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Immer mehr Fans lieben die Vans

Der Van ist der neue Star bei den Zulassungszahlen im Sektor Campingfahrzeuge und der Caravaning-Industrie-Verband freut sich über den stärksten Zulassungsmonat. Das hat jetzt sogar den ADAC veranlasst, in der Motorwelt zu titeln "Der Van ist das Ziel". Und die Generation der heute 30-bis 40-Jährigen ist die aktuelle Zielgruppe.

So schöne ruhige Plätze finden Bulli-Fahrer, wenn sie sich Zeit nehmen und mit den Menschen reden.

 ©roger@fernab.de

Ein Bild sagt mehr als 1000 Kieselsteine: So illustriert die neue ADAC-Motorwelt ihre Freizeitgeschichte mit der Schlagzeile „Der Van ist das Ziel“. An einem Strand der Insel Teneriffa lugt hinter der steinigen Böschung ein VW Bulli mit Faltdach hervor. Und man lese und staune: Kompakte Campingbusse seien gefragt wie noch nie. Sogar gebrauchte werden zu Rekordpreisen gehandelt.  Konkurrenz hin oder her – nie zuvor gab es so viele neue Modelle.

So sieht es auch der Caravaning-Industrie-Verband (CIVD). Die Begeisterung der Deutschen für Urlaub mit Reisemobil und Caravan ebbe auch in der Corona-Krise nicht ab. Die Neuzulassungen von Freizeitfahrzeugen stiegen im Mai um fast 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf über 14.000 Fahrzeuge. Um über 30 Prozent kletterten die Neuzulassungen von Reisemobilen. Mit mehr als 10.000 neuzugelassenen Fahrzeugen war der Mai 2020 der beste Monat der Branchengeschichte für dieses Segment.

Hingegen sanken die Caravan-Neuzulassungen um rund 16 Prozent, dennoch sei die Branche optimistisch für die kommenden Monate. Daraus lässt sich schließen: Der Trend geht also zum kompakten Campingbus, der in der Stadt beweglicher und auf der Strecke schneller sein kann, gleichwohl aber entspanntes und gemütliches Reisen ermöglicht.

Auch die passende Literatur profitiert vom Zulassungsplus - vor allem die Stellplatzführer.

 ©Archiv VW-Bulli.de

Ganz offensichtlich führt dieser Trend dazu, dass, laut ADAC, selbst Busse mit Hunderttausenden Kilometern Laufleistung für eine deutlich fünfstelligen Betrag den Besitzer wechseln. Vor allem die kompakten Klassen hätten sich in den letzten Jahren hervorragend verkauft, anfangs besonders die teilintegrierten Fahrzeuge, in jüngster Zeit die Campingbusse. Zudem seien neben alleinreisenden Paaren über 50 Jahren vor allem junge Familien und Millenials als Zielgruppen dazugekommen, sagt Daniel Onggowinarso, Geschäftsführer des CIVD.

Marketing teilt ja gerne die Kundschaft ein in Gruppen, denen bestimmte Eigenschaften zugeschrieben werden. So wird die Generation, die im Zeitraum der frühen 1980er bis zu den späten 1990er Jahren geboren wurde, als „Millenials“ bezeichnet, gerne auch als „Generation Y“, -  während die „Generation Z“ die jungen Menschen klassifiziert, die momentan noch in der akademischen oder berufsspezifischen Ausbildung sind oder diese gerade abgeschlossen haben. Millenials gelten als technikaffin und legen für sich erkennbar größeren Wert auf ihre Selbstverwirklichung als andere Generationen. Sie hinterfragen die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit und fordern eine angemessene Work-Life-Balance.

Welche Rolle spielt die Corona-Pandemie bei diesen Zahlen? Ende März musste der Kfz-Handel auf gemeinsamen Beschluss von Bundesregierung und Bundesländern wegen der Corona-Pandemie vorübergehend schließen, was zu einem drastischen Einbruch der Neuzulassungen geführt hatte. „Nun sehen wir einen starken und erwarteten Nachhol-Effekt“, sagt Daniel Onggowinarso: „Caravans sind konjunktur-sensibler und aufgrund der derzeitigen wirtschaftlichen Ungewissheit halten sich einige Interessenten noch zurück. Zudem hatte die wichtigste Käufergruppe, Familien, wegen geschlossener Schulen und Kindergärten oftmals mit praktischen Problemen im Alltag zu kämpfen und daher noch keine Möglichkeit, ein Fahrzeug zu erwerben“, erklärt Onggowinarso. „Aus diesen Gründen dürfte der Nachholeffekt bei Caravans wohl etwas später und langsamer einsetzen“, ist der CIVD-Geschäftsführer dennoch optimistisch.

 ©Screenshot stern tv

„Camping ist auf dem Weg, in der Mitte der Gesellschaft angekommen, da gehören auch die kompakten Busse dazu“ sagt Christian Günther, Geschäftsführer des Bundesverbands der Campingwirtschaft. Einig sind sich die Verbände darin, dass schon jetzt die Stellplätze in Toplagen schnell ausgebucht sind und empfehlen, etwas tiefer ins Reiseland einzudringen. Schon ein paar Kilometer weiter im Hinterland könne man schöne, weniger volle Plätze finden – oder auch Private, die eine Wiese tage- oder nächteweise vermieten. Tagsüber kann man dann die Gegend erkunden und bleibt mobil, am Abend parkt man sein kleines Privathotel ziemlich exklusiv und kann sich wohlfühlen. Genau diese Strategie hat auch am Mittwochabend (10.06.) stern-TV in einer Reportage geschildert.

 

von Ernst Bauer