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Dieser T3 Syncro hat einen langen Weg hinter sich

Lange Zeit stand Michael Ranzenbergers T3 Syncro, ein ehemaliger Post-Bus, auf einem Bauernhof nahe Kiel herum. Und lange dauerte es auch, bis der Bulli zu dem wurde, was er jetzt ist. Hier lässt Michael, einer der Gewinner unseres Adventskalenders, uns an der Geschichte seines Bullis teilhaben.

Der T3 auf seinem Standplatz auf einem Bauernhof. ©Michael Ranzenberger

Hallo Bullifreunde,

gerne erzähle ich etwas über meine persönliche Bulligeschichte:

Schon seit frühen Kindheitstagen habe ich eine Affinität zu Automobilen und insbesondere auch zu VW Bussen - wohl nicht zuletzt durch den ein oder anderen Spaziergang mit der Oma in den nahegelegenen Wald. Dort befand sich ein alter, ausgedienter VW Bus, der dort seinem Schicksal überlassen wodern war und der uns Kindern immer wieder mal als Spielplatz diente. Diese intensive Begegnung in der frühen Kindheit könnte man damit wohl als Schlüsselereignis bezeichnen.

Zwar waren später andere, sportlichere und schnellere Autos von größerem Interesse, aber das Interesse am VW Bus brach immer wieder durch. Als es dann mit 18 endlich soweit war, dass ich die Straßen unsicher machen durfte, war der VW T3 Multivan als Sondermodell Last Limited Edition ein heiß begehrtes Fahrzeug - für einen armen Auszubildenden aber leider in keinster Weise erschwinglich. Aber immerhin hatte ich aufgrund der Ausbildung zum KFZ-Mechaniker in einem VW Audi Autohaus immer wieder mal die Gelegenheit, den VW T3 zu fahren. Schon da entstand der Wunsch, irgendwann auch mal so ein Fahrzeug zu besitzen.

 ©Michael Ranzenberger

Viele Jahre gingen ins Land, aber der Wunsch mal einen VW Bus zu besitzen, kam immer wieder durch. Als dann noch der beste Freund durch einen Zufall in den Besitz eines VW T3 kam, der zum Wohnmobil ausgebaut war, war auch bei mir schnell der Wunsch nach einem eigenen VW Bus wieder geweckt. Schnell konkretisierten sich auch meine Vorstellungen, was es für ein Fahrzeug werden sollte und welchen Zweck es erfüllen sollte. Ein VW T3 Fensterbus sollte es sein, in der Allradvariante Syncro, den ich dann in Eigenregie zum Camper ausbauen wollte.

Nachdem ich dann 2009 einige Zeit mit der Suche nach einem geeigneten Bus verbracht hatte, entdeckte ich einen gelben Syncro Turbo Diesel mit Differentialsperren an der Vorder- und an der Hinterachse, der es mir irgendwie schon auf den Bildern des Inserats angetan hatte. Nach einigen Telefonaten vereinbarte ich mit dem Verkäufer einen Besichtigungstermin und es ging für ein verlängertes Oktoberwochenende nach Kiel. Wahrscheinlich lag es auch nicht allein an dem gelben Bus, sondern auch am Standort in der Nähe der maritimen Ostseestadt, die schon lange zu einem jährlich wiederkehrenden Ausflugsziel geworden war.

 ©Michael Ranzenberger

Nach einem Spaziergang an der Kiellinie ging es dann zur Besichtigung des ehemaligen Postbusses. Man traf sich in einem kleinen Schleswig Holsteinischen Ort auf einem Bauernhof, wo der Bus schon einige Zeit in idyllischer Umgebung verbracht hatte. Auf den ersten Blick sah er fast genauso aus wie auf den Bildern des Inserats, doch bei näherem Hinsehen wurde schnell der ein oder andere nicht unbedingt erwartete Mangel sichtbar. Im besten Zustand war der Syncro wahrlich nicht mehr, aber immerhin hatte er zu der Zeit auch schon 19 Jahre und gut 200.000 km auf dem Buckel die nicht spurlos an ihm vorbei gegangen waren.

