Zur Liste

Einmal Bulli, immer Bulli - Erfahrungen mit T1, T3 und T4

Andere interessierten sich für PS, Chrom und schnittige Formen. Unser Leser Wolfgang Martens, Baujahr 1944, aus Oldenburg, wollte von Anfang an einen Bulli. Und so fuhr der bald 69-Jährige in den vergangenen Jahrzehnten so manche VW Busse. Seine Bulli-Geschichte lesen Sie hier.

 ©Wolfgang Martens

Liebe Bulli-Freunde,

Während sich andere für PS-starke Motoren, viel Chrom und schnittige Formen begeisterten, stand für mich seit frühester Kindheit in Sachen Autos etwas anderes im Vordergrund: Ich wollte ein Auto, das Lasten transportieren kann, viel Platz im Innenraum hat, robust konstruiert ist, in dem man viel Übersicht hat, das wendig ist und sich wie ein PKW fahren lässt: ein VW-Bulli!

Erste Erfahrungen machte ich in den sechziger Jahren als Fahrer eines als Krankenwagen umgebauten T1 Kombis. Nach VW Käfern, 1600 Variant und Audi 80 erfüllte ich mir 1986 mit der VW T3 Caravelle TD (von meiner Familie liebevoll Turbulli genannt) einen lang gehegten Kindheitstraum. Frage aus dem Verwandten- und Bekanntenkreis: Was willst du mit so einem großen Auto? Meine Antwort: Fahren!

Die irritierte Reaktion wandelte sich zu sprachlosem Erstaunen, wenn ich ergänzte: dieses Auto hat etwa die gleichen Außenmaße wie ein Mittelklassefahrzeug im Stile von einem Passat oder dem Audi 100, passt in die gleiche Parklücke (Ausstieg notfalls durch die Schiebetür), ist genauso wendig und bietet durch die höhere Sitzposition mehr Übersicht und dadurch entspannteres Fahren. Gerade beim letztem Punkt war der Bulli seiner Zeit voraus, wenn man bedenkt, warum heutzutage so viele Geländewagen (oder neudeutsch: SUV) die Straßen bevölkern.

 ©Wolfgang Martens

Der VW-Bulli erregt Aufmerksamkeit, fördert die Kommunikation und macht sensibel für die Wünsche des Fragestellers. Frage: Wie viel Platz ist da im Innenraum? Gegenfrage: Was soll ich wann und woher oder wohin transportieren?

Der Bulli ist ein Auto mit viel Platz und daher auch das optimale bequeme Reisegefährt für Familien. Es hat zwar den cw-Wert einer Schrankwand, ist aber als Diesel trotzdem sparsam im Verbrauch (Benziner: Geschwindigkeit geteilt durch 10 = Verbrauch). So haben wir viele schöne Reisen damit unternommen.

1997 folgte mit dem T4 Caravelle TDI der nächste „Turbulli“ für mich. Mein Sohn Matthias - frühkindlich vom Bullifieber infiziert - übernahm den T3 und fuhr ihn bis 2006. Das Auto konnte einem manchmal leid tun, musste es sich doch vollbepackt und manchmal zusätzlich mit einem Tandemanhänger mächtig abquälen. Aber es hat das alles klaglos und ohne Ausfälle mitgemacht. Jetzt weiß man auch, warum es Nutzfahrzeug heißt. 2006 wurde das Fahrzeug (es war bis dahin inzwischen über 400.000 km gelaufen) verkauft. Der Käufer ist damit nach Portugal und zurück gefahren, dann verlieren sich die Spuren.

 ©Wolfgang Martens

Mit dem T4 erfolgte die Umstellung von Heck- auf Frontantrieb. Leider wurde auch meine Bullibegeisterung mehrfach getrübt. War der T4 in der Anschaffung doppelt so teuer wie der T3, war er in der Verarbeitung - so war leider meine persönliche Erfahrung - nicht so gut. Es waren vor allem viele Kleinigkeiten - Stichworte Qualität und Verarbeitung -, die mir die Freude an meinem Fahrzeug vergraulten. Am Fett konnte es beispielsweise aber nicht liegen, denn da wo es gebraucht wurde, war keines vorhanden. Als „Ausgleich“ dafür wurde - wie ich zufällig feststellte - das Reserverad werkseitig mit extra Unterbodenschutz eingesprüht, da es vor der Versiegelung des Fahrzeugs bereits montiert wurde. Kommentar eines VW Mitarbeiters damals: Das Reserverad könne man doch mit einem Hochdruckreiniger säubern. Unklar blieb mir allerdings, wie häufig es wohl vorkommt, dass im Falle einer Reifenpanne ein funktionsbereiter Hochdruckreiniger bereit steht.

 ©Wolfgang Martens

Eigentlich schade, macht doch das Fahren mit diesem Auto sehr viel Spaß, wenn alles funktioniert!!! Leider war man da vor Überraschungen nie ganz sicher. Erfuhr mein T4 doch eine Verjüngungskur um 147.000 km, weil bei diesem Kilometerstand der Tacho seinen Geist aufgab und der neue als original VW Ersatzteil und von einer VW Werkstatt eingebaut nicht auf den aktuellen Stand eingestellt werden konnte.

Mein Bulli-Fazit fällt dennoch positiv aus:

- Bullifahren macht Spaß
- Bullifahren heißt reisen, nicht rasen
- Bullifahren ist jedoch leider ziemlich teuer geworden

Wolfgang Martens