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Der Versuch mit einem 30 Jahre alten Bulli nach Rom zu fahren

Folkhard Chilla hat es versucht, da kann ihm keiner etwas nachsagen: Im Sommer 2015 bemühte er sich in zwei Anläufen, mit seinem T3 nach Rom zu fahren. Dies gelang zwar nicht, aber: Er kam mit vielen Pausen und hausgemachten Problemlösungen immerhin wieder ohne fremde Hilfe nach Hause. Und: Nach Rom kam er dann auch noch - nur nicht in seinem Bulli.

In einer Nothaltebucht in Italien ©Folkhard Chilla

Hallo Bulli-Freunde!

In diesem Bericht möchte ich über unsere Reise im Sommer 2015 mit unserem Bulli T3 berichten, mit dem wir in zwei Anläufen versuchten nach Rom zu reisen. Zwar haben wir es nicht geschafft, wir sind aber immerhin ohne fremde Hilfe wieder nach Hause gekommen.

Es fing alles sehr entspannt an: Der Bulli hatte frisch das H-Kennzeichen bekommen, und ich dachte nun ist ja alles gut und nichts kann uns aufhalten.
 
Dass der TD-Motor, den ich (2001!) gebraucht mit unbekannter Kilometer-Leistung eingebaut hatte, einmal das zeitliche segnet, kam mir nicht in den Sinn.

Also fuhren wir los, von Binnen, in der Nähe von Hannover, Richtung Rom. Auf dem Weg wollten wir in Heilbronn unsere Tochter besuchen.

Auf der Autobahn, etwa 50 Kilometer vor Heilbronn, stieg die Wassertemperatur in das obere Drittel der Anzeige und wenig später kam auch die rote Blinkleuchte. Ich dachte, warst wohl ein bisschen zu schnell unterwegs mit dem alten Ding. Also nur noch 80 km/h und Heizung an. Das hat auch etwas gebracht, und so kamen wir in Heilbronn an.

Dort habe ich gleich den ADAC angerufen. Als wir da so warteten, hielt ein Bullifahrer an und bot uns seine Hilfe an. Er hätte eine eigene Werkstatt und kenne sich mit den alten Dingern aus. Inzwischen kam auch der ADAC um die Ecke. Gemeinsam diagnostizierten wir eine kaputte Kopfdichtung, da aus dem Wasservorratsbehälter Blasen mit Abgasen herauskamen.

Was nun, dachte ich? Wir wollten ja nach Rom. Also fragte ich den netten Bullifahrer, ob er die Kopfdichtung in seiner Werkstatt ersetzen könnte. Aber leider hatte er keine Zeit, es wäre erst in einer Woche möglich. Stattdessen wollte er mir den Bulli abkaufen!

Herstellen der Kabelbrücke für den Kühlermotor mit Bordmitteln ©Folkhard Chilla

Ich erklärte ihm, dass der Bus erst frisch ein H-Kennzeichen bekommen hat und ich ihn schon 27 Jahre besitze und ich mich deshalb nicht so schnell von ihm trennen würde. Ich fragte noch, ob ich es wohl die 500 Kilometer bis nach Hause schaffen würde. Das entlockte ihm nur ein lächelndes Kopfschütteln. Ich beschloss, es trotzdem zu versuchen und in der heimischen Werkstatt den Schaden reparieren zu lassen.

Am nächsten Tag ging es Richtung Heimat. Also Wasser auffüllen, Heizung an und mit 80 km/h auf die Autobahn. Es funktionierte! Immer eine Hand am Heizungsgebläse, und sobald die Luft kalt wurde (dann war das Wasser alle) anhalten, eine Stunde abkühlen, Wasser auffüllen und die nächste Etappe fahren. Das Wasser hielt immerhin für eine Stunde Fahrt!

