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Die Geschichte der Sambar

Dies ist die Geschichte der "Sambar". Bulli-Fan und KFZ-Mechaniker Frank Sistig fand den T1 in einem öden Berliner Hinterhof, wo er heruntergekommen seit sieben Jahren stand. Obwohl ihn seine Freunde für verrückt erklärten und seine Frau mit der Trennung drohte, restaurierten Sistig und sein Team den Bus aufwendig. Jetzt ist er in neuem Glanz als mobile Cocktailbar zu mieten.

 ©Sistig

"Die Geschichte der "Sambar" beginnt im Jahr 1960, als sie unter dem Modellnamen VW Achtsitzer-Sondermodell "Samba-Bus" vom Band lief", erzählt Sistig. Bis der Bus zur schicken mobilen Cocktail-Bar wurde, musste er einiges überstehen. Sistig fand den Bulli auf einem öden Hinterhof in Berlin. Sieben Jahre lang stand der Bus dort und war Wind und Wetter ausgesetzt.

"Einen T1 wollte ich immer schon haben", sagt der Bulli-Fan. "Dieses Ziel war aber unerreichbar für mich, bis zu dem Tag X, als ich diesen Haufen Schrott in einem Hinterhof entdeckte. Alle haben mich für verrückt erklärt, als ich das Teil gekauft habe - blanke Karosse die sieben Jahre nach dem Sandstrahlen draußen stand", erinnert sich der 44-jährige.

 ©Sistig

"Aber sobald ich ihn gesehen hatte musste ich ihn einfach haben. Meine Frau wollte sich schon trennen, aber ich hatte mir versprochen, dass ich es durchziehe und ihn nicht im Vorgarten verrotten lasse. Selbst die Nachbarn haben mich angesprochen und gesagt, 'Was ist das???' Ob ich denn das Grundwasser mit der Rostlaube verseuchen wolle."

"Acht Monate später hat dann keiner mehr was gesagt", freut sich Sistig. "Da haben sie alle nur noch den Hut gezogen", lacht der Bulli-Fan. Bis dahin allerdings war viel, viel Arbeit zu erledigen.

 ©Sistig

Der Bus hatte, als Sistig ihn erwarb, 186.443 Kilometer auf dem Tacho und hatte vier Vorbesitzer.

"Ich habe dann alle meinen guten Kumpels und Freunde zusammengetrommelt und gefragt, was wir machen können. Mein Lacker Mario sagte zunächst: Verschrotte das Ding! Andere fanden meine Idee, den Bus zur mobilen Bar umzubauen ganz cool und machten mit", erinnert sich Sistig.

"Mario sagte dann, er hilft mir und lässt seine Lehrlinge an dem Bus üben. Spachteln, Schweißen und so weiter", so Sistig. Und so stand die künftige "Sambar" in der Folge die meiste Zeit bei Mario.

 

 ©Sistig

Nach fünf Monaten aber kam Mario zu Frank und sagte: "Der Bus muss raus, Frank. Ich kann ihn nicht mehr sehen." Er gab sich, seinen Jungs und Sistig nur noch eine Woche Zeit - und sie zogen es durch. Alle seine Gesellen und Lehrlinge mussten schleifen, spachteln und wieder schleifen, bis er glatt war. "Alle hatten mich verflucht", grinst Sistig. "Aber nach ´ner Woche stand er da, grundiert und glatt."

Dann schoben sie den Bus 80 Meter rüber in Sistigs Garage. Dort schliff ihn der gelernte KFZ-Mechaniker nass, "bis die Finger blutig waren". Eine Woche später war die "Sambar" lackiert und "sah aus wie aus dem Laden. Da war all der Kummer und Stress und Frust vergessen, alle haben nur noch gestaunt, wie toll er dastand und aussah", erinnert sich Sistig.

 

 ©Sistig

"Alle waren stolz und waren froh, dass er fertig war, und ich war froh, dass ich ihn zusammenbauen konnte, mit allen 250 Teilen, die ich bei Leuten europaweit gekauft hatte. Jetzt steht er da und freut sich auf den ersten Einsatz als die "Sambar". Die acht Monate waren gefühlte fünf Jahre Tag und Nacht Arbeit."

Die Arbeit hat sich gelohnt. Optisch perfekt steht der Bus nun da. Im Inneren wurde der T1 zu einer mobilen Cocktailbar umgebaut. Passend zum klappbaren Tresen wurden eine nostalgische Kaffeemaschine und eine Bierzapfanlage, die auf einem Harley-Davidson-Motor basiert, eingebaut.

 ©Sistig

Für alle Samba-Busfans und Bulliliebhaber ist diese mobile Cocktailbar ab sofort bundesweit zu mieten. Die "Sambar" fährt zwar nicht selbst zu ihren Einsatzorten, da im Motorraum Wassertanks untergebracht sind, aber auf dem Hänger wird sie überall hin sicher chauffiert. Das Team der "Sambar" steht bei Interesse und Fragen gern zur Verfügung. Interessantes und weitere Bilder zur "Sambar" gibt es auf der Website www.die-sambar.de

Sistig ist seit langen Jahren Bulli-Fan. "Ich habe auch schon einen T3 aufgebaut und die 'Bullibrothers' gegründet, die es heute noch gibt", so Sistig. "Als ich um die 26 Jahre als war, bin ich auf alle Treffen gefahren.

Nur noch auf dem Papier ist er heute KFZ-Mechaniker bei VW. "Ich habe viele Kurse als Show-Barkeeper und Barmann gemacht", sagt Sistig. "Jetzt mache ich viele Veranstaltungen mit meinen Bars." Neben der "Sambar" hat Sistig weitere Bars aus Oldtimern aufgebaut: Mercedes Heckflosse, Baujahr 1966, Jaguar Serie 1 Baujahr 1969, eine Harley-Davidson aus dem Jahr 1970.

Frank Sistig