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Sieben Jahre und 60.000 Kilometer mit T3 "Specki"

Philipp Schyma kaufte sich zunächst einen T4, wechselte vor gut sieben Jahren dann aber auf einen T3. Er baute ihn zum Camper aus und seitdem haben Philipp und seine wachsende Familie viele wundervolle Urlaube und Reisen mit "Specki" erlebt.

 ©Philipp Schyma

Hallo Bullifreunde,

gerne schreibe ich ein wenig über unseren Bulli und unseren kleinen Abenteuer mit ihm: Angefangen hat alles nach meinem Studium, meine damalige Freundin (heutige Frau) und ich mochten Campingurlaube mit unseren Oldie-Rollern (Vespa + Schwalbe) sehr. Die 50 Kubik schränkten aber, was den Umkreis anging, schon sehr ein. So musste eine neue Möglichkeit des Transports her, die mit einem Bulli T4 Langversion, ehemaliges Feuerwehr-Fahrzeug geschaffen werden sollte.

Als Transporter war der Bulli super, und als Schlafmöglichkeit überzeugte er voll. Nach und nach blieben die Roller mehr und mehr zuhause. Wir waren vom Campingbusfieber befallen.
Aber der T4 Bulli war dann doch nicht ganz das, was ich mir vorstellte.

 ©Philipp Schyma

Mein Wunsch war von Anfang an ein T3, aber erstens lockte dieser T4 mit viel Platz, da es sich um die Langversion handelte. Und zweitens schien er die vernünftigere Wahl zu sein: nicht ganz so alt, nicht ganz so "teuer".

Leider erwies sich der angeblich so gepflegte 5-Zylinder-Motor als ölschluckendes Elend und auch sonst war das Gefühl, eine eher schlechte Wahl getroffen zu haben, so groß, dass wir den T4 nach 18 Monaten wieder abtraten und uns den von mir so lang ersehnten T3 gönnten.

Die Sache war nur die, wir wollten Reisen, doch jegliche T3-Camping-Bullis, die wir uns angesehen hatten, waren rostzerfressen oder so teuer, dass sie nicht in unserem Budget lagen.

Als ich dann bei der VEBEG, einem Verwerter der Öffentlichen Hand, auf ein rostfreies T3-Funkerfahrzeug mit sehr wenig Kilometern stieß, stand fest: Wir bauen selber aus!

 ©Philipp Schyma

Nach einer Besichtigung und der Prüfung, ob er wirklich rostfrei war und so weiter, kam das bange Warten, ob wir ihn ersteigern konnten und ja: der ehemalige Funker-T3-Flecktarn-Bulli Baujahr 1985 mit nur 31.000 Kilometern auf der Glocke war nun unser.

Bei der Abholung sprang er trotz längerer Standzeit an und auf gut Glück und um mir eine Mängelliste erstellen zu lassen fuhren wir mit dem T3 Bulli direkt zum TÜV. Der T3 bestand den TÜV ohne Mängel.

Der Funkerausbau, ein Schreibtisch, drei Sitze sowie diverser Elektrokram  wurde ausgebaut. Auch Fahrer- und Beifahrersitz wurden ersetzt.

 ©Philipp Schyma

Nach gründlicher Reinigung, vor allem der Sitzbezüge, bauten wir eine von mir über Ebay erstandene Multivan-Ausstattung ein. Auch wollte ich den super Zustand des Blechkleides
erhalten und habe somit den Bulli mit Mike Sanders Fett hohlraumkonserviert und die  Fugen mit Ovatrol bestrichen.

Dabei habe ich es mit dem Fett wohl zu gut gemeint, was unserem Bulli seinen Namen "Specki" einbrachte, da er bei warmem Wetter vor Fett triefte.

Im Oktober 2014 war unser Bulli bereit für den ersten Test und wir packten für ein langes Wochenende unsere sieben Sachen und fuhren in die Niederlande an die See.

In den Flitterwochen 2015.