Als Fernmeldefahrzeug der Deutschen Post wurde er sicher nicht gerade geschont, aber sicher immer gut gewartet. Danach gab es dann noch zwei weitere Besitzer, die ihn sicher auch nicht immer geschont und gepflegt haben. Aber immerhin, trotz langer Standzeit, sprang der Motor gut an und verichtete ohne Murren seinen Dienst. Es folgte eine kleine Probefahrt auf dem Gelände des Bauernhofs ohne wirklich dramatische Auffälligkeiten. Die Vorderachse polterte beim Befahren von Kopfsteinpflaster, die Sperren funktionierten nicht, die Standheizung funktionierte nicht, da die Zweitbatterie fehlte, aber er lief und die Grundfunktionen waren gegeben.

 

 ©Michael Ranzenberger

Nach Aufzählen der Mängel wurde über den Preis verhandelt, der sich deutlich unter dem, was ursprünglich mal aufgerufen wurde, einpendelte. Trotzdem erbat ich mir aufgrund gemischter Gefühle Bedenkzeit, ich war hin und her gerissen, ahnte ich doch zumindest ansatzweise, was auf mich zukommen würde, wenn ich mich für den Bus entscheiden würde.

Am nächsten Tag war die Entscheidung gefallen, trotz der Bedenken war die Entscheidung für den Bus gefallen. Es folgte der Anruf beim Verkäufer mit anschließendem Treffen und Abschluss des Kaufvertrages, Schlüssel- und Geldübergabe. Nachdem wir dann nochmal die Ostsee besuchten, ging es auf die 600 km lange Heimreise mit kurzem Abstecher nach Hamburg. Wie sich herausstellen sollte, eine sehr abenteuerliche Heimreise …

Nachdem also die Formalitäten geregelt waren, ging es wieder auf den kleinen Bauernhof, wo der VW Bus schon sehnsüchtig darauf wartete, mal wieder auf große Fahrt zu gehen. Er wurde mit Kurzzeitkennzeichen versehen, einem kurzen Check unterzogen und dann ging es über schmale Landstraßen in Richtung Autobahn und gen Süden. Der erste Zwischenstop sollte Hamburg sein, wo der Bruder, dessen Wahlheimat die Hafenstadt an der Elbe ist, ausstieg und die Freundin aus dem Begleitfahrzeug umstieg.

 

 ©Michael Ranzenberger

Brav verrichtete der Bus seinen Dienst und folgte den „Anweisungen“ des Fahrers, doch auf halber Strecke nach Hamburg mischten sich plötzlich lauter werdende brummende, ratternde Geräusche in die Geräuschkulisse aus Motorgeräusch, Windgeräuschen und der Musik aus dem Radio. Irritiert versuchten wir zu ergründen, wodurch diese Geräusche verursacht wurden, aber auch der Check beim Zwischenstop in der Hansestadt brachte kein Licht ins Dunkel. Trotzdem entschied ich mich die Heimreise fortzusetzen und hoffte den Bus gut nach Hause zu bringen und nicht auf irgendeinem Rastplatz stehen lassen zu müssen, um ihn dann ein paar Tage später mit einem Abschleppwagen einzusammeln.

Aber ein flaues Gefühl in der Magengegend machte sich breit und die Anspannung stieg. Im Stadtverkehr und bei langsamer Fahrt war von den seltsamen Geräuschen nichts mehr zu hören, aber sobald es wieder auf die Autobahn ging und die Geschwindigkeit höher wurde, waren sie wieder unüberhörbar. Bei einer Pause auf etwa der Hälfte des Weges versuchte ich noch mal zu ergründen woher die Geräusche kamen, aber es war so nicht heraus zu bekommen, klar war nur dass sie nichts mit dem Motor zu tun hatten. Immerhin, denn damit bestand die Chance, dass der Bus den Heimweg schaffen könnte.

