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Ein Pulli für den Bulli

Im Frühjahr 2012 hatte eine Fahrgemeinschaft die Idee, ihren T3 komplett "einzustricken" und bat im Internet um Strick-Hilfe. Denn - typisch Männer - die acht Jungs können selbst natürlich nicht stricken. Im heißen Sommer 2014 wurde der Pulli für den Bulli fertig - dank der ehrenamtlichen Hilfe zahlreicher Strickerinnen und Stricker.

 ©Marco Wölk

Angefangen hatte alles mit einem Urlaubsfoto. Marco Wölk, ein VW Nutzfahrzeuge-Kollege der Acht-Mann-Fahrgemeinschaft aus Suttorf (Neustadt am Rübenberge), nordöstlich von Hannover, hatte im Thailand-Urlaub in Bangkok einen T2 fotografiert, aus dem heraus Waren verkauft wurden, und der teilweise ein Strickkleid trug. Dieses Foto zeigte Wölk seinen VWN-Kollegen.

Thorsten Wrona, der wie seine sieben Fahrgemeinschaftskollegen - Frank Jahn, Torsten Wojke, Roman Herdzina, Kai Kalinofski, Nico Holste, Carsten Witte und Oliver Kohlstedde - bei Volkswagen Nutzfahrzeuge in Hannover/ Stöcken arbeitet, erinnert sich: "Wir sagten uns: Das können wir auch!" Doch schnell kam die Erkenntnis: "Nein, das können wir nicht. Bullis bauen ja -  Wolle und fertige Strickelemente gebrauchen!“

Doch es dauerte mehr als zwei Jahre, bis der T3 mit viel Wolle und noch mehr Liebe zu der Idee endlich ein warmes Ganzkarossen-Etui tragen und dennoch voll funktionsfähig gefahren werden konnte.-

 ©Thorsten Wrona

Es folgten Hilferufe zum Mitstricken und Wollespenden im Internet, in Bulli-Foren, der erste Bericht auf VW-Bulli.de erschien. Zudem gab es Berichterstattung über die Aktion in anderen Medien.

Die Resonanz auf das Strick-Bulli-Projekt war hervorragend. Dank der vielen Strickmädels und -jungs, die sich meldeten, dank der Wollespenderinnen vom Harz bis an das Meer, aus der deutschen Hauptstadt Berlin bis nach Puerto Varas in Chile, ist der Bulli nun voller Woll-Lust nach sieben Monaten tatsächlich komplett eingestrickt.

 ©Thorsten Wronka

Wrona sagt: "Rund 200 Kilometer Wolle und über 2000 Arbeitsstunden haben Ina, Claudia, Hilde, Gudrun, Carola, Marlies, Karin, Heike, Kerstin, Christine, Emely und Gisela aufgewendet, um unseren VW Bus T3, Baujahr 1986, in einen echten Strickbulli zu verwandeln!"

Von VWN-Mitarbeiterinnen, Bullifans und von Fanschalstrickerei.de erhielt die Fahrgemeinschaft großzügige Wollespenden. Wrona sagt: "Für das gesamte Fahrzeug mußte ein rund 40 Quadratmeter großer Spezialüberzug - teils aus Fanschals von Fanschalstrickerei.de - als Wolleträger in über 400 Stunden Handarbeit genäht werden."

 ©Thorsten Wrona

Sämtliche Fensterausschnitte, Beleuchtungen, Spiegel, Türgriffe, Scheibenwischer, Radioantenne und Anbauteile mussten millimetergenau auf die Bulli-Außenhaut angepasst und zugeschnitten werden. Sogar das Dach und die Felgen wurden liebevoll bestrickt. Trotzdem ist der Strickbulli voll fahrfähig. "Nur der Unterboden ist nicht bestrickt", sagt Wrona mit einem Schmunzeln.

