorraum, nervöses Spratzeln aus dem Auspuff, der Gasfuß wartet auf die Freigabe des Starts - eine Szene, wie sie selbst der Pilot eines von Abt getunten T5 kaum erleben wird. Dafür gehört diese Geräuschkulisse zum täglich Brot des Abt-DTM-Teams. Und dessen Mitglieder sind zu den Rennpisten im aufgepeppten Caravelle 2.5 TDI mit langem Radstand unterwegs. VW-Bulli.de stand das Fahrzeug der Crew von DTM-Fahrer Martin Tomczyck für einen Proberitt durchs Allgäu zur Verfügung.

Selbst wenn der Team-Bus trotz der imposanten Vierrohr-Auspuffanlage nicht annähernd einen derart aggressiven Sound wie die Rennwagen auf Audi A4-Basis produziert, schindet die Caravelle mächtig Eindruck. Tief gezogener Frontspoiler, Seitenschweller, Heckschürze mit dem eben erwähnten Sportauspuff und Dachspoiler pulverisieren jede Art von Sammeltaxi-Habitus.

Vor allem, da die Caravelle jetzt auf 19-Zoll-Rädern mit 255 Millimeter breiten Reifen steht. Abt zieht wahlweise Continental Sport Contact 3 oder Dunlop SP Sport 9000 auf. Unser Testwagen war mit Dunlop-Bereifung ausgerüstet. Zusätzlich wurde das Fahrwerk des langen Achtsitzers mit speziellen Dämpfern und Sportfedern modifiziert, die das Auto bis zu 40 Millimeter tiefer legen.

Zusammen mit der DTM-spezifischen, nicht gerade unauffälligen Beklebung ist anonymes Parken vor dem Supermarkt oder Freizeitpark passé. Passanten erwarten beim Öffnen der Schiebtür, dass sieben Mann in feuerfesten Overalls aus der Caravelle stürmen und alle umliegenden Autos betanken sowie mit frischen Reifen bestücken. In der DTM geht das in weniger als vier Sekunden vonstatten, die Abt-Jungs gehören dabei im Übrigen zu den Schnellsten.

Doch diesmal ist der Abt-T5 außerdienstlich unterwegs. Schneller soll die Caravelle trotzdem sein, denn nicht nur die Optik, auch der Motor musste sich Veränderungen gefallen lassen. Verständlicherweise gibt sich das Audi-Werksteam nicht mit dem Basis-TDI zufrieden. Aber auch die 128 Kw-Version des 2,5-Liters reicht den geschwindigkeitsverwöhnten Spezialisten von Abt nicht aus.

Die Neusortierung zahlloser Bits und Bytes der Motorelektronik soll 195 statt der serienmäßigen 174 PS aus dem schwarzen Kästchen zutage gefördert haben. Das maximale Drehmoment gibt Abt mit 450 statt 400 Newtonmeter an, die Nenndrehzahl steigt dabei von 2.000 auf 2.250 Umdrehungen. In der Praxis ist von dem Leistungsplus allenfalls bei der Elastizität etwas zu spüren. Im Vergleich mit dem Serienmodell gibt der Abt-Fünfzylinder seine Leistung sogar etwas harmonischer ab.

Generell bleibt die bullige Charakteristik des TDI erhalten. Viel Punch untenherum und ab etwas mehr als 3.500 Umdrehungen wird der Diesel zäh wie die Safety-Car-Runden in der DTM. Die Endgeschwindigkeit beziffert der Tuner mit 192 km/h (Serie: 188 km/h), der Standardspurt soll mit 11,5 Sekunden sieben Zehntel schneller als bei der Serie vonstatten gehen. Da braucht es wirklich gutes Messgerät, um den Unterschied deutlich zu machen.

Viel mehr hat uns die Fahrwerksabstimmung beeindruckt. Zugegeben, zaubern kann Abt auch hier nicht, denn ein Elefant wird selbst mit den besten Turnschuhen nicht zum Geparden. Doch die gedopte Caravelle mit den Dunlop-Sohlen überrascht mit einem präzisen Einlenkverhalten und hoher Spurstabilität auch bei der Höchstgeschwindigkeit.

Naturgemäß bringt ein Sportfahrwerk kein Plus an Komfort, zumal ein Nutzfahrzeug wie der T5 ohnehin nicht als Sänfte konzipiert ist. So ignoriert der Bus von Team Tomczyck kurze Bodenwellen und reicht sie jedem der acht Insassen einzeln weiter. Mit Lorbeerkranz und Schampus-Flasche.

Trotz der 19-Zöller mit flachem 40er Querschnitt bleibt jedoch genügend Restkomfort - lange Wellen werden geradezu vorbildlich geschluckt - erhalten, damit dem Team nach Ankunft an der Rennstrecke der Besuch beim Physiotherapeuten erspart bleibt. Der soll sich lieber um die Fahrer kümmern. Der Fahrer des Abt-T5 kann dank des hohen Grip-Niveaus und der deutlich reduzierten Seitenneigung ebenfalls entspannt bleiben.

Da der Innenraum dem Stand der Serie entspricht, muss über dessen Vor- und Nachteile kein Wort verloren werden. Standesgemäß sind sie also unterwegs, die Mitglieder des siegreichen Abt-DTM-Teams, zumindest was Optik und Fahrwerk angeht. Bezüglich der Motorleistung muss der Abt-T5 allerdings noch mal an die Box. Und was den Sound betrifft: Tourenwagen-Klang in einem T5 TDI wird wohl selbst für die Spezialisten von Abt eine unlösbare Aufgabe sein.

Das kostet das Tuning

Leistungssteigerung: 1.368,50 Euro
19-Zoll-Radsatz mit "BR"-Felge: 4902,80 Euro
Karosserie-Kit: 2.340,14 Euro
Vierrohr-Endschalldämpfer: 821,10 Euro
Sportfahrwerk: 1178,10 Euro

Internet-Adresse: www.abt-sportsline.de

Christian Wolf