 

 ©Michael Ranzenberger

Auf den restlichen Kilometern versuchte ich so gut es ging den Wagen zu schonen und ihm nicht zu viel abzuverlangen und so reihte ich uns die meiste Zeit zwischen den LKWs ein. Zwar wurden die Geräusche gefühlt immer lauter und wir haben Blut und Wasser geschwitzt, aber der Bus hielt durch und brachte uns gut nach Hause. Am nächsten Tag ging ich der Ursache dann in der Werkstatt auf den Grund und stellte fest, dass der Allradantrieb des Syncro nicht mehr funktionierte und dass die Geräusche aus dem Bereich des Vorderachsgetriebes ertönten. Das ließ nichts Gutes erahnen und so wurde der Bus für´s erste auf Seite gestellt …

Nachdem der erste Schock verdaut war und einige Wochen ins Land gegangen waren, machte ich mich daran, der Ursache des nicht funktionierenden Allradantriebs und den Geräuschen weiter auf den Grund zu gehen. So wurde dann an einem kalten Dezembertag im Carport das Vorderachsgetriebe ausgebaut und anschließend geöffnet. Was ich dabei feststellen musste, war ich nicht gerade das, was ich erhofft hatte, aber brachte Licht ins Dunkel: die Getriebeeingangswelle des Vorachsgetriebes war abgeschert. Damit war die Ursache für den nicht mehr funktionierenden Allradantrieb und auch die Geräuschentwicklung auf dem Heimweg ergründet. Nicht gerade das, was ich finden wollte, denn die Folge dieser Diagnose war, dass ein anderes Vorderachgetriebe beschafft werden musste. Eine Investition, die so nicht eingeplant war.

 

 ©Michael Ranzenberger

Da es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr auf eine Hiobsbotschaft mehr oder weniger ankam, machte ich mich daran, den Bus genauestens unter die Lupe zu nehmen und weitere Mängel ausfindig zu machen. Dafür wurde der Innenraum hinten von allen Einbauten und Verkleidungen befreit und sämtliche Scheiben ausgebaut. In dem ein oder anderen Scheibenrahmen waren wie erwartet Durchrostungen zu finden, die glücklicherweise kleiner ausfielen als gedacht.

Zwar war die Grundsubstanz des T3 ganz okay, aber mir war nach dieser gründlichen Befundung klar, dass vor der Wiederinbetriebnahme deutlich mehr gemacht werden müsste, als der Plan gewesen war. Somit musste eine gut überlegte Entscheidung her wie es weiter gehen sollte, denn das eigentlich für das vorgesehene Budget für dieses Projekt würde bei einem notwendigen Wiederaufbau um ein Vielfaches überstiegen werden. Es blieben also zwei Möglichkeiten: entweder das Projekt sofort wieder beenden und aufgeben oder in den sauren Apfel beißen und mit viel Arbeits- und Geldeinsatz einen Neuaufbau wagen …

 ©Michael Ranzenberger

Ich entschied mich aber nach reiflicher Überlegung für einen Neuaufbau des Syncros, auch wenn ich da noch nicht wirklich ahnte, welche Ausmaße das Projekt letztenendes dann bekommen sollten.

Zum einen wurde die Karosserie wieder in Ordnung gebracht, Rost entfernt, das ein oder andere Blech eingeschweißt und der Bus neu lackiert. Zum anderen wurde aus einem VW Passat ein 115 PS Pumpe-Düse-TDI-Motor implantiert mit entsprechender Übersetzungsänderung der beiden Getriebe. Umrüstung auf größere Räder, die original 16"-Räder sollten es sein mit entsprechender Bereifung, um auf diese Art und Weise die Übersetzung dem stärkeren Motor anzupassen.

Als die Karosserie und die Überarbeitung der Technik über die Bühne gebracht war, ging es dann an den Innenausbau.

So sieht der Bulli heute aus. ©Michael Ranzenberger

Im Inneren des Transporters habe ich viele Komponenten vom Multivan verwendet, um den Innenraum wohnlicher zu gestalten. Im hinteren Bereich hielten ein Kompressorkühlschrank, eine Klappschlafbank, Frischwassertanks, Spüle und Kochgelegenheit Einzug. Auch den Möbelbau habe ich in Eigenregie erledigt, aus dem Transporter von der Stange ist also in der Zeit von 2009 bis heute ein sehr individuelles Fahrzeug entstanden, in das sehr viel Herzblut, Zeit und Geld geflossen ist. Und weiterhin fallen mir immer wieder Verbesserungsmöglichkeiten ein.

Mitte 2013 war das Fahrzeug fertig und einsatzbereit und seitdem konnte ich schon die ein oder andere schöne Urlaubs- und Wochenendtour mit dem Bulli erleben.

Viele Grüße,

Michael Ranzenberger

Weitere Fotos gibt es in der Galerie unter diesem Beitrag zu sehen.

Michael Ranzenberger