Das größte Problem stellte das Gewicht der Strickflächen dar. "Hierzu wurden zusätzlich über 200 Magnetstreifen in den Überzug eingenäht, um den etwa 60 Kilogramm schweren Pulli für den Bulli zusätzlich in Form zu halten. Eine Regenfahrt ist wohl nicht möglich. Das Gewicht würde sich verzehnfachen und würde die Stoßdämpfer beziehungsweise die Karosse wahrscheinlich in die Knie zwingen", sagt Wrona.

 ©Thorsten Wrona

Was das Ganze gekostet hat? Die Aktion wäre laut Wrona ohne die freiwillige Hilfe der Strickerinnen und Stricker "einfach unbezahlbar" gewesen. Der VWN-Mitarbeiter schätzt, dass man gewiss auf 10.000 Euro käme, würde man Materialkosten und Arbeitslohn errechnen.

Von 13. bis 15. Oktober 2012 wurde der Strickbulli auf der Hannover Messe Infa Kreativ (200.000 Besucher) ausgestellt. Wer möchte, so Wrona, konnte auf der Messe den Strick-Bulli mit handgefertigten Strickassesoires direkt am Fahrzeug weiter verschönern.


 ©Claudia Lenchowski

Die Strickerinnen

Gisela Bodmann strickt jeden Abend vor dem Fernseher Kleidungsstücke für ihre beiden Enkelkinder. Ihr Mann und die Tochter arbeiten bei VWN. Ein Auto hat Gisela zum ersten Mal umstrickt. Sie hat die meisten Einzelteile und die schwierigen Radkappen gestrickt. Das riesige VW-Logo auf dem Kühlergrill stammt auch von ihr. Und damit die acht Jungs auch wirklich zum Strickbulli passen, hat sie gleich noch acht Bärte und Mützen gestrickt.

Heike Riedemann kommt aus Puerto Varas in Chile, ohne Zweifel die am weitesten entfernte Strickerin. Der Kontakt zu ihr kam über Facebook zu Stande.

Claudia Lenckowski, die auf VW-Bulli.de vorgestellt wurde, aus Mildstedt bei Husum ist großer Bullifan und die einzige Graffiti-Strickerin Husums. Sie bestrickt gerne auch mal Laternenpfähle. Lenckowski hat für den Bullipulli Blumen und Bullimotive gehäkelt. "Wunderschön!", sagt Wrona.

 ©Christine Schmidt

Christine Schmidt aus Berlin strickt für ihr Leben gern. Ihr Mann war großer Bullifan. Nachdem sie bei VW-Bulli.de über die Strick-Aktion gelesen hatte, musste sie umbedingt mitmachen.

Thomas Jaensch und Felix Rohland, die sonst Häkelmützen designen, wollten eine Riesenmütze fürs Dach und die Außenspiegel häkeln.

Ilona Rothbart aus der VWN Qualitätssicherung hat die größte Einzelspende an Wolleknäulen getätigt. Zehn Prozent des Bulli-Pullis konnten mit ihrer Wolle gestrickt werden.

 ©Ina Brosig

Die jüngste Strickerin, Emely M., ist gerade mal zehn Jahre alt und hat die Anhängerkupplung umstrickt.

Ina Brosig, VW Mitarbeiterin im Presswerk Hannover, aus Rodewald/ Kreis Nienburg hat Teile der Front mit dem VW-Schriftzug gestrickt. Stricken ist für sie pure Entspannung. Als Mitarbeiterin beim größten Bulli-Bauer - VW Nutzfahrzeuge aus Hannover - war es für sie "selbstverständlich, dass ich da mitstricke". Ina hat auch die Nummernschilder gestrickt.

Marlies Schaal hat die Stoßstangen umstrickt. "Mega aufwendig", sagt sie, aber ihr hat es dennoch riesig Spaß gemacht.

Carola Blumberg hat die Fahrertür mit viel Hingabe gestrickt. Ihre größte Angst war, "dass die Maße nicht stimmen".

Karin Langrehr schließlich hat mit Freude ein etwa ein Quadratmeter großes Seitenteil gestrickt.

Thorsten Wrona