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Diesen Samba tanzt er schon seit 16 Jahren

Im Jahr 1992 konnte Jürgen Fischinger aus Calw die Zustimmung seiner Frau erringen, seiner bis dahin unterdrückten Leidenschaft freien Lauf zu lassen. Er hat uns erzählt, wie sich die Restaurierung eines T1 Samba über 16 Jahre hinzog.  

Den über 16 Jahre restaurierten Samba-Bus liebt die ganze Familie. ©Jürgen Fischinger

Das Restaurierungsobjekt war von vornherein klar: Familiengeprägt wurde der bei vielen Urlaubsfahrten benutzte T1 auserkoren. Als Kind stand ich schon mal hinter der Trennwand und versuchte, meinem Vater während der Fahrt die Augen zuzuhalten. Meine Vorliebe für große Autos wurde hier mit einfacher, beherrschbarer Technik kombiniert. Im "Oldtimer-Markt" gab es 1992 die Anzeige: "VW-Samba, Bj. 1964, als WoMo ausgebaut, mit kleinem Anhänger für VHB 2.500 DM in Ennepetal zu verkaufen."

Nach einem Telefonat bin ich hingefahren und habe dem Samba gekauft. Das Lenkspiel hatte etwa zwei Handbreit, der zweite Gang sprang immer wieder raus, aber wir kamen ohne Panne gut daheim an. Nach dieser strammen Leistung und weil der Samba laut Typenschild außerdem am gleichen Tag Geburtstag hat wie meine Frau, war ich euphorisch und redete mir das Fahrzeug eine ganze Zeit lang schön. Das böse Erwachen kam mit dem Zerlegen.

Der Samba befand sich in einem mangelhafter Zustand: Überall war Teppich verklebt, es gab keine brauchbaren Verkleidungen mehr, das Blech war mit Befestigungslöchern durchsiebt, Sitzbänke und Ausstellfenster fehlten. Die Trennwand für den freien Durchgang nach hinten war geöffnet, zwei Einzelsitze aus einem K 70 waren vorne eingebaut. Die Front-Ersatzradhalterung war stümperhaft befestigt, darunter kam ein Frontschaden zum Vorschein.

Sechs Farbschichten ließen sich nachvollziehen, die Elektrik erinnerte eher an Spaghetti als an zuverlässige Signalleiter. Die schönen Alu-Zierleisten waren auch nicht vollständig, das V an der Front fehlte komplett. So weit vorgedrungen, eröffnete sich mir dann auch ein Ausblick auf den von unten aufsteigenden Rost.

Kniestücke, Frontschürze, Schweller, hintere Ecken, Verstärkungsbleche, Abdeckung Unterzug, Unterkanten Klapptüren, Fensterunterkanten der Frontscheiben, Dachrinne und Abschluss Heckklappe - alles befand in einem neu zu definierenden Aggregatzustand. Eine glückliche Fügung ermöglichte den Ankauf eines orangefarbenen VW-Kombis. Dieser verfügte über eine vollständige Innenausstattung, bessere Türen, Stoßstangen, zusätzliche Ersatzteile, eine originale Trennwand und gute Frontpartie. Eigentlich war dies für 800 Mark das bessere Fahrzeug, aber leider kein Samba!

Deshalb wurde der Kombi zum Teilespender verdammt und das war gut so. Nun ging es darum, den Brückenschlag zwischen den noch gut erhaltenen Rahmenteilen und den Achsaufnahmen zu den weiter oben liegenden, noch nicht vom Rostbefall betroffenen Stellen herzustellen.

Weiter ging es mit den A-B-C-Säulen und den restlichen Senkrechten sowie Kniestücken, hinteren Eckstücken und der Trennwand. Hier machte ich meinen größten Anfängerfehler: Ich bediente mich aus der Repro-Abteilung eines bekannten Teilelieferanten, aber alles war für eine passgenaue Restaurierung nicht zu gebrauchen. Ich rupfte alles wieder heraus und machte mit teureren Originalteilen weiter.

Mit den Originalteilen machte mir das Restaurieren wieder Spaß. Der Bus sollte Patina und Geschichte behalten und kein neu geschaffenes Schauobjekt werden. So gingen 16 Jahre ins Land. Die Schweißnähte ließ ich durch einen Karosseriebauer veredeln. Auch das Lackieren übertrug ich den Profis. Jetzt ist der Samba fast fertig zusammengebaut und darf bald wieder auf die Straße."

Jürgen Fischinger

Dieser Artikel erschien zuerst am 23. Mai 2008 im Schwarzwälder Boten und wurde mit freundlicher Genehmigung der Redaktion hier veröffentlicht.

Jürgen Fischinger