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Essen auf Rädern: Camping-Kochbuch des ADAC

Natürlich prunken klassische Urlaubs-Postkarten aus der Provence oder der Toskana mit Begriffen wie „Rotwein, Weißbrot & Käse“ – und jeder weiß sofort, dass da jemand das Leben genießt. Mit einfachen Mitteln eben, unter blauem Himmel. Und ein bisschen neidisch wird man schon. Wie wäre es jedoch, mal ein flottes „köcheln gerade unser Filet Béarnaise über dem Lagerfeuer“ auf die Karte oder in die SMS zu packen...?Hört sich nach Hotel-Diner an – ist aber auch auf dem Campingplatz zu machen, wie Carsten Bothe zeigt. Und dabei ist das Rezept auf Basis klein geschnittener Schweine-Filets nur eines von vielen aus seinem Campingkochbuch. Das macht schon beim Blättern Laune.

 ©Heel Verlag

Der Punkt ist ja der: Im Urlaub hätte man doch endlich mal Zeit für all die kleinen und großen kulinarischen Genüsse, die man mit Freundin, Freund, Kumpels oder der Familie ausprobieren möchte. Indes ist es zumeist so, dass nach einem ganzen Tag draußen einfach nur der Magen knurrt, und es dann doch wieder auf Dosen-Ravioli hinausläuft. So man nicht die nächste Taverne oder Pizza-Bude entert.

Wer das nun aber mit dem Vermerk „ich hab halt keinen Backofen, sondern nur eine Gas-Kartusche zur Hand“ begründet, der liegt falsch. Immerhin – und jetzt kommen wir wieder auf Carsten Bothe zu sprechen – lässt sich auch auf zwei Flammen eine unkomplizierte und dennoch leckere Küche zaubern.

Das soll jetzt keine Tirade gegen die Dose an sich sein: Viele Konserven sind gerade in abgelegeneren Gegenden eine sinnvolle Ergänzung des Reiseproviants. Und von der schon aus preußischen Armeezeiten bekannte „Erbswurst“ sei jetzt gar nicht die Rede!

Es gibt aber auch noch lokale Spezereien frisch vom Markt, frisch vom Kutter oder eben frisch vom örtlichen Händler. Wer ein bisschen Mut zur Improvisation hat, der kann auch fern des heimischen Herds grandiose Gerichte zaubern. Was nicht ausschließt, dass man eventuell zuvor genau dort üben möchte, soll es etwas komplizierter werden. Niemand blamiert sich gerne.

Immerhin hat Carsten Bothe auch Rezepte vom Kaliber einer „Ente vom Grill“, eines „Gulasch über dem offenen Feuer“ oder eines „Dosenhuhns“ im Köcher: Letzteres wird in einem – leeren – Fünf-Liter-Party-Fässchen zubereitet. Man muss eben nur zusehen, dass man das Fässchen vorher trocken legt. Aber das ist eine andere Sache – so flexibel und einfallsreich dürften Bulli-Fans schon sein.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass das Büchlein ein netter Ratgeber für unterwegs ist, zumal auch Tipps rund um die verschiedenen Utensilien gegeben werden, die man halt denn doch dabei haben sollte. Vor allen Dingen aber reizen die Rezepte zur Abwandlung und zum Ausprobieren. Und vielleicht auch zur Aufhübschung heimatlicher Kochgewohnheiten. Man kann sich das ja mal überlegen. Bei Rotwein, Weißbrot & Käse ...


Carsten Bothe: Das ADAC-Campingkochbuch. Heel-Verlag Königswinter 2015, Paperback, 192 Seiten, 204 Farbfotos, 140 x 210 mm, ISBN: 978-3-95843-048-8, 19,99 Euro.

Heiko P. Wacker