So kamen wir tatsächlich zu Hause und in unserer vertrauten Werkstatt an. Es wurde nicht lange gezögert, am nächsten Tag bekam der Bulli eine neue Kopfdichtung. Und einen Tag später ging es wieder Richtung Rom!

Aber irgendwie hatte ich da schon so ein komisches Bauchgefühl, das sich dann später auch bestätigte. Bereits auf einer Autobahnraststätte in Österreich sprang der Bulli nicht mehr an. Wir schoben ihn zur Seite, dann zog ich das Kabel vom Temperaturfühler für die Vorglühanlage ab. Jetzt glühte der Motor immer vor und siehe da, er sprang an.

Wenn ich vernünftig gewesen wäre, hätte ich da umdrehen müssen, aber der klare Verstand war da irgendwie ausgeschaltet, weil das ja schon der zweite Anlauf war. Also weiter auf die Brennerautobahn. Wir kamen bis zum Gardasee, dann wieder hohe Temperaturanzeige und blinkende LED. Wir schafften es gerade noch auf einen Campingplatz am Gardasee.

Dort haben wir noch eine Bekanntschaft mit einen T4-Fahrerpärchen gemacht, die ganz neidisch auf unseren Bus schauten. Aber als ich ihnen von unseren Erlebnissen der letzten Tage erzählte, war der Neid nicht mehr ganz so groß.

Na, jedenfalls die Diagnose war wie das Letzte Mal: Abgasblasen im Kühlwasserbehälter, also Kopfdichtung durch. Aber diesmal standen wir am Gardasee und nicht in Heilbronn. Also 1100 Kilometer und nicht "nur" 500 von daheim entfernt.

Später wurden wir gefragt, warum seid ihr nicht einfach am Gardasee geblieben und habt dort Urlaub gemacht? Aber es ist so, wenn der Bulli "krank" ist, kommt leider keine Urlaubsstimmung auf. Außerdem war der Gardasee ja nicht unser Ziel, sondern Rom!

Einer der unzähligen Stopps auf der Autobahn zwischen dem Gardasee und der Heimat ©Folkhard Chilla

Also wieder auf den Heimweg. Ich kannte das ja schon, Wasser auffüllen, Heizung an, Hand auf die Heizung und los. Ich habe noch mit einer kleinen Kabelbrücke die zweite Stufe des Kühlermotors auf Dauerbetrieb geschaltet.

Bloß diesmal kam noch eine zusätzliche Hürde dazu: Der Motor musste auf Drehzahl bleiben. Standgas war tödlich. Wahrscheinlich weil die Wasserpumpe sonst nicht genug fördert.

Und dann kamen wir in Italien auf einem zweispurigen Autobahnzubringer in einen Stau mit Stop and Go. Ich versuchte erst den Motor auf Drehzahl zu halten und mit schleifender Kupplung mitzuzockeln, aber das haute nicht hin. Also ab auf die Standspur, ist ja ein Notfall!

Aber leider sahen das die Lkw-Fahrer, an denen ich dann rechts vorbeifahren wollte, anders. Sie ließen den "Raser" nicht vorbei. Da blieb nur noch eine Nothaltebucht und den Motor eine Stunde abkühlen lassen. Danach wieder Wasser auffüllen. Dann konnte man wieder ungefähr eine Stunde fahren.

Spannend war immer, die Etappen so zu planen, dass am Ende einer Etappe auch eine Raststätte war. Und tatsächlich haben wir es bis nach Hause geschafft.

Zu Hause angekommen, bin ich gleich ins Reisebüro, und drei Tage später waren wir in Rom, mit dem Flugzeug.

Heute geht es dem Bulli wieder gut. Er hat einen neuen Motor mit komplett neuen Anbauteilen bekommen und zusätzlich wurde ihm ein Ölkühler spendiert. Er hat uns 2016 auch schon wieder ohne Panne zum Nordkap und zurück befördert.

Viele Grüße, Folkhard Chilla

von Gerhard Mauerer