 ©Philipp Schyma

Im darauf folgenden Jahr 2015 heirateten meine Freundin und ich. Wir machten sechs Wochen frei und fuhren mit unseren T3 in die Flitterwochen: durch Frankreich nach Italien/ Genua auf die Fähre nach Sardinien, wo wir zwei Wochen blieben. Dann mit der Fähre nach Livorno, um über die Toskana und den Gardasee zurück zu fahren. Für diese Tour verschönerten wir unseren T3 mit einigen Aufklebern wie Europakarte und Kompassrose. Der Trip war einfach klasse.

Nach dem  Winterschlaf unseres Bullis - wir fahren ihn auch im Alltag, aber von Oktober bis März motten wir ihn ein - ging es im Frühling 2016 in Deutschlands Nord-Osten: Havelland, Uckermark, Mecklenburgische Seenplatte. Wir standen auf Höfen und Übernachtungsanbietern des Landvergnügen-Stellplatzführers, welcher für uns schöne Möglichkeiten bot.

 ©Philipp Schyma

Im selben Jahr machten wir noch einen Kurzurlaub in Sangatte nahe Calais sowie einige kleinere Wochenendtouren. Im Internet stieß ich auf die Interessen-Gemeinschaft-T3 und wurde dort Mitglied. Somit stand ein Reiseziel für 2017 schon fest. Es ging zum Treffen in die Nähe von Pirna. Wir schlossen an das Treffen unseren Urlaub an und fuhren Freunde in Süddeutschland besuchen.

Zu diesem Zeitpunkt waren wir schon nicht mehr ganz zu zweit, meine Frau war schwanger und wir freuten im Sommer auf unser erstes Kind. Unsere Tochter wurde im Juli geboren und ich holte sie und meine Frau mit dem T3 im Krankenhaus ab. Trotz Schiebetür-Gepolter und Motorgeräusch schlief sie hervorragend.

Nach einiger Planung und dem Einbau eines von uns überarbeiteten Dach- und Seitenschranks gingen wir 2018 mit unserer kleinen Tochter auf Tour. Wir fuhren neun Wochen durch Südwesteuropa. Unser Ziel: der westlichste Punkt Festland-Europas in Portugal.

Reise 2018.

 ©Philipp Schyma

In Frankreich in der Camargue sah unsere Tochter zum ersten Mal das Meer. Von da an ging es an der Küste entlang Richtung Spanien. Wir übernachteten mal auf Campingplätzen und mal auf Stellplätzen.

Die anfängliche Angst, unsere kleine Tochter zu überfordern, verging recht schnell. Sie schlief super und auch sonst waren die Erfahrungen und die gemeinsame Zeit einfach schön.

In Spanien wechselten wir mehrfach von der Küste ins Inland und blieben hier und da, wo es uns gefiel. Die Temperaturen waren wechselhaft, was interessant war, da es "der Frühsommer" in Deutschland war mit Temperaturen um die 30 Grad und mehr. Wir aber hatten angenehmes Campingwetter.

 ©Philipp Schyma

Auch in Portugal an der Algarve war es nicht zu heiß, und als wir an die Atlantikküste kamen, wurde es wie erwartet etwas rauer. Als wir das Cabo da Roca erreichten, entschieden wir uns weiter Richtung Norden zu fahren. Wir wollten Lissabon und Porto sehen. Nach Porto machten wir uns dann auf dem Heimweg und nach zirka 9000 Kilometern und rund 60 Tagen war die Tour vorbei - und wir um etliche schöne Momente reicher.

2019 verbanden wir unseren Urlaub erneut mit einem Bullitreffen der IG-T3. Diesmal ging es nach Dessau Roßlau an die Elbe. Wieder war meine Frau schwanger. Im Juli 2019 wurde unsere zweite Tochter geboren.

 ©Philipp Schyma

Nun stellte sich die Frage: Wird der Bulli zu eng? Angetestet haben wir dies schon und es sieht gut aus.

Nun wollen wir erneut los. Nach nun über sieben Jahren und mehr als 60.000 Kilometern (bisher konnten wir kleinere Pannen immer selbst beheben) planen wir die nächste längere Tour: 2020 soll es sechs bis acht Wochen von Deutschland über Österreich und Ungarn nach Kroatien gehen.

Viele Grüße, Philipp

von Gerhard Mauerer